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Michael Petersen (v. l.), Florian Craig, Hartmut Stickan und Andreas Sültrup unterstützen die AfD-Gegenveranstaltung in Espelkamp - © Karsten Schulz
Michael Petersen (v. l.), Florian Craig, Hartmut Stickan und Andreas Sültrup unterstützen die AfD-Gegenveranstaltung in Espelkamp | © Karsten Schulz
Kommentar

Kommentar: Espelkamp setzt Fakten gegen den AfD-Klimawahnsinn

Michael Espendiller, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, spricht über "Deutschland im Klimawahn" im Bürgerhaus. Doch Vertreter der anderen Parteien halten dagegen.

Frank Hartmann
31.08.2019 | Stand 02.09.2019, 12:02 Uhr

Lübbecker Land. Michael Espendiller, der am kommenden Mittwoch für die AfD im Espelkamper Bürgerhaus über "Deutschland im Klimawahn" spricht, ist ein promovierter Mathematiker und seit 2017 Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion. Der 30-Jährige meint, dass die derzeitige Debatte um den Klimawandel "weitestgehend faktenbefreit und unwissenschaftlich geführt" werde. Die AfD Minden-Lübbecke unterstützt laut ihrem Sprecher Burkhard Brauns diese unfassbar dumme Behauptung. Folgerichtig wirft Espendiller Entscheidungsträgern sowie Medien "Hysterie im Umgang mit dieser Materie" vor.

Der Autor Frank Hartmann kommentiert den Auftritt der AfD in Espelkamp. - © Sarah Jonek
Der Autor Frank Hartmann kommentiert den Auftritt der AfD in Espelkamp. | © Sarah Jonek

Als Mathematiker beschäftigte sich Espendiller auch mit Klimamodellen und deren Tauglichkeit als Basis politischen Handelns, kündigt Brauns den AfD-Bundespolitiker an. Der behauptet, die politisch beschlossene Energiewende basiere auf falschen Klimamodellen. Wie er das belegen will, wird sich am Mittwoch zeigen. Oder auch nicht.

»Die AfD kann hier nicht machen, was sie will«

Wie im November 2018, als 250 Espelkamper friedlich auf dem Wilhelm-Kern-Platz protestierten und deutlich machten, dass sie Krieg und Vertreibung ablehnen und Flüchtlinge in Espelkamp willkommen sind, hat SPD-Ratsmitglied Hartmut Stickan erneut eine Gegenveranstaltung organisiert. „Wir wollen zeigen, dass die Stadt Espelkamp nicht der AfD gehört. Und dass sie hier nicht machen kann, was sie will". Darin sind sich die vier Unterstützer der öffentlichen und überparteilichen Kundgebung, die um 18.30 Uhr auf dem Wilhelm-Kern-Platz in Espelkamp beginnt, einig: Neben Stickan gehören dazu Andreas Sültrup und Florian Craig sowie Michael Petersen.

Die Pro-Europa-Veranstaltung auf dem Lübbecker Marktplatz im April dieses Jahres, die fast gleichzeitig zu einem Stadthallen-Auftritt der AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alice Weidel, lief, war angeblich keine Anti-AfD-Kundgebung. Das sehen die Organisatoren der Espelkamper Demonstration anders. Ihr Aufruf an die Bürger, sich zu beteiligen, ist eindeutig: "Fakten statt Populismus: Kundgebung gegen die AfD-Klimathesen!"

»Pauschale Diffamierung eines politischen Gegners«

Beim letzten Mal hielt Stickan dem Unsinn, den der AfD-Clown Christian Blex vor 100 Zuhörern über Syrien verbreitete (die ihm diesen Quatsch auch noch glaubten), als er das Bürgerkriegs-Land quasi als Urlaubsregion mit Bildern von tollen Hotelanlagen und Pools verkaufte, noch selbst Fakten entgegen. Dieses Mal setzen Stickan und seine Mitstreiter auf wissenschaftliche Unterstützung durch den Lübbecker Diplom-Meteorologen Friedrich Föst. Mit auf dem Podium ist auch Reinhard Steinmann vom Klimabündnis Minden-Lübbecke.

Interessant ist, was Brauns vorschlägt und über die - von der AfD so oft als Staatsmedien, Systemmedien etc. geschmähten - Zeitungen verbreiten lässt: "Mit Spannung bleibt abzuwarten, ob sich die von Herrn Stickan engagierten Fachleute der Diskussion mit Herrn Dr. Espendiller öffentlich stellen, oder ob das Ganze in einer gewohnt pauschalen Diffamierung eines politischen Mitbewerbers endet, wie bereits zuvor."

Die AfD spielt die Opferrolle perfekt

Da ist es wieder dieses "Mimimi", diese Opferrolle, die die AfD so perfekt spielt, um ihre zu Klima- und sonstigen Verschwörungstheorien neigenden Anhänger noch enger um sich zu scharen. Die AfD Minden-Lübbecke will zur Kommunalwahl 2020 ja Sitze in den Stadt- und Gemeinderäten einnehmen, was zweifelhaft erscheint, da es ihr mit Ausnahme Rahdens nicht gelingt, Ortsverbände im Lübbecker Land zu gründen. Kein Wunder, wer zeigt schon gern Gesicht bei dem frostigen Klima hier.

Den Organisatoren der Espelkamper Gegenveranstaltung kann man nur wünschen, dass sich Mitglieder aller im Stadtrat vertretenen Parteien der Kundgebung anschließen - was wohl ausgeschlossen ist, da der CDU-Stadtverband mit einer fadenscheinigen Begründung bereits angekündigt hat, nicht mitzumachen. Man wolle die Bürger auf andere Art "mitnehmen", heißt es. Dann mal los!

Beteiligung der Nachbarkommunen wäre wichtig

Ein wichtiges Zeichen der Solidarität wäre zudem, dass Bürger, aber auch Repräsentanten der Nachbarkommunen am Mittwoch nach Espelkamp kommen. Mit interkommunalen Gewerbegebieten und Verwaltungskooperationen allein ist der AfD nämlich nicht beizukommen. Deren Ziel bleibt, sich "unser Land zurückzuholen".

Meine Prognose: Im Lübbecker Land werden sie damit keinen Erfolg haben. Aber wahrscheinlich ist das wieder nur so eine faktenbefreite, unwissenschaftliche Behauptung eines systemtreuen Schreiberlings.

Kontakt zum Autor:

Frank.Hartmann@nw.de

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