Auch die Gerry-Weber-Filiale in Bielefeld wird schließen - zum 31. Oktober. - © Dennis Angenendt
Auch die Gerry-Weber-Filiale in Bielefeld wird schließen - zum 31. Oktober. | © Dennis Angenendt

Wirtschaft Gerry Weber schließt auch seine Geschäfte in Bielefeld, Halle, Versmold und Bad Lippspringe

Die Gläubigerversammlung hat dem Vorstand grünes Licht gegeben. In den Geschäften fallen 330 Arbeitsplätze weg, in der Zentrale 140

Stefan Schelp
04.06.2019 | Stand 05.06.2019, 07:27 Uhr

Bielefeld/Halle. Das ist der nächste schwere Schlag. Der krisengeschüttelte Modekonzern Gerry Weber schließt zum 31. Oktober in Bielefeld sowohl sein Geschäft in der Niedernstraße als auch die Samoon-Filiale einige 100 Meter weiter. Die Geschäfte in Halle und Versmold werden zum 30. September geschlossen. Gerry Weber in Bad Lippspringe schließt bereits zum 31. Juli. Insgesamt gibt der Konzern bis Ende November 146 Filialen und Verkaufsflächen im Inland auf. Damit fallen rund 330 Vollzeitarbeitsplätze weg. Das hat der Konzernvorstand und Sachwalter Stefan Meyer bei der Gläubigerversammlung mitgeteilt. Wie viele davon auf die Schließungen in der Region entfallen, will das Unternehmen nicht beziffern. Die Schließung der betroffenen Läden erfolge in drei Phasen zum 30. September, 31. Oktober und 30. November diesen Jahres. Auch die Kündigung der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solle in diesen drei Schritten erfolgen, auf Basis "noch abzuschließender Interessenausgleichsvereinbarungen und entsprechender Sozialpläne", heißt es in einer Presemitteilung. Der Vorstand sei hierzu in "bereits weit fortgeschrittenen, konstruktiven Verhandlungen mit dem Betriebsrat und dessen rechtlichen Beratern". Die betroffenen Beschäftigten arbeiten nahezu ausschließlich in der Gerry Weber Retail GmbH & Co. KG, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Gerry Weber International AG. Die Gläubigerversammlung der ebenfalls insolventen Gerry Weber Retail findet am 25. Juni statt. Mit Blick auf die ebenfalls notwendige Verschlankung der Unternehmenszentrale in Halle hatten sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter bereits im April 2019 im Verfahren der Gerry Weber International AG auf einen Interessenausgleich und Sozialplan für diesen Bereich geeinigt. Betroffen sind hiervon rund 140 Vollzeitarbeitsplätze, wobei der Abbau zwischenzeitlich in weiten Teilen bereits vollzogen ist. Die Gerry Weber AG hat insgesamt rund 1.500 Gläubiger mit bislang beim Sachwalter angemeldeten Forderungen von rund 275 Millionen Euro. Der operative Geschäftsbetrieb laufe ungeachtet des laufenden Eigenverwaltungsverfahrens "ungestört und vollumfänglich" weiter. Es gebe mehrere mögliche Investoren, die Interesse am Einstieg bei Gerry Weber angemeldet haben. Noch sind diese Angebote nicht verbindlich. Im Verlauf des Juni würden allerdings verbindliche Angebote erwartet. Dann soll sich auch entscheiden, ob ein oder mehrere Investoren einsteigen oder die Sanierung in Eigenverwaltung fortgesetzt wird. Das repräsentative House of Gerry Weber in der Bielefelder Fußgängerzone war 1999 eröffnet worden - zu einer Zeit, in der es dem Konzern blendend ging und er auf starkem Expansionskurs war. Zur Eröffnung kamen damals nicht nur Vertreter der lokalen Politik, sondern auch Spieler von Arminia Bielefeld - unter anderem Bruno Labbadia, Uli Stein und Thomas Stratos.

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