Damals am Kirchplatz: Idyllisch mutet auf dieser Postkarten-Ansicht der Kirchplatz im Sommer 1914 an. Zwei Kinder stehen vor dem Wohn- und Geschäftshaus der Familie Oppenheim; die Familie gehörte der damaligen jüdischen Gemeinde Rahden an. Seine baulichen Verzierungen hat das Haus, in dem heute die Eisdiele untergebracht ist, verloren. Das benachbarte Fachwerkhaus wurde vor vielen Jahren abgebrochen. - © Foto: Sammlung Hackstedt ||
Damals am Kirchplatz: Idyllisch mutet auf dieser Postkarten-Ansicht der Kirchplatz im Sommer 1914 an. Zwei Kinder stehen vor dem Wohn- und Geschäftshaus der Familie Oppenheim; die Familie gehörte der damaligen jüdischen Gemeinde Rahden an. Seine baulichen Verzierungen hat das Haus, in dem heute die Eisdiele untergebracht ist, verloren. Das benachbarte Fachwerkhaus wurde vor vielen Jahren abgebrochen. | © Foto: Sammlung Hackstedt ||

Rahden Rahdener Kirchplatz ändert sein Gesicht

Die Bauarbeiten auf dem zentralen Platz im Herzen der Stadt beginnen im Oktober und kosten mehr als bisher geplant. Bodenaustausch, neue Bäume und Beratung über Spielgeräte

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Stolz stellten sich zwei Kinder vor die Kamera des Fotografen. Hinter ihnen eine Kleinstadt-Idylle mit Bäumen und Kirche. Das ist 100 Jahre her. Die Kirche steht noch, das von der Familie Oppenheim errichtete Haus, die heutige Eisdiele, ist in vereinfachter Form ebenfalls erhalten. Die Südliche Kirchringbebauung im Herzen Rahdens aber ist schon lange verschwunden. Anfang dieses Jahres fielen auch die Bäume der Allee auf der Südseite von St. Johannis. Laut einem Gutachter waren die derart geschädigt, dass sie keine langfristige Perspektive mehr haben sollten. Seitdem haben die Rahdener einen freien Blick auf die Kirche - den es so über mehrere Jahrhunderte wohl noch nicht gab. Der Kirchplatz soll umgestaltet werden und eigentlich war mal angedacht, dass die Arbeiten im August beginnen. Nun fällt der Startschuss am Montag, 8. Oktober, sagte gestern Bau-Fachbereichsleiter Dieter Drunagel im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Bis Ende Mai kommenden Jahres, so jedenfalls die Planung, soll alles fertig sein. Die Ausschreibung der Platzgestaltung ist erledigt, drei Firmen hatten Angebote abgegeben. Den Zuschlag hat die Baufirma Dallmann aus Bramsche bekommen, merkte Dieter Drunagel an. Mögliche Knochenfunde werden umgebettet Nun brummt auf dem Bau die Konjunktur und das hat für die Stadt Rahden Folgen für die Kosten bei der Umgestaltung des Platzes. Zuletzt waren Baukosten von 963.000 Euro genannt worden - das war schon mehr als früher mal veranschlagt, da das Fällen der Bäume, der Austausch des Bodens und die neuen Bäume zunächst nicht Teil der Planung waren. Nach dem Ende der Ausschreibung gab es nun erneut eine Kostensteigerung. Die Umgestaltung des zentralen Platzes in der Innenstadt soll 1,07 Millionen Euro kosten - rund 100.000 Euro mehr als noch im Frühjahr angenommen. Die Mittel stünden im Wirtschaftsplan zur Verfügung, sagte Dieter Drunagel. "Wir versuchen, für die Mehrkosten noch zusätzliche Zuschüsse zu bekommen." Von Bund und Land erhält die Stadt bekanntlich insgesamt rund 70 Prozent Zuschuss. Beginnen werden die Bauarbeiten am 8. Oktober auf der Ostseite der Johanniskirche in Richtung Gemeindehaus. Das passe auch ganz gut, weil dann an den früheren Altstadtstuben das Baugerüst abgebaut sein werde, sagte Dieter Drunagel. "Danach arbeiten wir uns in Richtung Westen und Gerichtsstraße vor." Auf der Südseite von St. Johannis wird der vorhandene und stark verdichtete Boden rund einen Meter tief ausgekoffert. Hier sollen zwölf Winterlinden gepflanzt werden und sie sollen gute Bedingungen haben - mit dem entsprechenden Baumsubstrat. Auf der Südseite der Kirche bewege man sich im Bereich des früheren Friedhofs. Alle Arbeiten erfolgten deshalb in enger Abstimmung mit der evangelischen Kirchengemeinde und dem Denkmalschutz. Er sei schon etwas neugierig, ob etwas gefunden werde, räumte Drunagel ein. Das sei schon spannend. "Sollten Knochen gefunden werden, würden die natürlich umgebettet." Die neuen Bäume werden dann im Zuge der Bauarbeiten gepflanzt. Auch eine neue Mauer zur Gerichtsstraße hin soll her und die bisherige Mauer ersetzen, die 1989 anlässlich der damaligen Innenstadt-Sanierung errichtet worden war. Die neue Mauer biete auch Sitzgelegenheiten und gehe in Richtung der Zufahrt zur Stadtsparkasse in eine Stufenanlage über, so Drunagel. Ob auf dem Platz in Zukunft auch Spielgeräte stehen, das ist noch nicht endgültig geklärt. Diesen Wunsch gibt es aus Politik und Bürgerschaft. Im Stadtrat habe man sich darauf verständigt, den Platz erst einmal herzurichten und dann zu schauen, "ob, wo und wie er ergänzt werden könnte", erinnerte Drunagel. Aus seiner Sicht würden sich wegen der Aufenthalts-Qualität Spielgeräte anbieten.

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