Mehr als "One apple a day": Lydia Bünger präsentierte eine wohlduftendes Apfelmeer mit Sorten wie Graue Herbstrenette oder Finkenwerder Prinzenapfel. - © Anja Ebner
Mehr als "One apple a day": Lydia Bünger präsentierte eine wohlduftendes Apfelmeer mit Sorten wie Graue Herbstrenette oder Finkenwerder Prinzenapfel. | © Anja Ebner

Bad Lippspringe Großer Andrang beim Apfelfest

Prinzenpalais: Viele Interessierte lassen sich auf der Veranstaltung des Natuschutzbundes Deutschland ihre Sorten bestimmen

Bad Lippspringe. Schon beim Betreten des Prinzenpalais mitten im Kurpark von Bad Lippspringe liegt der Duft von Äpfeln in der Luft und lässt keinen Zweifel daran, wer hier die Hauptrolle spielt. "Wir möchten mit dieser Aktion die Streuobstwiesen wieder in das Bewusstsein der Menschen rufen und auch den kulturhistorischen Hintergrund des Apfels kommunizieren. Früher waren viele Menschen Selbstversorger und da gehört der Apfel als Wirtschafts- oder Tafelobst dazu. Viele der alten Sorten, die häufig sehr viel widerstandsfähiger sind, gibt es heute kaum noch zu kaufen", erläutert Vanessa Kowarsch, freie Mitarbeiterin beim Natuschutzbund Deutschland (Nabu), welcher das Apfelfest ausrichtete. Sie selbst ist Obstbaumwartin und vermittelt zum Beispiel in Schulen und Kitas Wissen über Obstsorten und deren Vielfalt. Einen kleinen Teil der fast 200 Sorten die es in Deutschland gibt, hatte Lydia Bünger, Koordinatorin des Landesprojekts "Erhalt genetischer Ressourcen im Obstbau. Lokale und regionale Obstsorten in NRW" mitgebracht und ausgestellt. Viele Sorten kommen aus privaten Gärten, aber auch aus dem Freilichtmuseum Detmold. "Ich möchte einen sichtbaren Eindruck vermitteln, dass es mehr Apfelsorten gibt, als wir im Handel angeboten bekommen. Auch gibt es bei den alten Sorten durchaus Äpfel die auch Apfelallergiker vertragen können. Man muss dieses ausprobieren", erläutert Bünger und erinnert sich an den ersten Apfeltag 1984 in Wiedenbrück. "Als dieser bekannt wurde und auch das man hier seine Äpfel bestimmen lassen kann, war der Andrang riesengroß. Uns sind Sorten bekannt, die bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. Der Kreis Paderborn sticht zudem heraus, da er über eine große lokale Vielfalt von acht Sorten verfügt". Besonders starken Zulauf gab es am Tisch von Obstsortenbestimmer Hans-Joachim Bannier. Immer wieder bildeten sich Schlangen von ratlosen Obstbaumbesitzern die nun mit ihren Ernteergebnissen vor Bannier standen. Mit einem Schneidemesser zum Zerteilen und dem gespeicherten Wissen von fast 500 Apfelsorten half Bannier dann schnell. Ein Blick ins Apfelgehäuse, eine Geschmack- und Tastprobe und in der Regel ist der Apfel erkannt "Es gibt an die 1.000 Apfelsorten. Nicht alle sind bekannt und auch ich erkenne nicht jeden. Das Problem ist die fehlende Überlieferung von Namen. So kann es vorkommen, dass ich einen Apfel zwar vom Aussehen her kenne, aber erst durch langes Recherchieren oder auch durch Zufall auf den Namen stoße", erklärt Bannier. Er selbst hat das Handwerk des Apfel- und Birnenbestimmens in den 1990er Jahren gelernt und sich dieses Wissen antrainiert. "Am Anfang habe ich an die 500 Kilo Äpfel im Jahr gegessen. Das schaffe ich heute nicht mehr, auch wenn ich nach wie vor Äpfel mag und viele Lieblingssorten habe. Aber die durchschnittlichen drei Kilo die jeder Bürger im Jahr isst, schlage ich noch immer", schmunzelt der Bielefelder. Das der Apfel aber zum liebsten Obst der Deutschen gehört, zeigte das hohe Interesse und die vielen Besucher des Apfelfestes, die sich nicht nur über Äpfel informieren, sondern auch ihre eigenen Äpfel am Saftmobil in Saft umwandeln konnten. Hierbei dürften einige nach der erfolgreichen Bestimmung ihrer hauseigenen Apfelsorte nun auch ihren Apfelsaft beim Namen nennen können.

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