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Vom einstigen Führungs-Trio mit Kristin Drechsler sind nur noch der Vorstandsvorsitzende Olaf Bornemeier (l.) und der Verwaltungsratsvorsitzende Ralf Niermann im Amt - © Joern Spreen-Ledebur
Vom einstigen Führungs-Trio mit Kristin Drechsler sind nur noch der Vorstandsvorsitzende Olaf Bornemeier (l.) und der Verwaltungsratsvorsitzende Ralf Niermann im Amt | © Joern Spreen-Ledebur

Kreis Minden-Lübbecke Mühlenkreiskliniken - Führungsversagen auf mehreren Ebenen

Frank Hartmann
05.04.2019 | Stand 05.04.2019, 19:41 Uhr

Was ist bei den Mühlenkreiskliniken (MKK) los? Der öffentlich rechtliche Klinikverbund mit Standorten in Minden, Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden fällt neben positiven Neuigkeiten immer wieder auch durch negative Vorfälle auf, die zu recht Schlagzeilen machen. Wie ein Operationsfaden durch eine lange Narbe zieht sich insbesondere die mangelnde Transparenz durch die Reihe der Beispiele für Führungsversagen. Versagen, das auf mehreren Ebenen zu finden ist. Gerade auch an der Spitze - innerhalb und außerhalb des Konzerns.

Da wird einem der prominentesten Aushängeschilder der MKK, Chefarzt Johannes Zeichen, fristlos gekündigt und ihm Hausverbot erteilt. Wegen einer Auseinandersetzung um den Inhalt eines Arbeitszeugnisses für einen jungen Arzt? Das kann nur die halbe Wahrheit sein. Konkrete Informationen will die MKK-Spitze nicht geben. Auch Landrat Ralf Niermann nicht, der dem MKK-Verwaltungsrat vorsitzt. Typisch.

Klarheit im OP - Fehlanzeige

Und was ist mit den Vorwürfen zweier Mitarbeiter, die kritisieren, dass die Klinikleitung einem Arzt ermöglicht, auf eigenen Wunsch im OP nur mit Männern zusammenzuarbeiten? Dazu fallen die Ausführungen der Mühlenkreiskliniken ausführlicher aus. Sogar eine Besichtigung des OP-Bereichs mit der Möglichkeit, mit Mitarbeitern zu sprechen, wird Hals über Kopf angeboten. Doch auf die vermeintliche Transparenzoffensive reagieren einige Mitarbeiter empört. Klarheit hat die Aktion auch nicht gebracht, bestätigt eher die schlechte Stimmung im Haus. Der Druck auf die Mitarbeiter sei gewaltig. Niemand habe sich getraut, bei dem Rundgang mit Klinikvertretern und Journalisten die Wahrheit zu sagen, ist von einem der Ärzte zu erfahren.

Aus eigener Erfahrung kann ich beisteuern, dass in mehreren anderen Fällen selbst Mitglieder der Personalvertretung der Kliniken Angst hatten, sich gegenüber der Presse zu äußern. Sie befürchteten arbeitsrechtliche Konsequenzen. Ich nenne das Maulkorb.

Kein Freund offener Worte

Auch sonst hat der MKK-Personalrat wenig mitzureden, zum Beispiel im Aufsichtsgremium des Klinikverbundes, dem Verwaltungsrat. Dem sitzt aufgrund seiner Position als Landrat Ralf Niermann vor. Jurist und wie der MKK-Vorstandsvorsitzende Olaf Bornemeier auch kein Freund offener Worte. Eher ein Meister des Unverbindlichen, dessen ordentlich besetzte Pressestelle man getrost als Informationsverhinderungs-Büro bezeichnen darf.

Im MKK-Verwaltungsrat war es wiederum Niermann, der die anderen Mitglieder zum Schweigen verdonnert hat, als das höchst umstrittene und von der Bevölkerung abgelehnte Medizinkonzept besprochen wurde. Dessen Vorstellung und Diskussion endete in einem Desaster - nicht zuletzt wegen der dilettantischen Kommunikationsstrategie. Obwohl auch die Mühlenkreiskliniken über eine mehrköpfige Pressestelle verfügt. Wie in der Kreisverwaltung offentsichtlich ein Team ohne allzu großen Einfluss auf die Chefs - hier Niermann, dort Bornemeier.

Rechtsform des Klinikverbundes wird überprüft

Apropos Bornemeier: Über dessen Zukunft  bei den MKK ist durchaus kritisch nachgedacht worden. Aber nur kurz. Denn nach dem Rauswurf der Stellvertreterin Bornemeiers, der Medizin-Vorständin Kristin Drechsler wegen des krachend gescheiterten Medizinkonzepts, wären die Mühlenkreiskliniken führungslos gewesen.

In den Reihen der Kreistagsparteien wird trotzdem weiter überlegt, welches Führungspersonal des Klinikonzerns das richtige ist. Außerdem, ob die Rechtsform AÖR (Anstalt öffentlichen Rechts) geändert werden sollte. Achtung: Es geht nicht darum, die MKK zu privatisieren. Denn dann würde ein Standort wie Rahden wohl sehr schnell abgewickelt. Aber die AÖR mit dem Kreis Minden-Lübbecke als Träger biete den Vertretern der Belegschaft keine Möglichkeit im Verwaltungsrat mitzuentscheiden, ist zu hören. Die Kreistagsmitglieder murren ebenfalls, wenn sie von den Entsandten ihrer eigenen Partei so gar nichts aus dem Verwaltungsrat der MKK erfahren.

Auch das könnte sich nach der Kommunalwahl im Herbst 2020 ändern. Neben der Kreisentwicklung nennt SPD-Kreisgeschäftsführer Ulrich Pock insbesondere die Mühlenkreiskliniken als Anforderung an die Bewerber. Diese Aufgabe soll der Nachfolger oder die Nachfolgerin des ausscheidenden Landrats im engen Austausch mit der Politik gut und gestaltend ausfüllen können.

Das wird ein heißer Herbst.

 frank.hartmann@nw.de

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