Auf dem Schützenfest in Altenbeken trug der Ortsvorsteher Elmar Rode kurzzeitig einen Orden aus der Nazi-Zeit. - © Pixabay (Symbolbild)
Auf dem Schützenfest in Altenbeken trug der Ortsvorsteher Elmar Rode kurzzeitig einen Orden aus der Nazi-Zeit. | © Pixabay (Symbolbild)

Altenbeken Vorfall mit Hakenkreuz-Orden auf Schützenfest in Altenbeken

Rücktritt: Ortsvorsteher Rode trägt kurzzeitig einen Orden aus der Nazi-Zeit. Später legt er alle seine politischen Ämter nieder. Bürgermeister Wessels spricht von Schadensbegrenzung

Holger Kosbab

Altenbeken. Ein offenbar nur eine Minute dauernder Vorfall am Schützenfestmontag im Juli hat in Altenbeken Konsequenzen für die beiden Betroffenen. Beim Schützenfrühstück trug Elmar Rode kurze Zeit einen Orden, den ihm ein anderer Schützenbruder gegeben hatte: das blaue Hakenkreuz am Bande, ein Treuedienst-Abzeichen der Nationalsozialisten. Beide Schützen sind nicht mehr Mitglied im Verein. Rode (SPD), bisher Ortsvorsteher, Mitglied im Gemeinderat und Vorsitzender des Gemeindeentwicklungsausschusses, hat zudem alle öffentlichen Ämter niedergelegt. Von dem Vorfall hat die NW zunächst durch anonyme E-Mails und das entsprechende Foto erfahren: Es ist Montag, 16. Juli. Das Schützenfrühstück in der Eggelandhalle ist vorbei, etliche Biere getrunken. Die Kompanien machen sich bereit für den Abmarsch zu ihren Vereinslokalen – auch die West-Kompanie. Zu dieser Zeit habe Rode nach eigener Aussage bemerkt, dass ein ihm im Vorjahr verliehener Orden nicht mehr halte. Als ihm dann ein anderer Schützenbruder einen Orden hinhielt, habe er zugegriffen und ihn sich angehalten. Davon habe der andere Schütze ein Foto gemacht und im Internet gepostet. Der 47-jährige Rode nennt den Vorfall auf NW-Anfrage „eine ganz dumme Sache". Da einer seiner Orden kaputt gewesen sei, habe er den Orden an seine Jacke gehalten, den ihm der besagte Schützenbruder gegeben habe. Dann habe sich der Orden am Stoff verhakt – wobei das gemachte Foto einen anderen Eindruck vermittelt. Er habe gedacht, dass es der Orden gewesen sei, der dem anderen Schützenbruder am Morgen verliehen wurde, sagt Rode. Dass es ein Hakenkreuz war, habe er in dem Augenblick nicht erkannt. Als ihm klar gewesen sei, was für einen Orden er da an seiner Jacke habe, habe er ihn sofort wieder abgenommen. Der Rücktritt erfolgte am 17. August Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (SPD), sei erschrocken gewesen, als er Mitte August von dem Vorfall erfuhr. Daraufhin habe er Rode den Rücktritt von seinen politischen Ämtern nahe gelegt – und der sei einsichtig gewesen. Der Rücktritt erfolgte am 17. August, wobei Rode ihn auch mit gesundheitlichen Schwierigkeiten begründete. Gleich im ersten Gespräch habe Wessels Rode zudem empfohlen, das Thema öffentlich zu machen, da es ja ohnehin bekannt sei und öffentlich werde. Wessels sah jedoch keine Veranlassung, das Thema von sich aus öffentlich zu machen. Er müsse zunächst der Politik berichten. Am nächsten Donnerstag steht die Personalie Rode auf der Tagesordnung des Hauptausschusses des Rats. Dann wird es wohl auch um die Gründe für das politische Hinschmeißen gehen. Bürgermeister Wessels geht es um Schadensbegrenzung in der Form, Konsequenzen zu ziehen. Eine Person, von der Bilder mit einem Hakenkreuz an der Jacke existieren, könne keine öffentlichen Ämter ausüben. Dabei sei es egal, aus welcher Situation heraus und wie das Foto entstanden sei. Nicht mehr Mitglied im Verein Beide betroffenen Schützen, Rode und der andere Schützenbruder, sind nicht mehr im Verein, bestätigt Gregor Rudolphi, Oberst der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft Altenbeken. „Wir haben zuerst alle relevanten Fakten zusammengetragen und dann im geschäftsführenden Vorstand ein Ausschlussverfahren angestoßen." Dem Ausschluss seien jedoch beide Schützen mit ihrem eigenen Austritt zuvor gekommen. Der Schützenverein unterstelle dabei keinem der beiden Betroffenen irgendeine politische Neigung. Mit dem Vorfall sei aber „eine rote Linie überschritten worden, die wir als Verein nicht akzeptieren können", betont Rudolphi. „Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Es ist für uns irrelevant, wie es passiert ist. Fakt ist, es ist passiert." In Altenbeken, so ist zu hören, wird der Vorfall kritisch beäugt. Rodes Rücktritt stoße allerdings weitgehend auf Unverständnis. Der Schützenbruder, der Rode den Orden gereicht habe, wollte sich zu dem Vorfall auf NW-Anfrage nicht äußern.

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