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Rehab Alyousef (r.) mit Tina Koehler (l.) und Toni Wittler. - © Sonja Rohlfing
Rehab Alyousef (r.) mit Tina Koehler (l.) und Toni Wittler. | © Sonja Rohlfing

Rahden Syrerin nimmt aus Freiwilligendienst im Sportverein Rahen viel mit

Die Syrerin Rehab Alyousef aus Alt-Espelkamp hat ein Jahr als Bufdi beim Stadtsportverband Rahden verschiedene Gruppen betreut. Gern würde sie als Lehrerin arbeiten.

Sonja Rohlfing
02.08.2019 | Stand 01.08.2019, 21:04 Uhr

Rahden/Espelkamp. Premiere bedeutet Nervenkitzel und freudige Anspannung. Wird alles gut gehen? Das haben sich auch Tina Koehler vom Stadtsportverband und Rehab Alyousef aus Alt-Espelkamp gefragt, als die Syrerin den Vertrag für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) beim Stadtsportverband unterschrieben hat. Jetzt ist das Jahr schon fast vorbei und beide Seiten sind überglücklich, dass sie zueinandergefunden haben. Das Herz der 36-Jährigen schlägt für Fußball Sport war schon immer das Steckenpferd der Lehrerin Rehab Alyousef. „In Syrien beschäftigen die Lehrer die Kinder in den Freistunden. Ich habe dann mit ihnen Sport gemacht." Das Herz der 36-Jährigen schlägt für Fußball. „Ich habe sechs Brüder und alle spielen Fußball", erklärt sie, woher ihre Leidenschaft für den populären Ballsport kommt. Selbst kickt sie nur mit ihren Kindern. „In Syrien spielen in der Hauptsache Männer Fußball, nur ganz vereinzelt Frauen. Sie spielen stattdessen Tennis, machen Fitness oder Yoga." Hergestellt hat den Kontakt zwischen Rehab Alyousef und Tina Koehler Toni Wittler vom Präventionsrat. „Rehab ist im September 2016 am Flughafen in Bremen angekommen. Sie hat ziemlich schnell Deutsch gelernt und inzwischen das B1-Sprachzertifikat. Sie wollte mehr lernen", unterstreicht die Rahdenerin. „Von der Arbeitsagentur wurde ihr eine Stelle als Hilfsarbeiterin angeboten. Da war Rehab sehr niedergeschlagen." An einem Sonderprogramm der Universität Bielefeld zur Schulung ausländischer Lehrer hatte die Syrerin großes Interesse. Die Teilnahme ließ sich aber wegen der Kinder (9, 12, 16 und 19 Jahre) nicht realisieren, denn auch ihr Mann arbeitet und ist tagsüber nicht zu Hause. Dann hat sie davon gehört, dass es in Espelkamp das Angebot eines Bundesfreiwilligendienstes gibt. Um sich dort zu bewerben, war es 2018 schon zu spät. „Das muss es doch auch in Rahden geben", war sich Toni Wittler sicher. Der Stadtsportverband beschäftigt bis zu fünf Freiwillige pro Jahr „Wir haben uns getroffen und zusammengesetzt", berichtet Tina Koehler. Bis zu fünf Freiwillige pro Jahr beschäftigt der Stadtsportverband. „Rehabs halbe Stelle kam nun obendrauf. Wir haben überlegt, wie lässt sich das finanzieren. Das war aber problemlos. Die Stiftung ‚Standort hier‘ der Stadtsparkasse Rahden hat spontan gesagt, wir machen mit." Seit dem 1. Oktober 2018 absolviert Rehab Alyousef nun ihren Bundesfreiwilligendienst. Neben der Ausbildung zum Übungsleiter unterstützt sie im TuSpo Rahden Heidrun Assmann beim Frauen- und Kinderturnen sowie Steffi Hiller in den Tanzgruppen des „Freestyle Dance Clubs". „Am Anfang hatte ich Angst, wie das läuft" „Ich habe viele Erfahrungen gesammelt", erklärt Rehab Alyousef. „Hier ist im Sport alles viel strukturierter. Man beaufsichtigt die Kinder mehr und hat immer ein Ziel vor Augen." Das sei in Syrien anders, lockerer. Inzwischen hat die 36-Jährige die Übungsleiterausbildung beim Kreissportbund erfolgreich abgeschlossen. „Am Anfang hatte ich Angst, wie das läuft. Aber es war toll." Sie sei immer neugierig und frage viel. „Alle hatten viel Geduld mit mir und waren sehr freundlich." Auch den Lehrgang zum Sportabzeichenprüfer hat sie absolviert. „So etwas gibt es in Syrien nicht." Bei der Ferienspielwoche des Stadtsportverbandes hat sie ebenfalls mitgeholfen. „Die Heimat zu verlassen ist schwer. Ich habe viel überlegt, ob ich hier leben kann oder nicht", erzählt Rehab Alyousef. „Es läuft gut", freut sie sich. Ihre älteste Tochter beginnt zum 1. August eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte, ihr Mann hat Arbeit als Elektriker gefunden. „Ich bin motiviert und habe noch viele Ziele." Am liebsten würde sie wieder als Lehrerin arbeiten. „Das geht jedoch nicht so ohne weiteres", weiß sie. In eine pädagogische Richtung soll es aber schon gehen. Kinderbetreuung im Offenen Ganztag kann sie sich vorstellen. Sprachkurse wären auch eine Option oder sich als Sportausbilder weiterentwickeln. „Ich gucke in alle Richtungen was geht", sagt die 36-Jährige, die dank Führerschein mobil ist. „Man kann gar nicht anders, als dich und deine Familie mit offenen Armen aufnehmen", sagt Tina Koehler und freut sich über die gelungene Premiere. „Ich denke, es ist wichtig, dass beide Seiten wissen, was sie zukommt und langsam in die Aufgaben reinwachsen", unterstreicht die Vorstandssprecherin des Stadtsportverbandes.

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