Übersichtlich: Der rechte Silo ist nach Angaben von Cord Lilie (3. v. r.) noch mit Grassilage aus dem Vorjahr gut gefüllt. Der Silo daneben ist kaum gefüllt - mangels Regen fiel der Grasschnitt miserabel aus. - © Foto: Joern Spreen-Ledebur
Übersichtlich: Der rechte Silo ist nach Angaben von Cord Lilie (3. v. r.) noch mit Grassilage aus dem Vorjahr gut gefüllt. Der Silo daneben ist kaum gefüllt - mangels Regen fiel der Grasschnitt miserabel aus. | © Foto: Joern Spreen-Ledebur

Rahden/Stemwede Landwirte im Nordkreis verbuchen drastische Einbußen bei Ernte

Dürre: Die CDU-Landtagsabgeordnete hört von den Bauern, wie die Politik ihnen nachhaltig helfen kann. Absage an Einmal-Hilfen oder Stundungen von Steuern

Joern Spreen-Ledebur

Rahden/Stemwede. Viele Menschen hoffen auf Regen. Der ist in den vergangenen Monaten Mangelware gewesen und das sieht man auch in der Natur. Aus Grün wurden Brauntöne, Mais und Getreide standen oder stehen schlecht - vor allem auf sandigen Böden wie im Nordkreis. Die Dürre der vergangenen Monate hat Folgen. Welche Auswirkungen es gibt und wie den Landwirten geholfen werden kann - darüber informierten der Haldemer Landwirt Cord Lilie sowie Joachim Schmedt, Frank Schmidt und Klaus-Günther Huebert vom Landwirtschaftlichen Kreisverband gestern die CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und den stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden Oliver Vogt. Cord Lilie bewirtschaftet in Haldem einen Hof mit 250 Kühen und 25 Kälbern. Körnermais werde es kaum geben, der aber sei wichtig als Futter, merkte Winkelmann an. "Welchen Ersatz gibt es?" Mais könne zugekauft werden, aber die Qualität sei schlecht, sagte Cord Lilie. Beim Mais gebe es Ausfälle von rund 30 Prozent. "Da sind auch Totalausfälle dabei - in Spitzenflächen acht statt 40 Tonnen je Hektar", ergänzte Joachim Schmedt. Schlecht sieht es auch beim Getreide aus. Auf seinen Flächen hat Schmedt in Spitzenjahren insgesamt 520 Tonnen geerntet, in diesem Jahr waren es nur 315 Tonnen. Zustände beim Gras "katastrophal" Als "katastrophal" bezeichnet Cord Lilie die Zustände beim Gras. Ein Schnitt war gut, dann gab es einen schlechten. Bleibt es so trocken, dann könnte neben dem dritten und dem vierten auch der fünfte Schnitt ausfallen. Er baue zu 30 Prozent Rotklee an, der sei Eiweißträger, sagte Lilie. Angesichts der Dürre werde deshalb Eiweiß zugekauft werden müssen. Landwirte sollten mehr Geld für Getreide bekommen, meinte Winkelmann. Im Gegenzug aber müsse deutlich mehr Geld für den Zukauf von Futter verwendet werden. Bauern forderten Hilfen erst dann, wenn es nicht mehr anders gehe, so die Politikerin aus Pr. Ströhen. Wie die Politik helfen könne, fragte sie. "Die Bauern stöhnen viel und das hängt uns nach", sagte Schmedt. Die Situation dieses Jahr sei besonders, komme nur alle 30 bis 40 Jahre vor. Auf schlechte Preise könne man sich einstellen - und auch auf Ernteausfälle wegen Dürre. Man kümmere sich um Futter für die Tiere, so Schmedt. Landwirte seien Unternehmer und trügen ein unternehmerisches Risiko. Helfen würde aus Sicht von Lilie, Schmedt und Huebert aber die Möglichkeit, steuerfreie Rücklagen für schlechte Zeiten bilden zu können. Das sei nachhaltig und langfristig, machten die Landwirte deutlich. Vom Ruf nach Hilfen des Bundes durch den Bauernverband halten die Landwirte aus dem Nordkreis eher wenig. Auch die Stundung von Zinsen oder Steuern sei nicht nachhaltig. Eine Stärkung des Milchmarktes sehen die Landwirte schon erreicht, wenn die Politik die Kosten nicht weiter hochtreibe und wenn es weniger Bürokratie gebe. Andere Branchen hätten auch Probleme, aber die Landwirte erzeugten die Nahrungsmittel, merkte Bianca Winkelmann an. "Das vergessen manche beim Blick in den vollen Kühlschrank."

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