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Bad Oeynhausen/Löhne Urkunde, Uhr und Anstecknadel für Fahrleistung

Käfer-Geschichten: Friedrich Scheding fuhr zwischen 1950 und 1953 mit seinem Käfer 100.000 Kilometer

Nicole Bliesener
16.07.2015 | Stand 19.07.2015, 20:18 Uhr
Die Urkunde: 100.000 Kilometer ohne nennenswerte Reparaturen ist Friedrich Scheding gefahren.
Die Urkunde: 100.000 Kilometer ohne nennenswerte Reparaturen ist Friedrich Scheding gefahren.

Bad Oeynhausen/Löhne. Den Käfer gibt es längst nicht mehr. Die Erinnerung an ihn ist bei Friedrich Scheding auch nach 52 Jahren noch lebendig. Dabei war der Käfer, Baujahr 1950, noch nicht mal sein erstes Auto, aber wohl bis heute sein Liebstes. "Die Konstruktion des Käfers war für die damalige Zeit einfach umwerfend und von einmaliger Intelligenz", sagt der 87-Jährige.

Gefahren hat er seinen Käfer zwar nur drei Jahre - von 1950 bis 1953, dafür aber für damalige Verhältnisse viel. Denn Scheding war als Handelsvertreter auf den Wagen angewiesen. "Ich musste beruflich viel ins Ruhrgebiet", erinnert sich Friedrich Scheding. Innerhalb dieser drei Jahre ist er mit dem Käfer 100.000 Kilometer gefahren. Und dafür bekam er nicht eine Urkunde von VW für die Tatsache, dass er unfallfrei und "ohne nennenswerte Reparaturen" diese Kilometer gefahren ist, sondern auch eine Armbanduhr nebst Anstecknadel mit dem Emblem des Autoherstellers.

Diese besonderen Erinnerungsstücke hat er bis heute aufbewahrt. Aufgehoben hat er auch den Brief, den VW ihm zu dieser Auszeichnung geschrieben hat: "Nach unserer Ansicht ist diese technische Bewährung des Fahrzeugs nicht allein der Güte unseres Fabrikats, sondern auch Ihrer vorbildlichen Behandlung und sorgfältigen Pflege zu verdanken...", heißt es in dem Schreiben vom 25. März 1953.

Nach seiner Lehre im Holzhandel fand Friedrich Scheding Arbeit im Möbelhandel. Und für diesen Job brauchte er ein Auto. Sein neuer Käfer sollte eines der ersten Exportmodelle sein. "Der hatte schon ein synchronisiertes Getriebe und hydraulische Bremsen, ausklappbare Blinker an der Seite und ein cremefarbenes Lenkrad", erzählt Scheding. Bestellt hatte er den Wagen in schwarz. "Mit der Autobestellung wollte ich auch ein bisschen vor meiner Zukünftigen angeben. Wir waren damals noch nicht mal verlobt, poussierten aber miteinander", sagt Scheding und lacht. Seine Auserwählte war begeistert, nur über die Farbe nicht. "Ich habe ihn gebeten, den Käfer doch in rot zu nehmen", erzählt seine Frau Marlies. Friedrich Scheding fuhr am nächsten Tag mit dem Fahrrad von Löhne nach Herford zu Autohändler Schnieder. "Es wurde dann zwar kein knallrot, dafür aber bordeauxrot. Für den Einwand bin ich ihr heute noch dankbar. Das war ein schickes Auto." 5.300 Mark hat er damals dafür bezahlt. "Das war enorm viel Geld", erinnert er sich. Geheiratet haben Marlies und Friedrich Scheding 1953 und sie sind selbstverständlich im Käfer zum Standesamt gefahren.

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Vor 80 Jahren präsentierte Ferdinand Porsche den ersten Käfer auf den Markt. Von den Nazis „Kraft-durch-Freude-Wagen“ getauft, wurde der Volkswagen erst nach Kriegsende unter Federführung der Briten richtig populär. Am 5. August 1955 wurde der millionste Käfer gebaut. Längst ist der Käfer Kult und mit vielen Erinnerungen und Geschichten verbunden. Und diese Käfer-Geschichten suchen wir: Erzählen Sie uns Ihre Geschichten.
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