NS-Symbol: Das Hakenkreuz wurde auf der L 755 zwischen Altenbeken und Langeland auf die Fahrbahn geschmiert. Foto: Polizei - © Polizei
NS-Symbol: Das Hakenkreuz wurde auf der L 755 zwischen Altenbeken und Langeland auf die Fahrbahn geschmiert. Foto: Polizei | © Polizei

Altenbeken Altenbekener Bürgermeister: „Wir dulden keine Nazi-Propaganda“

Die Stadt hatte durch zwei Hakenkreuz-Vorfälle bundesweit Schlagzeilen gemacht

Jens Reddeker

Altenbeken. „Das war eine riesengroße Dummheit, die unverzeihlich ist und nach Konsequenzen schreit." Mit diesen Worten hat Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (SPD) am Donnerstagabend den Fall des zurückgetretenen Altenbekener Ortsvorstehers Elmar Rode öffentlich bewertet. Wessels gab in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses eine öffentliche Erklärung ab, nachdem Ende August bekanntgeworden ist, dass Ortsvorsteher und SPD-Ratsmitglied Rode am Schützenfestmontag (16. Juli) zumindest kurzzeitig einen Orden mit einem Hakenkreuz an seiner Schützenjacke getragen hatte. Ein Foto, das die NW exklusiv veröffentlichte, zeigt die Jacke mit dem Orden. Rode gab an, dass ihm ein anderer Schütze den Orden gegeben hatte, nachdem ein Anhänger an seiner Jacke verloren gegangen war. Nach Bekanntwerden des Vorfalls ist Rode Mitte August von allen öffentlichen Ämtern zurückgetreten. Nach NW-Informationen wird Berni Koch, Vorsitzender des ESV TuS Altenbeken, neuer Ortsvorsteher. Er wird von der SPD nominiert, am Montag soll es ein Treffen der Ortsvereins geben. In der Eggegemeinde erkennt Bürgermeister Wessels trotz des Ordens-Vorfalls keine auffälligen rechtsradikalen Tendenzen: „Wir sind auf diesem Feld nicht besser oder schlechter als andere." Er machte deutlich, dass er Rode zwar nicht für einen Sympathisanten nationalsozialistischer Ideen hält, doch müsse sich gerade ein Mandatsträger der Verantwortung des eigenen Handelns bewusst sein. In einer Präsentation im Ratssaal berichtete Wessels taggenau über den Ablauf der Ereignisse und führte den Ausschussmitgliedern die Veröffentlichungen regionaler und überregionaler Medien aus den vergangenen Tagen vor. Hakenkreuz auf der Landstraße Darin spielte auch ein anderer Vorfall eine Rolle. Wenige Tage nach Bekanntwerden des Ordens-Fotos hatten Unbekannte ein mehrere Meter breites Hakenkreuz auf die Fahrbahn der L 755 geschmiert. Wessels dazu: „Elmar Rode kann nichts für das Hakenkreuz auf der L 755, es liegt aber nahe, dass der Schützenfest-Fall Auslöser für dieses Hakenkreuz war." Bereits in einem Facebook-Posting hatte die Gemeinde am 2. September deutlich gegen Fremdenhass und nationalsozialistische Parolen Stellung bezogen. Wessels wiederholte dies in der Sitzung: „Wir dulden keine Nazi-Propaganda." Um auch den Fall Rode abschließend bewerten zu können, fehlen dem Bürgermeister noch Informationen: „Ich kenne bis heute keine überzeugende Erklärung zum Ablauf des Geschehens", sagt Wessels, „keine Version ist schlüssig." Darüber hinaus kritisiert er: „Elmar Rode hat es wiederholt versäumt, selbst die Initiative zu ergreifen, und bis heute habe ich kein Wort des Bedauerns von ihm vernommen, schade." Ausdrücklich lobt der Bürgermeister hingegen das konsequente Verhalten des Vorstands der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft. Dieser hatte beiden beteiligten Schützen nahegelegt, aus dem Verein auszutreten. Beide stimmten zu und kamen damit einem Ausschlussverfahren zuvor. Überrascht zeigte sich Wessels darüber, dass die Altenbekener SPD bereits – mit Zustimmung der CDU – einen Nachfolge-Vorschlag von Rode als Ortsvorsteher präsentieren kann. Die Amtseinführung von Berni Koch ist für die kommende Ratssitzung am Mittwoch, 12. September, geplant.

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