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Ersatzteillager: Käfer-Fan Walter Wilhelmi hat in seiner Werkstatt eine stattliche Sammlung zusammengetragen. Karosserien, Unterbauten, diverse Motorhauben, Kotflügel und diverse Einzelteile. ?Fotos: Nicole Bliesener - © d
Ersatzteillager: Käfer-Fan Walter Wilhelmi hat in seiner Werkstatt eine stattliche Sammlung zusammengetragen. Karosserien, Unterbauten, diverse Motorhauben, Kotflügel und diverse Einzelteile. ?Fotos: Nicole Bliesener | © d

Bad Oeynhausen Er schraubt und schraubt und schraubt

Käfer-Geschichten: Walter Wilhelmi hat nicht nur einen, sondern gleich vier alte Schätzchen

Nicole Bliesener
09.07.2015 | Stand 19.07.2015, 20:10 Uhr
Experiment: Der Betonmischer dreht den verrosteten Tank.f - © f
Experiment: Der Betonmischer dreht den verrosteten Tank.f | © f

Bad Oeynhausen . Das Kult-Auto hat es ihm angetan. Walter Wilhelmi hat gleich vier VW Käfer in seiner Garage stehen – eigentlich sogar noch mehr. Denn in Wilhelmis Werkstatt stehen noch zwei Käfer-Chassis’ und diverse Ersatzteile von Motoren, über Kotflügel und zahllose Kleinteile bis Motorhauben. Bei einem schwarzen Käfer, Baujahr 1959, steht Walter Wilhelmi kurz vor der Vollendung der Restaurierung. „Den will ich bald zulassen.“

Doch vorher muss er noch ein bisschen tüfteln. Denn der ursprünglich mit 6 Volt ausgestattete Käfer wurde auf 12 Volt umgerüstet. „Jetzt habe ich ein Problem mit den original Blinkern und den Scheibenwischern“, erklärt Wilhelmi. Die Blinker sind bei diesem Modell noch zwischen den Seitenfenstern angebracht.

Und die Scheibenwischer kann er nicht von einem 12-Volt-Modell nehmen, weil die Windschutzscheibe des 56er Käfers kleiner ist als die späterer Modelle. Knifflig ist auch die Restaurierung des Tanks. „Im Moment habe ich einen alten Mopedtank eingebaut. Der Originaltank ist von innen verrostet. Um den Tank vom Rost zu befreien hat Walter Wilhelmi eine „Entrostungsapparatur“ gebaut: Den Tank hat er mit Spanngurten auf einen ausrangieren, aber noch funktionsfähigen Betonmischer geschnallt. Dem Rost versucht er nun mit diversen Mittelchen den Garaus zu machen.

Fast fertig: Für diese 56er Modell mit dem kleinen Butzenfenster fehlen Walter Wilhelmi noch Scheibenwischer und Blinker. - © d
Fast fertig: Für diese 56er Modell mit dem kleinen Butzenfenster fehlen Walter Wilhelmi noch Scheibenwischer und Blinker. | © d

Den 56er Käfer besitzt Wilhelmi bereits seit 20 Jahren. Aber erst seit dem er in Rente ist, hat der gelernte Maschinenschlosser Zeit, sich seinem 30 PS starken Oldtimer zu widmen.

1968 im Alter von 20 Jahren hat er sich seinen ersten Käfer gekauft: „Der war Baujahr 1957, knallrot und hatte schwarze Felder, richtig auffällig“, erzählt Walter Wilhelmi. „Und war gut so. Denn damals konnte man ja noch mit dem Auto in die Klosterstraße fahren und direkt vor der Milchbar parken“, sagt Wilhelmi und lacht.

200 Mark hat er für den gebrauchten Wagen damals bezahlt. Vier Jahre hat er ihn gefahren – auch in den Urlaub nach Italien über die alte Brennerstraße. Der Käfer lief und lief.

1972 hat sich Wilhelmi einen neuen Käfer zugelegt. „Einen weißen der Modellreihe 1302.“ Die hatte VW zwei Jahre zuvor auf den Markt gebracht. Verglichen mit seinen Vorgängern war der 1302 das reinste Raumwunder. Die Vorderachse war völlig neu konstruiert worden. Der Vorteil: Diese platzsparende Bauweise veränderte das Fassungsvermögen des Kofferraums. Statt 140 Liter fasste der nun 260 Liter. Bei der Motorisierung konnten die Kunden zwischen der 34, 44 und 50-PS-Version wählen.

Walter Wilhelmis neuer Käfer hatte auch von der Ausstattung her einiges zu bieten: „Der Wagen hatte eine Anhängerkupplung, eine beheizbare Heckscheibe und ein Frischluftgebläse“, erzählt der 67-Jährige. Auch Bordwerkzeug gehörte zur serienmäßigen Ausstattung des 1302 – dies lässt sich der Rechnung aus dem Jahr 1972 entnehmen, die Walter Wilhelmi selbstverständlich aufgehoben hat. Inklusive Zulassung kostete der weiße Käfer damals 6.829 Mark.

Wenn Walter Wilhelmi mit der Restaurierung des 56er Modells fertig ist, will er sich gleich an das Nächste machen. In seiner Werkstatt, die drei Garagen umfasst und über zwei Hebebühnen verfügt, sind Modell und Material bereits vorhanden. „Ich weiß genau, wo alles ist, auch wenn das für Außenstehende – übrigens auch für meine Frau nicht nachzuvollziehen ist.“ Wilhelmi lacht und zeigt wie zum Beweis auf einen hinter einem Laken versteckten Austauschmotor.

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Vor 80 Jahren präsentierte Ferdinand Porsche den ersten Käfer auf den Markt. Von den Nazis „Kraft-durch-Freude-Wagen“ getauft, wurde der Volkswagen erst nach Kriegsende unter Federführung der Briten richtig populär. Am 5. August 1955 wurde der millionste Käfer gebaut. Längst ist der Käfer Kult und mit vielen Erinnerungen und Geschichten verbunden. Und diese Käfer-Geschichten suchen wir: Erzählen Sie uns Ihre Geschichten.
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