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Haus der Justiz: Im Rahdener Amtsgericht fand jetzt eine Verhandlung gegen einen jungen Mann wegen fahrlässiger Geldwäsche statt. - © Joern Spreen-Ledebur
Haus der Justiz: Im Rahdener Amtsgericht fand jetzt eine Verhandlung gegen einen jungen Mann wegen fahrlässiger Geldwäsche statt. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Fahrlässige Geldwäsche: "Hier sitzt das Opfer, nicht der Täter"

In vier Fällen kauften Kunden Elektrogeräte über einen Onlineshop, erhielten die Geräte jedoch nie. Schaden: rund 4.000 Euro. Vor dem Rahdener Amtsgericht musste sich dafür ein 23-Jähriger verantworten.

Sonja Rohlfing
14.07.2020 | Stand 14.07.2020, 19:07 Uhr

Rahden. Einkaufen im Internet ist so einfach: Onlineshop aufrufen, Waren in den Warenkorb legen, bezahlen und fertig. Dann kommt die Ware – oder eben auch nicht. In vier Fällen hatten Kunden Elektrogeräte über einen Onlineshop gekauft und das Geld für die Ware in gutem Glauben auf ein Konto überwiesen. Die bestellten Geräte erhielten sie jedoch nie. Rund 4.000 Euro Schaden sind entstanden. Vor dem Rahdener Amtsgericht wurde jetzt einem 23-Jährigen in dem Zusammenhang fahrlässige Geldwäsche vorgeworfen.

„Es handelt sich hier offenbar um eine Onlinebank, die es mit der Datensicherheit nicht so genau nimmt", stellte der Verteidiger des jungen Mannes gleich eingangs fest. „Es gibt im Internet eine Vielzahl von Hinweisen und Berichten, die auf Betrugsfälle rund um diese Bank hinweisen, die immer nach demselben Motto ablaufen."

Er sei gelernter Einzelhandelskaufmann, habe nach der Ausbildung aber festgestellt, dass er etwas anderes machen möchte, berichtet der 23-Jährige. Darum habe er sich um eine Ausbildung an einer Privatschule in Köln beworben und sei dort auch angenommen worden. Um einen Geldpuffer aufzubauen, habe er in Espelkamp gearbeitet, erzählt der Angeklagte. In Köln habe er nach einer Wohnung und einem Nebenjob gesucht. Von einer Freundin habe er den Tipp bekommen, sich als Produkttester zu bewerben.

»Das Konto war meinem Mandanten nicht mehr präsent«

Das habe er auf verschiedenen Internetseiten gemacht und schließlich ein Angebot bekommen. Die Bewerbung sei über WhatsApp gelaufen. Das sei durchaus üblich, weiß der Angeklagte aus seinen Bewerbungen als Servicekraft. Die Chatverläufe seien in einer Datencloud gespeichert, die er nicht mehr aufrufen könne, da er zwischenzeitlich sein Handy gewechselt habe.

Auf Wunsch der Firma habe er seinerzeit dann einen Account und ein Konto bei besagter Onlinebank eingerichtet. „Dann habe ich mich umentschieden, den Job nicht angenommen, um stattdessen im Service zu arbeiten." Zu besagter Firma sei der Kontakt abgebrochen. „Das Konto war meinem Mandanten nicht mehr präsent, bis sich die Polizei bei ihm gemeldet hat", ergänzt der Verteidiger. Sein Mandant habe über das Konto nie verfügt und nie Zahlungen darüber getätigt.

„Warum Sie einen Brief der Onlinebank ungeöffnet zur Seite gelegt haben, wundert mich", war Richterin Mothes überrascht. „Ich brauchte das Konto nicht, weil ich ein normales Konto bei einer anderen Bank habe", erklärte der Angeklagte. Um nach den Produkttests schneller an sein Geld zu kommen, solle er ein Konto bei der Onlinebank einrichten, habe die Firma zu ihm gesagt. „Ich dachte Onlinefirma gleich Onlinekonto."

„Ich dachte Onlinefirma gleich Onlinekonto"

Auch wenn sie statt der angeklagten fahrlässigen lediglich eine leichtfertige Geldwäsche sähe, habe der Angeklagte doch seine Sorgfaltspflicht verletzt, stellte die Staatsanwältin fest. Die dicken Fische säßen zwar woanders, das wisse sie, aber in der heutigen Zeit könne jeder im Internet nachlesen, dass solche Maschen die Runde machten. „Zumal Sie eine kaufmännische Lehre gemacht haben."

Sein Mandant wolle nichts vertuschen und nichts verschleiern, betonte der Verteidiger. Zum Tatzeitpunkt sei sein Mandant 20 Jahre alt gewesen. „Ob da jemand so tiefgreifend nachdenkt?" Er hätte sich gewünscht, dass die Staatsanwaltschaft vorher in sämtliche Richtungen ermittelt hätte.

„Hier sitzt das Opfer, nicht der Täter", unterstrich der Rechtsanwalt. Deshalb sei er ein großer Freund eines Freispruchs oder einer Einstellung des Verfahrens. Damit konnten sich Staatsanwältin und Richterin Mothes nicht anfreunden. „Es bestreitet niemand, dass der Angeklagte die Strohpuppe war und andere im Hintergrund die Fäden ziehen", merkte Richterin Mothes an. Eine Einstellung des Verfahrens komme für sie nicht in Frage. „Da ist noch mehr in der Pipeline", gab die Staatsanwältin zu bedenken.

Sein Eindruck sei, „die Großen lässt man laufen und die Kleinen hängt man", monierte der Verteidiger. „Wer hat die Überweisungen freigegeben?, das finde ich nicht unwichtig", erklärte die Richterin. Sie entscheidet, das Hauptverfahren auszusetzen, um weitere Informationen bei Onlinebank und Landeskriminalamt einzuholen.

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