Dicht an dicht: Als die Stuhlreihen im Casino des Bad Lippspringer Kongresshauses schon komplett gefüllt waren, mussten sich die restlichen Besucher vom Foyer aus anhören, welche Argumente Bürgermeister Andreas Bee und die Gegner des Projekts vortrugen. - © Jens Reddeker
Dicht an dicht: Als die Stuhlreihen im Casino des Bad Lippspringer Kongresshauses schon komplett gefüllt waren, mussten sich die restlichen Besucher vom Foyer aus anhören, welche Argumente Bürgermeister Andreas Bee und die Gegner des Projekts vortrugen. | © Jens Reddeker

Bad Lippspringe Bad Lippspringes Bürger kämpfen um ihr Rathaus

Kontroverse: Bei einem Diskussionsabend findet Bad Lippspringes Bürgermeister wenig Unterstützung 
für seine Supermarktpläne in der City. Der mögliche Investor blickt gespannt auf den 19. September

Jens Reddeker

Bad Lippspringe. Falls Andreas Bee an diesem Abend Mitstreiter für seine Idee des Rathausabrisses zugunsten eines Supermarktes hatte, dann haben sie sich nicht geoutet. Vielleicht war am Donnerstag aber auch einfach niemand zum Diskussionsabend ins Kongresshaus gekommen, der sich für die ausgefallene Idee des Bad Lippspringer Bürgermeisters erwärmen kann. Wie groß das Interesse auch drei Monate nach Bekanntwerden des Vorhabens ist, wird schnell deutlich. Das vom WDR für die öffentliche Debatte ausgeguckte Casino des Kongresshauses ist eindeutig zu klein für den Ansturm der Gäste. So müssen sich dutzende der rund 300 Zuhörer auch noch im Eingangsbereich drängeln, um ihren Rathauschef, eine Vertreterin der Bürgerinitiative gegen den Abriss, einen Staatssekretär aus dem NRW-Bauministerium und eine Stadtplanerin hören zu können. Doch egal wo sie sitzen oder stehen – die anwesenden Bad Lippspringer klatschen laut und johlen, sobald Argumente gegen den Rathausabriss vorgebracht werden. „Man würde das Gesicht der Stadt zerkratzen", heißt es. Oder: „Es wird massiv Verkehr in den Stadtkern geholt" und „Es gibt die Idee mit dem Supermarkt, aber es gibt keinen Plan drumherum". Heute noch überzeugt Bürgermeister Andreas Bee nimmt seine in dieser Stunde ziemlich einsame Position äußerlich gelassen hin und sagt: „Genau so eine Diskussion habe ich mir gewünscht, als wir die Idee öffentlich gemacht haben." Im Gespräch mit der NW gibt er dennoch am Ende des Abends zu: „Mitunter kam schon das Gefühl auf, mit dem Rücken an der Wand zu stehen." Doch Bee blieb souverän. Er ist auch heute noch davon überzeugt, dass es richtig war, nach der Anfrage der Rietberger Lüning-Gruppe, die eine Fläche für einen Elli-Markt in der Badestadt sucht, die leicht skurrile Rathaus-Abriss-Variante „als Stein ins Wasser zu schmeißen, um zu schauen, welche Wellen er schlägt". Im Kongresshaus schlagen die Wellen hoch, denn es wird deutlich, dass die übergroße Mehrheit der Anwesenden ihr Rathaus mit Rathausplatz behalten will. Ottokar Fischer sagt: „Das Rathaus und der Vorplatz bilden einen wichtige Punkt in unserer Stadt. Ich bin damit aufgewachsen. Es sollte stehenbleiben." Diese Meinung vertritt auch die neu gegründete Bürgerinitiative und verspürt Rückenwind: „Die Bürger haben heute klar gesagt, dass sie ihr Rathaus behalten wollen. Ich hoffe, dass sich der Abriss nun erledigt hat", meint Vertreterin Katharina Lücke. Zwei Alternativgrundstücke Mit ihren Mitstreitern schlägt sie dem Bürgermeister noch am Abend auch zwei Alternativgrundstücke für einen Supermarktbau vor: an der Ecke Peter-Hartmann-Allee/Bielefelder Straße/Arminiusstraße und Im Schildern/Steintor auf dem früheren Aldi-Gelände. Ob diese Standorte für die Lüning-Gruppe in Frage kommen ist noch ungewiss. Deren Vertreter Johannes Krukenmeyer sagt nach der leidenschaftlich aber fair geführten Diskussion: „Wir wussten, dass diese Idee kontrovers besprochen werden würde, aber wir wollen weiterhin gerne in der Stadt einen Markt eröffnen." Dass Bad Lippspringe für den Lebensmittelhandel attraktiv ist, belegt auch der Hinweis des Unternehmens Edeka Rhein-Ruhr, das von den Lüning-Plänen erfuhr und beim Bürgermeister ebenso Interesse an einer Ansiedlung hinterlegte. Aktuell beliefert das Unternehmen den innerstädtischen Edeka-Markt Böttcher in der Marktstraße. Für den parteilosen Bürgermeister Andreas Bee rückt offenbar der Zeitpunkt näher, um zu entscheiden, welche Richtung das Projekt einschlägt, wie er der NW verriet: „In der Ratssitzung am 19. September müssen wir überlegen, wie es weitergeht."

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