Das Amtsgericht an der Langen Straße in Rahden ist für Rahden, Espelkamp und Stemwede zuständig. - © Joern Spreen-Ledebur
Das Amtsgericht an der Langen Straße in Rahden ist für Rahden, Espelkamp und Stemwede zuständig. | © Joern Spreen-Ledebur

NW Plus Logo Rahden Gezielte Faustschläge beenden Widerstand gegen Polizisten

Eine schlimme Nachricht wirft einen früheren Fremdenlegionär aus der Bahn. Das bekommen Beamte in Espelkamp zu spüren. Vor Gericht macht der Mann reinen Tisch.

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Mit dem Gesetz war ein Espelkamper 61-jähriger Espelkamper bislang nie in Konflikt geraten. Eine Autofahrt Anfang Mai allerdings brachte ihm eine Anklage wegen mehrere Delikte und einen Platz auf der Anklagebank im Amtsgericht Rahden ein. Der ehemalige Fremdenlegionär soll alkoholisiert gefahren und bei einer Kontrolle Polizisten angegriffen haben.

Mit seinem Wohnmobil war der Mann auf der Beuthener Straße unterwegs. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bielefeld soll er dabei betrunken gewesen sein. Eine Blutprobe soll einen Wert von 2,21 Promille ergeben haben, heißt es in der Anklage. Polizisten hielten den Mann dann an. Dabei soll der Espelkamper aggressiv gewesen sein.

Schläge und schlimmeres angedroht

Laut Anklage habe er den Beamten gesagt, dass jeder, der ihn woanders hinbringen wolle, „gleich auf die Schnauze bekommt“. Beamte wollten den Mann fixieren, dagegen wehrte er sich. Laut Anklage soll der Espelkamper gedroht haben, den Beamten den Hals aufzuschneiden und sie zu töten.

Bei der Aktion erlitt ein Polizeibeamter leichte Verletzungen. Der Widerstand des Espelkampers wurde laut Staatsanwaltschaft von einem Polizisten durch zwei gezielte Faustschläge beendet.

"Da hat er vieles erlebt, was man nicht erleben möchte"

Die ganze Aktion brachte dem 61-Jährigen eine Anklage wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Angriff auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Bedrohung und Beleidigung ein.

Diesen Vorwurf räumten der Espelkamper und sein Anwalt gegenüber Richterin Hildebrandt ohne wenn und aber ein. Wegen der erheblichen Alkoholisierung habe sein Mandant „nicht mehr alles auf dem Schirm“, so der Anwalt. Ausführlich äußerte sich der Anwalt zur Frage, warum es an jenem Tag im Mai soweit gekommen sei. Sein Mandant habe einige Jahre in Spanien gelebt und sei dann nach Deutschland zurückgekehrt. Mehrere Jahre sei der Espelkamper in der Fremdenlegion gewesen und habe etwa in Afghanistan und Somalia gekämpft. „Da hat er vieles erlebt, was man nicht erleben möchte.“

"Das hat ihn aus der Bahn geworfen"

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sei der Espelkamper auch wegen posttraumatischer Belastungsstörungen in Behandlung. In Kürze stehe wieder ein längerer Klinik-Aufenthalt an. Am Tattag habe sein Mandant die Nachricht bekommen, dass ein Kamerad, den er als seinen Bruder bezeichnet habe, Selbstmord begangen habe. „Das hat ihn komplett aus der Bahn geworfen“, sagte der Anwalt mit Blick auf seinen Mandanten.

Für den Vorfall wolle sein Mandant gerade stehen und bedauere auch das Geschehen, erklärte der Anwalt. Ob er Alkoholiker sei, fragte Richterin Hildebrandt den Espelkamper. Der verneinte. Jahrzehnte habe er keinen Alkohol getrunken. Bis zu dem Tag.

"Es tut mir leid. Ich war nicht bei Verstand"

„Ich möchte mich bei Ihnen und Ihren Kollegen entschuldigen“, wandte sich der Angeklagte an einen Polizisten, der bei dem Einsatz leicht verletzt wurde. „Es tut mir leid. Ich war nicht bei Verstand.“ Der angeklagte Espelkamper bat den Polizisten, die Entschuldigung auch an jene Beamte zu übermitteln, die nicht als Zeugen geladen waren. Der Beamte nahm die Entschuldigung an. Die gebe er an die Kollegen weiter, versprach er dem Angeklagten.

Der Angeklagte sei geständig, habe seine Lage erklärt und sich bei den Polizisten entschuldigt, sagte die Staatsanwältin. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten und zwei Wochen, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollen, noch vier Monate Führerschein-Sperre und eine Geldbuße von 1.200 Euro.

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