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Einladung von Minden gegen Rechts zur Podiumsdiskussion am vergangenen Montag in Minden - © Minden gegen Rechts
Einladung von Minden gegen Rechts zur Podiumsdiskussion am vergangenen Montag in Minden | © Minden gegen Rechts

Kreis Minden-Lübbecke Fakten statt Fake News

Frank Hartmann
15.03.2017 | Stand 09.06.2017, 15:26 Uhr

Das Mindener Bündnis gegen Rechts sorgt sich um den Umgang der Medien, auch der heimischen, mit Rechtspopulisten und Fake News. Aufklärung versprachen die Mitglieder sich von einer von Jana Sasse und Justus Krüger moderierten Podiumsveranstaltung am vergangenen Montag im kleinen Theater am Weingarten in Minden, zu der - leider - nur etwa 35 Zuhörer kamen.

Besonders schade finde ich in diesem Zusammenhang, dass Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Minden-Lübbecke und Ortsverband Espelkamp, am gleichen Abend, zur gleichen Uhrzeit, zu einem ähnlichen Thema nach Espelkamp bei Schneiders am Brunnen eingeladen hatten. Zu dem übrigens noch weniger Zuhörer kamen als nach Minden. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sich entweder zusammen zu tun, oder sich wenigstens einen anderen Termin auszusuchen?

Rechtsruck hat viele Ursachen

Wir saßen zu viert auf dem Podium, nachdem Karsten Wilke von der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold 30 Minuten lang dargestellt hatte, dass zum Beispiel soziale Ungleichheit als eine der Ursachen für einen Rechtsruck in einer Gesellschaft gilt. Deren Potential für rechtsextreme Einstellungen liege ohnehin bei 10 bis 15 Prozent. Islamfeindlichkeit, IS-Terroranschläge, Pegida-Propaganda, EU-Kritik, Buchautoren wie Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") und Hans Buschkowsky ("Neuköln ist überall") sowie Vertrauensverlust gegenüber den etablierten Parteien wurden ebenfalls genannt.

Besonders wichtig fand ich, was Kollege Udo Heinze, ehemaliger Lokal-Chef bei der WAZ, anmerkte: Es sei wichtig, als Journalist eine Haltung zu haben und diese Haltung in Kommentaren auch zum Ausdruck zu bringen. Gegen jede Art von Extremismus, versteht sich.

Phänomene sind per se interessant

Der Mindener Ratsherr Jannes Tilicke, der Minden gegen Rechts auf der Bühne vertrat, bemängelte, dass die AfD häufig in den Medien präsent sei. Gemessen an ihrer Mitgliederzahl im Mühlenkreis, es mögen 60, 70 sein, hat er Recht. Zugleich sind die bisherigen Wahlerfolge der AfD, die Prognosen zufolge in NRW zur Zeit bei knapp zehn Prozent liegt, ein relativ junges Phänomen und damit per se für Journalisten interessant. Dieses Phänomen gilt es, zu ergründen und zu verstehen. Verbal lediglich draufzuschlagen, sich aber der inhaltlichen Auseinandersetzung zu verweigern, hilft, fürchte ich, letztlich mehr der AfD als den etablierten Parteien.

Aus den Reihen der Zuhörer kamen einige sehr interessante Fragen. Sie zeigen, dass die Unsicherheit oder auch Angst vor Fake News und der unreflektierten Widergabe rechtspopulistischer Aussagen in den Medien groß ist. Was ich am Montagabend dazu gesagt habe, möchte ich an dieser Stelle gern wiederholen. Auch wenn wir manchmal eine Information online schnell weiterverbreiten - zum Beispiel die Polizeimeldung der Kreispolizei über eine junge Frau, die sich am Lübbecker Busbahnhof von einer Gruppe von Ausländern bedroht fühlte - beachten wir immer journalistische Grundregeln. Eine lautet: Ist die Quelle der Information bekannt, und ist die Quelle glaubwürdig? Im Fall der Polizei Minden-Lübbecke lassen sich beide Fragen mit "Ja" beantworten.

Lügenpresse - Fehlanzeige

Zudem haben wir nicht nur einfach verbreitet, was in der Mitteilung der Polizei stand, sondern haben mit der Polizeipressestelle telefoniert. Deshalb wussten wir, dass die Angelegenheit weiter untersucht wird und mit einem Follow Up zu rechnen ist. So kam es auch: In der Folgemeldung der Polizei wurde dargelegt, dass es sich um Asylbewerber handelte, die mit dem Bus nach Lübbecke zum Sprachunterricht gekommen waren und am ZOB auf die Heimfahrt warteten. Dort, wo auch die junge Frau stand. Übrigens: Hätte es tatsächlich eine Bedrohungssituation oder gar einen Übergriff gegeben, hätten wir selbstverständlich auch das berichtet.

Aus den geschilderten Gründen kommen Fake News à la Kind entführt, Mädchen vergewaltigt etc. bei uns weder im Blatt noch online unter.Und auch deshalb möchte ich hier einmal etwas hinschreiben, was ich schon lange loswerden wollte: Wer die Medien, auch die im Kreis Minden-Lübbecke, als "Lügen-" oder "Pinocchio-Presse" bezeichnet, sollte sich lieber an die eigene Nase fassen - die dürfte ziemlich lang sein.

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