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Wird gebraucht: Auf dem Abschnitt Barenburg-Sulingen-Diepholz des Sulinger Kreuzes findet noch Güterverkehr statt. Exxon will an den Ölzügen festhalten. - © Joern Spreen-Ledebur
Wird gebraucht: Auf dem Abschnitt Barenburg-Sulingen-Diepholz des Sulinger Kreuzes findet noch Güterverkehr statt. Exxon will an den Ölzügen festhalten. | © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecker Land Unterstützung für Wiederbelebung der Bahnlinie Rahden-Bremen wächst

Verband sieht viel Potenzial für Bahnlinie nach Bremen.

Joern Spreen-Ledebur
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 19:11 Uhr

Lübbecker Land. Die Deutsche Bahn AG will Teile der Bahnstrecken des Sulinger Kreuzes entwidmen. Sollte das Eisenbahnbundesamt (EBA) dem Antrag zustimmen, dann wäre auch die Bahnlinie von Rahden in Richtung Bremen gekappt. Gegen dieses Ansinnen gibt es massiven Widerstand. Mit dem Sulinger Kreuz hat sich nun der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) befasst – mit einem sehr bemerkenswerten Ergebnis. Der VDV sieht erhebliches Potenzial für die Strecke Rahden-Bassum-Bremen und fordert den Erhalt und Ausbau. Der Verband fordert die Wiederbelebung von Bahnstrecken im ländlichen Raum und in die Liste wird nun die Linie von Rahden nach Bremen aufgenommen. Starke Diskussion über Wiederbelebung von Strecken Die Strecken des Sulinger Kreuzes seien bislang nicht Bestandteil der Reaktivierungsvorschläge des VDV gewesen, erklärte der zuständige VDV-Geschäftsführer Martin Henke. „Nach der Veröffentlichung unseres Positionspapiers ,Auf der Agenda: Reaktivierung von Eisenbahnstrecken’ hat sich quer durch die ganze Republik die Diskussion über die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken – insbesondere auch vor dem Hintergrund des Klimaschutzes – stark belebt", teilte Henke gegenüber der Neuen Westfälischen mit. In der Diskussion mit örtlichen Initiativen sowie Gebietskörperschaften und Wirtschaftsvertretern sei der VDV derzeit dabei, die in dem Positionspapier enthaltene Vorschlagsliste zu überarbeiten. Die überarbeitete Liste solle Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. "Die Reaktivierung werden wir in die Liste aufnehmen" Die Strecke aus dem Lübbecker Land in Richtung Bremen hat mit dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen einen neuen, gewichtigen Fürsprecher. Martin Henke: „Ein Ergebnis der Überarbeitung kann man bereits vorwegnehmen: Die Reaktivierung der Strecke 2982 Bassum–Sulingen–Rahden werden wir in die Liste aufnehmen." Hintergrund sei unter anderem eine zwischenzeitlich durchgeführte Analyse, welche Mittelzentren in Deutschland bisher nicht an das im Personenverkehr betriebene Netz angeschlossen seien. Sulingen sei ein solches Mittelzentrum. Zur angemessenen Infrastruktur eines Mittelzentrums gehöre aus Sicht des Verbandes in der Regel auch ein Anschluss an den Schienenpersonenverkehr. Im Falle der Strecke Bassum–Sulingen–Rahden kommt nach Angaben Henkes hinzu, „dass sie auch wesentliche Funktionen für den Schienengüterverkehr übernehmen kann. Sie ist vor allem deshalb für den Güterverkehr geeignet, weil sie eine Umfahrung des überlasteten Knotens Hannover aus Richtung Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven ermöglicht." Attraktive Verbindung für Personen- und Güterverkehr Die Bahnstrecke biete den Anschluss an den im Betrieb befindlichen Streckenzug von Rahden über Bünde–Herford–Altenbeken nach Kassel, wo wiederum wichtige weiterführende Verbindungen erreicht würden. Sie sei damit in der Hauptlastrichtung (Süden/Südosten) der Transporte bremischer und niedersächsischer Häfen eine kurze und attraktive Verbindung, sofern sie entsprechend ausgebaut werde. Ferner