Warf Blick in Vorzeigeobjekt: Die CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (l.) ins Rahdener Ärztehaus eingeladen. Mediziner Jens Gottfriedsen erläuterte, warum der Umzug in den Neubau für ihn attraktiv war. - © Sonja Rohlfing
Warf Blick in Vorzeigeobjekt: Die CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (l.) ins Rahdener Ärztehaus eingeladen. Mediziner Jens Gottfriedsen erläuterte, warum der Umzug in den Neubau für ihn attraktiv war. | © Sonja Rohlfing

Rahden Minister Laumann zu Besuch im Ärztehaus Rahden: "Landarztquote" soll helfen

Visite: Der NRW-Gesundheitsminister sieht Kommunalpolitiker und Landesregierung in der medizinischen Versorgung gleichermaßen gefordert

Rahden. "Es gilt alle Register zu ziehen, damit ein Dorf nicht ohne Ärzte ist. Wenn man es wie hier anpackt, ist das ein Glücksfall", betonte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gestern bei seinem Rundgang durch das Rahdener Ärztehaus. "Hier hat es gut funktioniert", stellte er in Richtung der Landtagsabgeordneten Bianca Winkelmann aus Pr. Ströhen und des Bürgermeisters Bert Honsel fest. "Der Ärztemangel ist ausgeprägt", betont der CDU-Politiker. "Wir haben in NRW in jedem Jahr 450 Ärzte, die in den Ruhestand gehen, es werden aber nur 200 neue ausgebildet", verdeutlicht er. Dazu werde der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Ärztinnen und Ärzte immer höher. "Wir merken den Ärztemangel in den Dörfern am stärksten." Zwei Drittel der Allgemeinmediziner dort sei über 60 Jahre alt.  Als erstes Bundesland hat NRW darum eine "Landarztquote" beschlossen. Über die Quote werden ab dem Wintersemester 2019 rund 170 Studienplätze für Medizinstudenten reserviert, die sich vertraglich verpflichten, nach Ende ihrer Ausbildung für zehn Jahre in einer "unterversorgten Region" als Hausarzt zu arbeiten. Bei dem Auswahlverfahren wird die Abiturnote geringer gewichtet als sonst bei der Medizinerausbildung. Wichtiger sind Empathie, eine einschlägige Berufsausbildung oder praktische Vorerfahrungen. Zur Ausweitung der Studienkapazitäten hat die Landesregierung außerdem den Aufbau einer medizinischen Fakultät in Bielefeld beschlossen. 2022 soll es dort die ersten Studierenden geben. Bis beide Maßnahmen wirken, wird es allerdings noch dauern. Jens Gottfriedsen, Facharzt mit einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis zusammen mit Sarah Seeger im Ärztehaus, stellte heraus, dass auch das Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle spiele. "Ein attraktiver Arbeitsplatz, bei dem man auch bei technischen Neuerungen schnell dabei ist, das ist die Zukunft", verdeutlicht er. "Das geht nicht in einer Einzelpraxis, das geht hier", unterstrich der Mediziner. Ärztemangel in den Dörfern am stärksten Bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung sieht Laumann die Kommunalpolitiker genauso gefordert wie die Landesregierung. "Wir waren in Rahden Vorreiter. Schon 2014/2015 haben wir eine eigene Ärzteförderung aufgelegt", merkt Bianca Winkelmann an. "Das neue Ärztehaus war fast von der ersten Stunde ausgebucht. Wir haben einen Kardiologen dazubekommen. Das war ein großer Wurf." Ohne Menschen, die sich trauten, gehe es jedoch nicht, betonte die Pr. Ströherin. "Wenn in dem Ort, den ich seit 30 Jahren kenne, etwas passiert, freue ich mich", stellte Carl-Ludwig Schumacher, Investor und Bauunternehmer, als Grund für sein Engagement heraus. Welche Maßnahmen in Zukunft außerdem notwendig sind, um die flächendeckende medizinische Versorgung sicherzustellen, darüber diskutierten Karl-Josef Laumann und Bianca Winkelmann anschließend mit Ärzten, Vertretern des Freundeskreises Krankenhaus Rahden und Sozialpolitikern im Westfalen Hof. Von Rahden ging es für Karl-Josef Laumann weiter nach Espelkamp. Dort besuchte er die Netzwerkkonferenz "Demenz" im Bürgerhaus in Espelkamp. Nach seinem Vortrag "Gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz - Vision oder Illusion?" diskutierte er über Möglichkeiten und Grenzen der Versorgung von Menschen mit Demenz im ländlichen Raum.

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