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Lisa Steffen (r.) kümmert sich nicht nur um die Muskulatur der Schweizer Nationalspielerinnen. An der Bande versorgt sie die Mannschaft auch mit den nötigen Elektrolyten. - © Privat
Lisa Steffen (r.) kümmert sich nicht nur um die Muskulatur der Schweizer Nationalspielerinnen. An der Bande versorgt sie die Mannschaft auch mit den nötigen Elektrolyten. | © Privat

Bad Lippspringe Bad Lippspringerin ist als Physiotherapeutin bei der Eishockey-WM dabei

Physiotherapeutin Lisa Steffen kümmert sich seit vier Jahren um die Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft der Schweiz

Frank Beineke
11.04.2019 | Stand 11.04.2019, 16:01 Uhr

Bad Lippspringe. Lisa Steffen ist eine hervorragende Volleyballerin. Schon mit elf Jahren debütierte die Bad Lippspringerin für den SC Grün-Weiß Paderborn in der Damen-Bezirksliga. Mit 14 Jahren schlug sie unter ihrem Mädchennamen Lisa Hackauf für Detmold in der Regionalliga auf. Und mit 17 stand sie in Diensten des Erstligisten Suhl. Derzeit nimmt Lisa Steffen erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. Allerdings im Eishockey. Denn die gebürtige Paderbornerin, die in Bad Lippspringe aufwuchs, ist seit knapp vier Jahren als Physiotherapeutin für die Schweizer Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft im Einsatz. „Wir sind vier Physios, die sich diese Aufgabe teilen. Und jetzt bin ich zum ersten Mal bei einem internationalen Turnier dabei", erklärt die 28-Jährige, die bei der WM im finnischen Espoo alle Hände voll zu tun hat. Gleich 23 Spielerinnen gilt es zu betreuen. Und der Turnierplan hat es in sich. In der Vorrunde standen für das blutjunge Schweizer Team beispielsweise vier Spiele in fünf Tagen auf der Agenda. Verletzung beendet Profi-Traum im Volleyball Lisa Steffen weiß als ehemalige Leistungssportlerin, wie die Spielerinnen der Schweizer „Nati" ticken. Bereits mit 16 Jahren war sie zum Zweitligisten Emlichheim gewechselt. Ein Jahr später folgte der Sprung zum Erstligisten Suhl. Doch eine extrem schwere Verletzung warf sie dann weit zurück. Die Bad Lippspringerin zog sich einen so genannten „Unhappy Triad" zu. Das vordere Kreuzband, der Innenmeniskus und das Innenband waren gerissen. Diverse Operationen folgten. Die große Volleyball-Karriere blieb aus. „Aber letztlich hat mir diese Verletzung auch viel Gutes gebracht. So kann ich mich viel besser in meine Patienten hineinversetzen", erklärt Steffen, die in der neunten Klasse ein Praktikum in einer Physiotherapie-Praxis gemacht hatte. Ihr Interesse war geweckt. „Ich hatte schon immer ein Helfersyndrom", schmunzelt die 1,88 Meter große Volleyballerin, die in dieser Saison für den Schweizer Zweitligisten VBC Gerlafingen aufschlug. Bessere Arbeitsbedingungen in der Schweiz Der Sport war allerdings nicht der Grund, warum sie im September 2014 mit ihrem heutigen Ehemann Patrick Steffen von ihrer damaligen Wahlheimat München in die Schweiz zog. Ausschlaggebend war vielmehr das deutsche Gesundheitssystem. „Denn das ist gerade für Physiotherapeuten nicht vorteilhaft", erklärt Lisa Steffen und fügt an: „Mein Freund und ich haben daher geschaut, wo es besser läuft. Und da sind wir schnell auf die Schweiz gekommen." Während in Deutschland in der Regel nur sechs Physio-Behandlungen à 20 Minuten verschrieben werden, sind es in der Schweiz neun mal 30 Minuten. „Man hat viel mehr Zeit, um individuell auf den Patienten einzugehen", berichtet Steffen. Zudem fehlte ihr in ihrer deutschen Heimat der Austausch mit den behandelnden Ärzten. „Hier in der Schweiz kommunizierst du dagegen mit den Ärzten auf Augenhöhe", betont die 28-Jährige, die als Therapieleiterin im Gesundheitszentrum „Medbase" in Olten (Kanton Solothurn) arbeitet. Zusammen mit ihrem Ehemann Patrick, der als Fitnesstrainer ebenfalls in Olten tätig ist, wohnt sie in der benachbarten 3.200-Seelen-Gemeinde Kappel. Doch auch der Kontakt in den Kreis Paderborn ist nicht abgerissen. „Ich bin sehr heimatverbunden", beteuert Lisa Steffen. Wen wundert’s? Schließlich lebt der Großteil ihrer Familie weiter in Bad Lippspringe, Paderborn und Schlangen. Die Integration ist den Steffens in der Schweiz ausgesprochen leicht gefallen. Dazu hat nicht zuletzt der Sport beigetragen. So frönt auch Gatte Patrick dem Volleyball. Der aus Berlin stammende Bruder der deutschen Ex-Nationalspielerin Dominice Steffen ist in der Schweiz sogar in der Nationalliga A im Einsatz. Lisa Steffen ist unterdessen Kapitänin beim Zweitligisten Gerlafingen. Doch künftig will sie kürzer treten. „Dritte oder vierte Liga. Das würde reichen", sagt die 28-Jährige. Schließlich hat sie als Physiotherapeutin buchstäblich alle Hände voll zu tun. Und das nicht nur bei den Schweizer Eishockey-Frauen.

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