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Eleganz in cremeweiß: Eine kleine Porzellanvase der Manufaktur Fürstenberg ziert das Armaturenbrett. Bei besonderen Anlässen tauscht Heiko Sieker die orangefarbenen Plastikblumen gegen echte Rosen – natürlich in cremeweiß. ⋌Fotos: Nicole Bliesener - © Bliesener
Eleganz in cremeweiß: Eine kleine Porzellanvase der Manufaktur Fürstenberg ziert das Armaturenbrett. Bei besonderen Anlässen tauscht Heiko Sieker die orangefarbenen Plastikblumen gegen echte Rosen – natürlich in cremeweiß. ⋌Fotos: Nicole Bliesener | © Bliesener

Bad Oeynhausen Die Eleganz der 50er Jahre

Käfer-Geschichten: Heiko Sieker hat ein 51er Modell originalgetreu restauriert

Nicole Bliesener
06.08.2015 | Stand 05.08.2015, 16:26 Uhr
Originalgetreu: Heiko Sieker hat bei der Restaurierung auf jedes Details geachtet. - © Nicole Bliesener
Originalgetreu: Heiko Sieker hat bei der Restaurierung auf jedes Details geachtet. | © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen. Aufmotzen oder originalgetreu restaurieren. Heiko Sieker hat sich für Letzteres entschieden. Mit viel Liebe zum Detail hat der 44-Jährige seinen Bretzel-Käfer mit Faltdach, Baujahr 1951, restauriert. Vor zwei Jahren hat er damit angefangen. Hat sich über das Internet Original-Teile besorgt und Experten ausfindig gemacht. „Ich habe beispielsweise den Kabelbaum neu wickeln und die einzelnen Kabel mit Baumwolle ummanteln lassen. Heutzutage ist der Mantel aus Plastik“, sagt Sieker.

Gekauft hat Heiko Sieker seinen VW-Käfer bereits 1989. Für das damals 38 Jahre alte Schätzchen hat er 10.000 Mark bezahlt. 1951 kam der Wagen für 5.700 Mark auf den Markt. „Heute sind die Preise explodiert“, weiß Sieker.

„Ich wollte damals unbedingt einen Käfer“, erzählt er. Ein paar Jahre ist er den Bretzel-Käfer gefahren, dann kam doch ein neuerer Golf. Später hat er noch mal einen schwarzen 1200er Käfer, Baujahr 70, gefahren. Doch der Bretzel-Käfer blieb immer in der Garage.

Vor ein paar Jahren dann blühte die alte Liebe auf. „Ich habe den Käfer komplett auseinander gebaut“, berichtet Heiko Sieker. „Anfang der 90er kam man kaum an Ersatzteile, heute hat sich das geändert.“ Während heute die Teile im Internet geordert werden können, wurde früher getauscht. Es gab die sogenannte Bretzelfenster-Vereinigung, deren Mitglied Heiko Sieker auch war. Die Vereinigung gab eine Zeitschrift heraus und in der wurden Tauschangebote und Wünsche veröffentlicht.

Tipptopp: Der 24-PS-Motor sieht aus wie neu. - © Bliesener
Tipptopp: Der 24-PS-Motor sieht aus wie neu. | © Bliesener

Der bordeauxrote Käfer – natürlich in der Originalfarbe lackiert – ist ein sogenannter Exportkäfer. Das heißt, er ist eine Luxusausführung, die auch für die Ausfuhr bestimmt war. Vor allem aber die Innenausstattung ist für damalige Verhältnisse regelrecht mondän. Der Exportkäfer hat zwei Handschuhfächer, eine Uhr, die von Hand aufzuziehen ist. Außerdem sind Türverkleidung und Sitze mit Stoff bezogen und – damit die Fahrgäste auf der Rückbank es bequem haben, gibt es zwei Armlehnen. Auch diese herausnehmbaren Polsterrollen sind mit dem original Stoff bezogen.

d - © Nicole Bliesener
d | © Nicole Bliesener

Auch von außen kann das geschulte Auge Unterschiede erkennen: So hat Siekers Käfer vorne unter der Kofferraumklappe kleine runde Hupenziergitter. Im Glas der Scheinwerfer ist der Schriftzug der Firma Bosch in Schreibschrift zu lesen, zählt Heiko Sieker weitere Details auf, die für den Originalzustand wichtig sind. „Schwer zu bekommen sind auch die Zierleisten. Denn die müssen bei diesem Käfer Rillen haben, genauso wie die Stoßstange.

So hat Sieker nicht nur viel Zeit, sondern auch finanziell einiges in die Restaurierung investiert. Das Ergebnis aber kann sich wirklich sehen lassen. Gefahren wird der Bretzel-Käfer aber selbstverständlich nur bei Sonnenschein – beispielsweise zu Oldtimer-Treffen.

s - © Bliesener
s | © Bliesener

Für den Alltagsverkehr ist der 64 Jahre alte Wagen einfach zu schade.

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