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Harmloses Äußeres: Der Käfer von Ole Braun ist in weiten Teilen Baujahr 1954. Mitte der 80er Jahre wurde er zu einem Rennwagen umgebaut. - © Nicole Bliesener
Harmloses Äußeres: Der Käfer von Ole Braun ist in weiten Teilen Baujahr 1954. Mitte der 80er Jahre wurde er zu einem Rennwagen umgebaut. | © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen Ein Renn-Käfer in Schlüpferblau

Ole Braun besitzt einen besonderen Kult-Wagen

Nicole Bliesener
22.07.2015 | Stand 22.07.2015, 14:39 Uhr
Feuer unter der Haube: Ein kleines Detail über dem Auspuff. - © Nicole Bliesener
Feuer unter der Haube: Ein kleines Detail über dem Auspuff. | © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen. Mit seiner schlüpferblauen Farbe wirkt er irgendwie unschuldig. „Der Käfer ist Baujahr 1954“, sagt Ole Braun und fügt verschmitzt hinzu, „aber nicht in allen Teilen.“ Ole Braun startet den Motor und schon beim ersten Ton wird klar: Dieser Käfer ist anders. Bei diesem satten, röhrenden Klang müsste der in der Garage parkende Porsche glatt vor Scham den Auspuff einziehen.

Ole Braun ist ein echter Käfer-Fan. „Bestimmt mehr als 30“ dieser Kult-Autos hat der 42-jährige Bad Oeynhausener schon besessen. Der schlüpferblaue Rennkäfer könnte das krönende Abschlussstück seiner Sammelleidenschaft sein. Doch dagegen könnte allein schon Sohn Finn-Ole sein. Denn der Neunjährige schraubt in Brauns Werkstatt schon fleißig mit.

Mit 19 Jahren kaufte sich Braun den ersten Käfer. „Das ein 1303, Baujahr 1974. Den habe ich nur gekauft, weil das so eine tolle Anlage drin war“, erzählt der Betriebsleiter eines Löhner Unternehmens. „Dann habe ich schnell angefangen, das Ding ein bisschen aufzumotzen.“ Mit Freunden traf er sich nach Feierabend regelmäßig an der Jet-Tankstelle an der Eidinghausener Straße. „Auf der Ecke stand damals noch ein Pavillon. Das war unser Treffpunkt. Irgendwann haben wir festgestellt, dass eigentlich alle Käfer fuhren“, erinnert sich Ole Braun.

Einmal infiziert, lässt es einen nicht mehr los

Das war die Geburtsstunde der Bad Oeynhausener Käfertreffen und die der Käfer-Freunde Bad Oeynhausen. „1992, 93, 94 und 95 habe ich die organisiert. Die Treffen fanden auf dem Gelände der Weserhütte statt. Zwischen 300 und 400 Käfer kamen damals zu den Treffen“, erzählt Ole Braun.
Pure Kraft: Außer der Luftkühlung hat der Motor wenig mit dem Abtrieb des Käfers aus den Wirtschaftswunderjahren gemein. - © Nicole Bliesener
Pure Kraft: Außer der Luftkühlung hat der Motor wenig mit dem Abtrieb des Käfers aus den Wirtschaftswunderjahren gemein. | © Nicole Bliesener

Einmal infiziert, „lässt der Käfer-Bazillus einen nicht mehr los“, sagt Ole Braun. Dieses Hobby betrachtetet er heute mehr als schönen Ausgleich zum Beruf, denn als notwendige Reparaturarbeiten.

Seit einem Jahr nun nennt er den Renn-Käfer sein eigen. „Die Karosserie stammt von einem 54er Modell. Die Bleche sind alle noch original“, sagt Braun. Auch den ausklappbaren Winker und die Schlussleuchten sind Baujahr 1954. „In den 80er Jahren wurde der Wagen in Schweden aber umgebaut“, so Braun. Seitdem verfügt der Wagen nicht nur über einen entsprechend starken Motor und ein Porsche-Fahrwerk, auch Bremsen, Felgen sind auf die höhere Leistung abgestimmt. Trittbretter und Kotflügel sind aus Kunststoff, um den Wagen noch leichter zu machen. Bei den technischen Daten übt sich Ole Braun in Zurückhaltung: „140 PS sind eingetragen“, sagt er und grinst vielversprechend.

Groß und Klein: Ole Braun mit seinem Rennkäfer und Sohn Finn-Ole mit seinem kleineren Modell. - © Nicole Bliesener
Groß und Klein: Ole Braun mit seinem Rennkäfer und Sohn Finn-Ole mit seinem kleineren Modell. | © Nicole Bliesener

„In Schweden wurden mit dem Wagen dann auch Rennen gefahren. 1989 wurde der Käfer nach Deutschland überführt und wurde vom TÜV zugelassen. Der Wagen war in ganz Europa bekannt“, berichtet Ole Braun. Mitte der 90er Jahre wurde er noch einmal modernisiert, um dann für die nächsten 20 Jahre in einer Garage in Gütersloh zu verschwinden – bis ihn Ole Braun erworben hat. „Ich war jetzt schon zwei Mal auf Käfertreffen. Der Wagen wurde bestaunt wie eine Sensation.“

Information
Aktion Käfer-Geschichten

Vor 80 Jahren präsentierte Ferdinand Porsche den ersten Käfer auf den Markt. Von den Nazis „Kraft-durch-Freude-Wagen“ getauft, wurde der Volkswagen erst nach Kriegsende unter Federführung der Briten richtig populär. Am 5. August 1955 wurde der millionste Käfer gebaut. Längst ist der Käfer Kult und mit vielen Erinnerungen und Geschichten verbunden. Und diese Käfer-Geschichten suchen wir: Erzählen Sie uns Ihre Geschichten.
Schreiben Sie uns oder rufen an: Mail an oeynhausen@nw.de; Telefon (0 57 31) 24 00 53.

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