0
Gastredner und AfD-Kreissprecher: Guido Reil (l.) war auf Einladung von Markus Wagner (r.) und dem AfD-Kreisverband Minden-Lübbecke in die Stadthalle Lübbecke gekommen und wetterte unter anderem gegen Flüchtlinge. - © Frank Hartmann
Gastredner und AfD-Kreissprecher: Guido Reil (l.) war auf Einladung von Markus Wagner (r.) und dem AfD-Kreisverband Minden-Lübbecke in die Stadthalle Lübbecke gekommen und wetterte unter anderem gegen Flüchtlinge. | © Frank Hartmann

Lübbecker Land Meinungsfreiheit - nichts für AfD-Zuhörer von rechtsaußen

Frank Hartmann
21.02.2017 | Stand 13.09.2017, 11:36 Uhr

Ich habe vergangene Woche den fünften AfD-Vortragsabend in der Stadthalle Lübbecke besucht und bekomme ein zunehmend klares Bild vom Kreisverband Minden-Lübbecke. Ein schwieriges Unterfangen. Denn auch wenn ich anderer Meinung als die hiesigen AfD-Landtagskandidaten Markus Wagner, Thomas Röckemann und Jan Aussieker bin: Sie unterscheiden sich in ihren inhaltlichen Aussagen und in der Art diese vorzubringen, von landes- und bundespolitischen Akteuren wie Höcke, Gauland, Petry und von Storch. Deren nationalistisches, rassistisches und rechtsextremes Gefasel ist schwer zu ertragen.

Keine Distanzierung zu Gauland und Petry

Vom rechten Hetzer Höcke, von dem vor einigen Monaten noch eine Rede auf der Minden-Lübbecker AfD-Seite zu hören war, haben sich Kreissprecher Markus Wagner und sein Stellvertreter Burkhard Brauns wenigstens distanziert. Aber kein Wort zu den anderen. Wie auch? Es sind schließlich auch die Bundesvorsitzenden des AfD-Kreisverbandes Minden-Lübbecke.

Und dessen Einladung in die Stadthalle Lübbecke zum Gastvortrag des früheren Steigers Guido Reil, dessen platte Ruhrpott-Rhetorik gegen alles und jeden - besonders auch gegen Flüchtlinge -  schon kaum zu ertragen war, sind wie üblich diesmal nicht nur Anti-Islam-Hetzer gefolgt. Diesmal waren auch Rechtsaußen darunter, die versuchten, bei dieser öffentlichen Veranstaltung Mitstreiter und Einfluss zu gewinnen.

Blanke Nazi-Propaganda

Einer von ihnen pries zwei Filme, die das behauptete Lügengebäude alliierten Kriegsverbrecher angeblich dokumentarisch widerlegen. Ich habe mir Ausschnitte dieser Filme bei Youtube angesehen. In Wirklichkeit handelt es sich um blanke Nazi-Propaganda übelster Machart. Keiner der ausgesprochen kräftigen Ordner, private Sicherheitsleute, wurde aufgefordert, diesen Menschen aus der Stadthalle an die frische Luft zu begleiten.

Auch als ein anderer Zuhörer, offenbar Sympathisant der Reichsbürger-Szene, behauptete, Personalausweis und Reisepass gäben nur Hinweise auf die deutsche Staatsbürgerschaft ("Ich bin kein gesetzlicher Deutscher.") und als "Beweis" auf eine angeblich offizielle Seite eines Kreises verwies, griff niemand ein. Reil machte einen Spruch dazu ("Das bringt der AfD-Zukunft nichts.") und das war's.

"Halten Sie Ihre Emotionen im Griff"

Nun betonen Wagner und Co ja bei jeder Gelegenheit, dass sie für Meinungsfreiheit eintreten. Zugleich waren sie nicht in der Lage, nachhaltig für Ruhe zu sorgen, als ein AfD- und Reil-kritischer Zuhörer Nachfragen stellte und von mehreren Rechtsaußen im Saal lautstark unterbrochen und verbal angegangen wurde. Bis auf Wagners lahmes "Halten Sie Ihre Emotionen im Griff" wollte die AfD sich ganz offensichtlich nicht distanzieren. Statt dessen sagte Reil: "Wir sind für Freiheit und Toleranz." Den 100 Demonstranten vor der Halle unterstellte er hingegen: "Die, die gekommen sind, aber nicht."

Wer von sich behauptet, einer demokratischen Partei anzugehören, sollte Leute, die unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit schlimmste Äußerungen gegen Minderheiten von sich geben und Menschen mit anderer Auffassung niederblöken, umgehend aus seinen Veranstaltungen entfernen. Was diese Extremisten treiben, hat mit Meinungsvielfalt und demokratischer Auseinandersetzung nämlich nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Wären sie an der politischen Macht, wäre das erste, was sie unterdrücken würden, die Meinungsfreiheit. Die der anderen.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
Newsletter abonnieren

NW Newsletter - die wichtigsten News

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

© Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co. KG