Rahden Sulinger Kreuz: Neuer Partner ist am Zug

Rahden-Bremen: Das Aktionsbündnis für die Wiederbelebung der Bahnstrecke will mit der Regio Infra Gesellschaft kooperieren. Land NRW möchte die Linie bewerten

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Ende Mai 1994 standen die Rahdener am Bahnsteig 1 und verabschiedeten den letzten Eilzug von Bielefeld nach Bremen. Gut 20 Jahre ist es her, dass dann weite Teile des Sulinger Kreuzes auf Betreiben der Deutschen Bahn AG stillgelegt wurden - und damit die Bahnlinie von Rahden Richtung Bremen. Zwischenzeitlich gab es private Interessenten, aber die konnten sich mit der bundeseigenen DB nicht einigen. In anderen Teilen der Republik werden Bahnstrecken wiederbelebt - für den Güterverkehr, aber vor allem für den Personenverkehr. Darauf setzt auch das Aktionsbündnis Bahnstrecke Bünde-Bassum (AEBB). Dem Verein gehören derzeit 112 Mitglieder an, die Tendenz ist steigend, sagt Detlev Block vom AEBB-Vorstand. Bei seinen Bemühungen zur Wiederbelebung des Sulinger Kreuzes hat das Bündnis nun einen neuen und erfahrenen Partner gefunden. Die AEBB-Mitglieder haben dem Kooperationsvertrag mit der RIG zugestimmt, der Regio Infra GmbH aus Putlitz. Die Regio Infra Gesellschaft sei ein öffentliches Eisenbahninfrastrukturunternehmen mit eigener Infrastruktur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, so Block. Für das Bündnis sei es wichtig, einen Partner an seiner Seite zu haben, der die notwendige Kompetenz und eine Zulassung für die Durchführung von Bahnbetriebsleistungen besitze, merkt Detlev Block an. Die RIG sei ein öffentliches, nicht bundeseigenes Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen, das sich mit der Bereitstellung von regionaler Eisenbahninfrastruktur, deren Betrieb sowie Instandhaltung beschäftige. Zudem sei die RIG auch ein Eisenbahn-Verkehrsunternehmen. Zusammen mit dem neuen Partner möchte das Aktionsbündnis gegenüber der Deutschen Bahn AG auftreten und die Wiederbelebung der Bahnstrecken vorantreiben. "Uns schwebt eine schrittweise Wiederbelebung vor, auch im Tourismusverkehr", sagt Block. Güterverkehr aus den Seehäfen hält er angesichts der eingleisigen Strecke für nicht machbar, wohl aber "Ziel- und Quellverkehr". Erste Gespräche mit möglichen Güterkunden auf westfälischer und niedersächsischer Seite seien geführt worden. Die NRW-Landesregierung möchte sich anders als die Vorgängerregierung mit der Strecke von Rahden Richtung Bremen befassen, gilt die doch als kürzeste Verbindung von Ostwestfalen in Richtung Bremen und Nordsee. Bundeseigener Konzern schweigt zu Versteigerung Die Reaktivierung der Strecke Rahden-Bassum sei zur Bewertung für den kommenden ÖPNV-Bedarfsplan angemeldet worden, teilte das NRW-Verkehrsministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Aufnahme in den Bedarfsplan stelle eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung dar. "Die Strecke liegt im Wesentlichen in Niedersachsen, das NRW-Verkehrsministerium würde die Strecke trotzdem bewerten", heißt es. Die Erstellung des neuen ÖPNV-Bedarfsplans verzögere sich allerdings, da der Vertrag zur Entwicklung der multimodalen Landesverkehrsuntersuchung 2030 inklusive der Erstellung eines ÖPNV-Bedarfsplans gekündigt worden sei. Ursächlich hierfür waren laut Ministerium "unüberbrückbare Differenzen mit dem Auftragnehmer zum methodischen Vorgehen". Auch wenn an einer neuen Ausschreibung gearbeitet und angestrebt werde, möglichst zeitnah einen neuen Auftrag zu vergeben und somit ein neues Landesverkehrsmodell sowie einen neuen ÖPNV-Bedarfsplan zu erhalten, würden die erneute europaweite Ausschreibung, Vergabe und Auftragsbearbeitung zu Verzögerungen im Zeitablauf führen. Wichtige Kriterien innerhalb des standardisierten Bewertungsverfahren sind laut Ministerium etwa Fahrgastzahlen, Reisezeiten, Kosten, die Verlagerungswirkung und die Umweltwirkung. Die Deutsche Bahn AG will übrigens den Ostabschnitt des Sulinger Kreuzes versteigern lassen. Am 21. September soll die Strecke Sulingen-Mellinghausen in Berlin unter den Hammer kommen, das Mindestgebot liegt bei 49.000 Euro. Wie die anderen Strecken des Sulinger Kreuzes ist auch dieser Abschnitt als Bahnstrecke gewidmet. Anfragen der Redaktion zur Versteigerung ignorierte die Deutsche Bahn AG bislang.

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