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Auf neuem Pflaster unterwegs: Die Umgestaltung des Rahdener Kirchplatzes ist weitgehend beendet, die früheren Altstadt-Stuben (r.) sind ebenfalls saniert. Bei der Erneuerung der weiteren Kirchringbebauung hat es nun einen Rückschlag gegeben. - © Joern Spreen-Ledebur
Auf neuem Pflaster unterwegs: Die Umgestaltung des Rahdener Kirchplatzes ist weitgehend beendet, die früheren Altstadt-Stuben (r.) sind ebenfalls saniert. Bei der Erneuerung der weiteren Kirchringbebauung hat es nun einen Rückschlag gegeben. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Bürokratische Hürden: Investoren für den Rahdener Kirchring springen ab

Die historische Bebauung in der Innenstadt sollte eigentlich saniert werden. Doch die Vertreter der heimischen BHL GbR gibt dem Projekt einen Korb.

Joern Spreen-Ledebur
03.06.2019 | Stand 03.06.2019, 19:54 Uhr

Rahden. Auf der Nordseite von St. Johannis stehen einige der ältesten Gebäude Rahdens. Östlich der Kirche sind die früheren Altstadt-Stuben nun saniert, am Wochenende soll die Reinigung hierhin umziehen. Im Obergeschoss sind Wohnungen entstanden. Schön sei das sanierte Fachwerkhaus geworden, sagen viele Rahdener. Sie hofften bislang auch, dass auch die weiteren Gebäude der Kirchringbebauung saniert würden: das Haus Henke, die jetzige Wäscherei und das Haus mit dem früheren Geschäft „Max & Moritz". Auf diese Maßnahmen setzte auch die Stadtverwaltung, die seit Jahren an der Innenstadt-Sanierung arbeitet. Diese Hoffnungen aber sind jetzt erst einmal geplatzt. "Wir steigen definitiv aus" Die BHL GbR, eine heimische Gesellschaft, die die historische Kirchring-Bebauung eigentlich sanieren wollte, hat sich von dem Projekt verabschiedet. „Wir steigen definitiv aus", merkten Vertreter der BHL GbR im Gespräch mit der Neuen Westfälischen an. Als Grund für das Scheitern des Projekts nannte die Gesellschaft die Haltung des Amtes für Denkmalschutz des Landschaftsverbandes (LWL). Zwei Jahre lang sei wegen der Häuser verhandelt worden, die Denkmalschützer hätten Veränderungen an den Gebäuden abgelehnt. Das betreffe etwa den vorderseitigen Giebel der Reinigung; hier gebe es kein Fachwerk, merkte die GbR an. Der aus ihrer Sicht wenig ansehnliche Giebel hätte so erhalten werden müssen. Auch am so genannten „Max & Moritz"-Haus hätte nichts verändert werden dürfen. Bisherige Pläne sahen Fachgeschäft und Gastronomie vor Angesichts der Weigerungen des Denkmalschutzes seien die Planungen für die Sanierung der drei Häuser hinfällig. „Haken hinter", machten die Vertreter der GbR deutlich. „Wir machen nicht mehr. Wir sind raus, das Buch ist zu." Es brauche niemand mehr nachfragen. Das Haus mit der Reinigung und das Haus „Max & Moritz" hatte die BHL GbR bereits gekauft. „Wir hätten beide so schön saniert wie die Altstadt-Stuben." Beide Gebäude stünden nun wieder zum Verkauf und man hoffe auf Interessenten. "Den Mieter hatten wir" In das Haus „Max & Moritz" und die benachbarte jetzige Reinigung hätte nach den Planungen der BHL GbR auf 400 Quadratmetern ein Fachgeschäft für Damenmode einziehen können. „Den Mieter hatten wir." In das Haus Henke wäre Gastronomie eingezogen. Es scheine so dass die Kompromiss-Vorschläge, die der Denkmalschutz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe machte, nicht ausreichten, um aus Sicht der Investoren das Vorhaben wirtschaftlich zu einem Erfolg zu führen, sagte Rahdens Bürgermeister Bert Honsel. „Ich bedaure das." Kompromiss-Vorschläge offenbar nicht ausreichend Vergangene Woche habe es bei einem Treffen mit den Denkmalschützern ein längeres Gespräch gegeben, anschließend dann ein längeres Gespräch auch mit den Investoren. Es habe Kompromissvorschläge gegeben, die aber aus Sicht der Investoren offenbar zu wenig gewesen seien, merkte Bert Honsel an. Eine Sanierung im Bestand würde nach Angaben des Ratsvorsitzenden mit öffentlichen Geldern gefördert. Es ergäben sich bei einer Sanierung auch Steuervergünstigungen. In der Summe von Förderung und Steuervergünstigung müsse eine Sanierung keinesfalls erheblich teurer sein als ein Neubau, so Honsel. „Da hatten wir vorige Woche erste Zahlen diskutiert", verwies Honsel auf den Vergleich einer mit Fördergeld und Steuervergünstigungen verbundenen Sanierung auf der einen Seite und und einem Neubau auf der anderen Seite. Bürgermeister bedauert Rückzug und kündigt neue Initiative an Die Wirtschaftlichkeit wäre bei einer Sanierung der Gebäude aus Sicht der Investoren in der weiteren Nutzbarkeit nicht so wie in einem Neubau, so Honsel. Ein Neubau, so habe es die GbR angedeutet, lasse sich wirtschaftlicher nutzen. Er bedaure den Rückzug der BHL GbR, erklärte der Ratsvorsitzende. Die Stadtverwaltung nehme das als Ansporn um nach neuen Investoren zu suchen. Honsel: „Zeitnah werden wir mit einem potenziellen Mieter Gespräche führen."

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