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Auch viele Radfahrer nutzten wie hier in Uchte die Gelegenheit, einen Teil ihrer Tour mit der Museumsbahn-Fahrt zu verbinden. - © Joern Spreen-Ledebur
Auch viele Radfahrer nutzten wie hier in Uchte die Gelegenheit, einen Teil ihrer Tour mit der Museumsbahn-Fahrt zu verbinden. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Im "Uerdinger" übers Land: Bahnfahren wie in alten Zeiten in Rahden

In Rahden gibt es Bahnfahrten wie in alten Zeiten.

Joern Spreen-Ledebur
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 13:47 Uhr

Rahden. Zum Auftakt braucht es ein wenig Zeit. Während der rote Triebwagen der Baureihe VT 798 in Höhe des früheren Bahnbetriebswerks Rahden auf die Abfahrt wartet, senken sich am Bahnübergang an der Weher Straße die Schranken. Das dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit. Eine Schranke nach der anderen senkt sich. Fast in Zeitlupe. Manchen Autofahrern dauert das zu lang. Entweder machen sie kehrt und suchen sich einen anderen Weg – oder es gibt vereinzelt welche, die trotz einer sich senkenden Schranke noch Gas geben. Warum es an der Weher Straße diese eigenartig langsame Schrankenanlage gibt, das weiß keiner. Auch nicht die Aktiven der Museumsbahn Rahden-Uchte. Das sei halt so gewollt gewesen, zucken sie mit den Schultern. Die anderen Schranken an der 25 Kilometer langen Bahnstrecke, die teilweise von Hand bedient werden, sind bedeutend schneller. Rahden war die Eisenbahner-Stadt im Landkreis Aber sei’s drum. Es geht bei der Museumsbahn Rahden-Uchte ja auch nicht ums Tempo und die schnelle Reise. Die Museumsbahner ermöglichen eine Bahnfahrt wie in alten Zeiten. Damals, als Rahden noch die Eisenbahnerstadt im Lübbecker Land war. Damals, als die Bahn mit ihren Rahdener Dienststellen noch mehreren 100 Menschen Lohn und Brot gab. In Rahden hielten Eilzüge auf ihrem Weg zwischen Cuxhaven und Frankfurt (Main), hier zweigten die Züge nach Nienburg (Weser) ab und hier gab es regen Güterverkehr. Das war auch 1962 noch der Fall. In jenem Jahr kam der Triebwagen der Baureihe VT 798 fabrikneu nach Rahden. Zugeteilt war er dem Betriebswerk in Osnabrück, stationiert aber in Rahden. Und von hier fuhr er Richtung Bielefeld oder nach Bassum und Bremen. Triebwagen galt als "Retter der Nebenbahnen" Der rote Brummer wurde und wird von Eisenbahnern gern „Uerdinger" genannt – wegen seiner Herkunft aus der Waggonfabrik Uerdingen. Die hatte den zweiachsigen Triebwagen in Leichtbauweise entwickelt, der auf den Nebenbahnen die Dampfloks ablöste und als „Retter der Nebenbahnen" gefeiert wurde. Genau jener Triebwagen, der heute zwischen Rahden und Uchte rollt, war viele Jahre später auf Initiative der Rahdener Museumsbahner in seine alte Heimat zurückgeholt worden. Wilfried Wagenfeld, ein Urgestein der Museumsbahn, kann sich noch gut daran erinnern. In den 199er Jahren habe die Bahn die „Uerdinger"-Triebwagen ausgemustert. Ein Wiedersehen auf Siegener Abstellgleisen Eine Gruppe der Museumsbahn um Günter Kuhlmann und Günter Lückemeier sei deshalb bei der Suche nach einem Fahrzeug nach Siegen gefahren. Hier waren die roten Triebwagen abgestellt. „Das ist ja unser", habe Günter Lückemeier den alten Rahdener Schienenbus sofort erkannt, erinnert sich Wilfried Wagenfeld. Mit einer Sonderfahrgenehmigung ging es von Siegen nach Osnabrück zur Überarbeitung. Danach hatten die Eisenbahner in Rahden noch einiges am Fahrzeug zu tun. Die Museumsbahn beschaffte dann noch zwei Beiwagen, Hilfe kam damals vom langjährigen SPD-Bundespolitiker und Eisenbahnfreund Lothar Ibrügger. Solide Technik und aufwändige Unterhaltung Den 50. Geburtstag habe der Triebwagen geschafft, merkt Wilfried Wagenfeld an. Man müsse mal schauen, ob auch der 60. Geburtstag noch geschafft werde. „Die Technik ist solide, aber die Unterhaltung kostet viel Geld." Vieles könne man in Rahden selbst machen. Wegen bestimmter Teile aber müsse man mitunter weit fahren, gibt Wagenfeld zu bedenken. Aber auch in seinem 57. Jahr versieht der „Uerdinger" zuverlässig seinen Dienst. Gefahr droht ihm vor allem an den Bahnübergängen. Vor allem dem an der Nuttelner Straße in Tonnenheide nähert sich der Zug sehr vorsichtig und mit ständigem lauten Pfeifen. Manche Autofahrer ignorieren bekanntlich hartnäckig die Vorfahrt des Schienenverkehrs. Nicht nur an der Nuttelner Straße. Hin und zurück dauert es seine Zeit, aber dann haben die Fahrgäste eine nicht alltägliche Bahnfahrt erlebt. Und bei der kommt es auf ein paar Minuten nicht an. Auch nicht am Bahnübergang an der Weher Straße.

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