Aufruhe in der Gemeinde Altenbeken: Ein Mitarbeiter hat jeahrelang ungeöffnete Briefe in einem Schrank gehortet. - © Björn Leisten
Aufruhe in der Gemeinde Altenbeken: Ein Mitarbeiter hat jeahrelang ungeöffnete Briefe in einem Schrank gehortet. | © Björn Leisten

Altenbeken Gemeindemitarbeiter in Altenbeken versteckt mehr als 1.500 Briefe

Ein Gemeindemitarbeiter in Altenbeken legte jahrelang ungeöffnete Briefe in Aktenschränke. Weitere Briefe in einem Karton gefunden

Altenbeken. Jahrelang hat ein Mitarbeiter der Gemeinde Altenbeken ungeöffnete Briefe von Bürgern und von anderen Gemeinden versteckt. Mehr als 1.500 an die Gemeindekasse adressierte Briefe wurden jetzt in verschlossenen Aktenschränken entdeckt. Bürgermeister Hans Jürgen Wessels gab in einer Mitteilung bekannt, die „verantwortliche Person" habe ihre Funktion in der Gemeindekasse verloren und bekomme ein anderes Angebot in der Verwaltung. Einer der Briefe trägt ein Datum aus dem Jahr 2011. Die Briefe seien überwiegend in den Ablagen zwischen anderen Dokumenten gefunden worden, erklärte Bürgermeister Wessels. Die zahlreichen Aktenschränke würden nun systematisch nach unbearbeiteten Akten und Briefen durchforstet. Hauptsächlich seien bisher Vollstreckungsersuche anderer Kommunen gefunden worden. Dabei handele es sich um Kommunen, die noch Geld von Bürgern fordern. Daneben seien auch eine ganze Reihe von Einzugsermächtigungen aufgetaucht, in denen Bürger ein Lastschriftverfahren zur Einziehung von Steuern, Beiträgen und Gebühren erteilen. Noch seien aber nicht alle Inhalte bekannt. Derzeit würden Mitarbeiter aus dem ganzen Rathaus bei der Aufarbeitung helfen. Briefe aus den Jahren 2011 bis 2019 Die gefunden Briefe stammen aus den Jahren 2011 bis 2019. „Ein Brief trägt ein Datum aus 2011, zwei aus 2012. Aus 2013 stammen schon 13 Briefe und danach steigt die Zahl Jahr für Jahr deutlich an", teilte Bürgermeister Hans Jürgen Wessels mit. „Allein aus dem vergangenen Jahr haben wir 432 ungeöffnete Briefe gefunden." In einem Karton wurden weitere 150 versandfertige Briefe mit Mahnbescheiden der Gemeinde gefunden, die eigentlich im Dezember und Januar hätten abgeschickt werden sollen. Zahlreiche Bürger hatten sich bereits beschwert, weil sie Vollstreckungsandrohungen ohne vorausgegangene Mahnungen erhalten haben. Durch diese Beschwerden und die Ungereimtheiten der Vollstreckungsandrohungen ist die Stadt erst am vergangenen Freitag auf die versteckten Briefe gestoßen. Zwei Mitarbeiter sowie Stundenkräfte seien in dem betroffenen Bereich der Gemeindekasse eingesetzt. Neben der „verantwortlichen Person" habe kein anderer Beschäftigter einen Überblick über die Posteingänge gehabt, heißt es. Neubewertung von Gebührenbescheiden der Stadt „Ganz bestimmt wird sich etwas ändern bei den Mahnschreiben, die bereits im Dezember verschickt wurden", sagte Gemeindesprecherin Marion Wessels auf Nachfrage von nw.de. Damals verschickte die Gemeinde an mehr als 700 Altenbekener Nachforderungen für nicht beglichene Steuer- und Gebührenbescheide der Jahre 2013 bis 2018. Konkret ging es darum, dass die Gemeindekasse bei nicht bezahlten Bescheiden über zehn Jahre hinweg nicht ausreichend gemahnt hatte beziehungsweise die Forderungen auch vollstreckt hatte. Damals hieß es, dass mehrere Tage lang nachgeforscht wurde, was passiert war, bis man sich schließlich ein Bild der Lage machen konnte. Gefunden wurden die Briefe damals aber nicht. „Wir werden alle aufgefundenen Lastschriftmandate dahingehend überprüfen, ob es durch deren Nichtberücksichtigung zu Mahngebühren oder Säumniszuschlägen gekommen ist", sagte Bürgermeister Wessels. Sei dies gegeben, werde das Geld zurückerstattet. „Daneben werden wir alle Schuldner, deren Mahnbescheide nicht verschickt wurden, wieder in den Rechtsstand versetzen, als wären sie noch nicht gemahnt worden." Überlastungssituation über Jahre hinweg Die persönliche Kenntnis der verantwortlichen Person lege den Schluss nahe, dass es hier über mehrere Jahre eine "nicht angezeigte Überlastungssituation gegeben hat". Die Person habe ihre Funktion in der Gemeindekasse verloren und bekomme ein Angebot in der Verwaltung, das mit finanziellen Einbußen verbunden sei. Obwohl ihr gekündigt werden könnte, will Bürgermeister Wessels den Schritt nicht gehen. Die Person werde vom Kollegenkreis als besonders fleißig, diszipliniert und arbeitsam wahrgenommen. Sie habe eine zweite Chance verdient. "Über weitere persönliche Konsequenzen kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen", sagte Gemeindesprecherin Marion Wessels auf Nachfrage von nw.de. Bis alle Rückstände aufgearbeitet worden sind, werde es noch Monate dauern.

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