0
f - © f
f | © f

Bad Oeynhausen Sportlicher Typ mit Käfer-Motor

Käfer-Geschichten: Paul Detring und sein Karmann Ghia

Nicole Bliesener
30.07.2015 | Stand 30.07.2015, 21:04 Uhr
re - © r
re | © r

Bad Oeynhausen. Das Kompliment der Tochter geht runter wie Öl: „Mit dem Karmann Ghia bist du der coolste Papa.“ Nur allzu gern lässt sie sich von ihrem Vater in dem cremeweißen Karmann Ghia chauffieren. Den Typ 14, Baujahr 1973, besitzt Paul Detring seit nunmehr 30 Jahren. Gekauft hat er ihn zusammen mit seinem Bruder. „Ich bin mit dem Wagen in der Woche zur Arbeit gefahren, mein Bruder hat ihn am Wochenende gefahren“, erzählt der 49-Jährige.

f - © f
f | © f

Nach zwei Jahren drohte der TÜV. „Der Wagen war total verrostet, der Prüfer wollte das Auto nicht mehr auf die Straße lassen“, erzählt Paul Detring. Während sich der studierende Bruder aus dem gemeinsamen Karmann-Ghia-Projekt zurückzog, machte sich Paul Detring, der zu der Zeit eine Tischlerlehre absolvierte, daran, den Wagen zu restaurieren.

„Federführend war dabei aber mein Kfz-Meister. Und er hat wahnsinnig viel Zeit in den Wagen investiert“, erinnert sich Paul Detring. Weil die Ersatzteilversorgung für die Karman Ghia auf dem Second-Hand-Markt damals durchaus dürftig war, formte Detrings Cousin Norbert Ellendorf die Bleche von Hand und verschweißte alles miteinander. „Allein an den Blechen hat mein Cousin ein ganzes Jahr gewerkelt.“ Zum Abschluss der ersten Restaurierung wurde der Karmann rot lackiert. „Klassisch eben“, sagt Paul Detring.

Der Karmann Ghia ist ein VW, der zwischen 1955 und 1974 bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde. Die Technik des Karmann Ghia ist bis auf wenige Details weitgehend identisch mit dem VW Käfer. Insgesamt wurden gut 440.000 Stück gebaut, davon etwa mehr als 80.000 Cabrios. Als Nachfolger des Karmann Ghia brachte VW im Frühjahr 1974 übrigens den VW Scirocco auf den Markt.

Karmann-Ghia-Fan Detring baute nach seiner Lehre das Fachabitur, um anschließend ein Bauingenieurstudium aufzunehmen. „Den Karmann habe ich dann auch mehrere Jahre gefahren“, sagt Detring, „aber nur im Sommer.“ In den Wintermonaten stieg er auf den R 4 von Renault um. Auch ein Auto mit Kult-Potenzial wie der VW Käfer.

In den 80er Jahren folgte Paul Detring einem Trend aus den USA. „Der Karmann hatte einen Unfallschaden. Und aus Amerika schwappte gerade der sogenannte Cal Look (California Look) nach Europa. Die Stoßstangen wurden abmontiert und grelle Farben waren angesagt“, erzählt Detring. Seinen Karmann lackierte er in „Verkehrspurpur“ – so hieß die Farbe. Dieses Pink betrachtet er heute als echte Jugendsünde. „Mit dieser Umgestaltung habe ich endgültig den Originalzustand verlassen.“

Wenig später zog es Paul Detring beruflich für sechs Jahre nach Indien – und der Karmann Ghia blieb in der Garage.

Den Ehrgeiz, das Auto wieder in den Originalzustand zu versetzen, hat Paul Detring auch nach seinem Asien-Aufenthalt nicht entwickelt.

Pink ist er aber heute nicht mehr. Der Grund ist seine Schwägerin. Die wollte unbedingt den Karmann Ghia als Hochzeitswagen. Die Zeit drängte. „In sechs Wochen – mit etlichen Nachtschichten – habe ich den Wagen zerlegt und wieder zusammengebaut. Außerdem habe ich mir noch Fuchsfelgen vom Porsche 914 gegönnt, die sogenannten Baby-Füchse“, berichtet Paul Detring. Es klappte. Zur Hochzeit fuhr das Brautpaar aus Vlotho nach Bielefeld in den Ravensberger Park im frisch restaurierten cremeweißen Karmann Ghia.

„Der Wagen ist mein Hobby. Ich hab den Motor nun schon so oft aus- und wieder eingebaut. Irgendetwas zu tüfteln gibt es immer.“ Die Tatsache, dass der Wagen längst nicht mehr im Originalzustand ist, bereut Paul Detring keineswegs. „Aus diesem Grund bekomme ich zwar kein H-Kennzeichen, aber das stört mich nicht“, sagt Detring.

Denn die meisten Veränderungen sind mit einer kleinen Geschichte oder Anekdote verbunden. Das Handschuhfach hat er mit Holz verkleidet. „Das musste als gelernter Tischler natürlich sein.“ Das Lenkrad ist ein Mitbringsel aus dem Italien-Urlaub. Den kleinen Ventilator hat er bei Ebay erstanden. Und der Aufdruck an den Türen ist selbst entworfen. „Die Bastelei ist für mich pure Entspannung.“

Der Motor des Karmann Ghia ist ursprünglich ein 1600er Käfermotor mit 50 PS. Zwischenzeitlich hatte Detring mit Hilfe von leistungsstärkeren Vergasern die Kraft des Motors auf 100 PS heraufgeschraubt. „Heute hat er eine Leistung von 70 PS“, sagt Paul Detring. Genug, um selbstverständlich nur bei Sonnenschein mit dem Töchterlein einen kleinen Ausflug zu machen. „Meine Frau“, sagt er, „fährt nicht gern damit.“

Mehr zum Thema

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

Newsletter abonnieren

NW Newsletter - die wichtigsten News

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

© Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co. KG