ist die Strecke nach Angaben des VDV-Geschäftsführers als Alternativverbindung zu den Strecken Bremen-Osnabrück und Bremen–Hannover im Falle von Havarien oder Großbaustellen geeignet, was der Stabilität des Gesamtnetzes zugutekommen dürfte. „Folgerichtig hat die Freie Hansestadt Bremen auf unsere Nachfrage erklärt, dass sie die Aufnahme der Maßnahme in die Liste des VDV befürwortet." Die Freie Hansestadt Bremen unterstützt VDV-Planungen Aufgrund der Funktionen dieser Strecke ist nach Überzeugung des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen eine Elektrifizierung sowie ein Ausbau auf mindesten 80 Stundenkilometer Streckengeschwindigkeit mit Kreuzungsmöglichkeiten für 740 Meter lange Güterzüge sinnvoll und erforderlich. Der VDV werde diese Strecke dementsprechend auch in die zweite Auflage der Maßnahmenliste „Voll elektrisch" für Vorhaben aufnehmen, die für das Elektrifizierungsprogramm der Bundesregierung geeignet seien, kündigte Martin Henke an. Diese Maßnahmenliste erscheine in Kürze noch vor der überarbeiteten Liste zu reaktivierender Strecken. Bewertung für Abschnitt nach Nienburg sieht anders aus Etwas anders bewertet der Verband deutscher Verkehrsunternehmen die Ost-West-Strecke des Sulinger Kreuzes. Auch hier hat sich der Verband mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und dem Güterverkehr befasst. Martin Henke: „Bei der Strecke 1744 Diepholz–Sulingen–Abzweig Lohe (- Nienburg) sehe ich derzeit selbst unter verbesserten Vorzeichen einer stärkeren Orientierung der Politik zugunsten einer klimafreundlicher Verkehrsabwicklung keine realistische Chance für eine SPNV-Bestellung und im Abschitt Sulingen–Abzweig Lohe auch keine hinreichende Nachfrage im Güterverkehr." Regionalbahn aus dem Lübbecker Land nach Norden verlängern Für den Abschnitt Diepholz–Sulingen gebe es eine gewisse Nachfrage aufgrund der Verkehre aus Barenburg und Rehden, weshalb diese Strecke für den Güterverkehr erhalten werden sollte. Martin Henke verweist hier auf den Güterverkehr eines Logistikers aus der Autobranche in Rehden und auf die Ölzüge von Exxon ab Barenburg. Für den Personenverkehr bietet die Strecke Bassum–Rahden weit mehr Potenzial; außerdem sei der Aufwand für die Verlängerung der Nahverkehrslinie RB 71 Münster–Bielefeld–Rahden nach Bassum oder Bremen geringer als die Schaffung einer völlig neuen Nahverkehrslinie Diepholz – Nienburg, so Henke. "Anstrengungen auf Rahden-Bassum konzentrieren" Netzstrategische Gesichtspunkte wie eine Funktion als Umgehungsstrecke spielten angesichts der geringeren Belastung der Ost-West-Strecken und der Tatsache, dass weder in Diepholz eine Fortsetzung Richtung Westen noch in Nienburg eine Fortsetzung Richtung Osten außerhalb der überlasteten Nord-Süd-Strecken verfügbar sei, eher gegen eine Reaktivierung. VDV-Geschäftsführer Martin Henke: „Ich plädiere daher dafür, die Anstrengungen zur Erhaltung und Reaktivierung auf die Strecke Bassum–Rahden zu konzentrieren." Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen ist ein Zusammenschluss von Unternehmen des öffentlichen Personenverkehrs und des Güterverkehrs. Dem VDV gehören nach eigenen Angaben rund 600 Unternehmen an. Verband erinnert an Ziele des Bundes Zunehmend werden laut VDV Bahnstrecken reaktiviert und es gibt Vorschläge für weitere Verbindungen. Vor diesem Hintergrund hatte der Verband im Mai seine Initiative gestartet, in die nun Rahden-Bassum aufgenommen wird. Wenn die Bundesregierung eine Verdopplung der Fahrgastzahlen erreichen wolle, müsse der langjährige Rückzug der Schiene aus der Fläche gestoppt und an geeigneten Stellen rückgängig gemacht werden, hatte VDV-Präsident Ingo Wortmann zum Start der Initiative erklärt.

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