Sorgsame Handarbeit: Assistiert von Matthias Kopka vom Rahdener Bauhof, verlegte Gunter Demnig an der Rahdener Marktstraße die ersten Stolpersteine. Viele Rahdener waren dabei, manche filmten das Verlegen auch. - © Joern Spreen-Ledebur
Sorgsame Handarbeit: Assistiert von Matthias Kopka vom Rahdener Bauhof, verlegte Gunter Demnig an der Rahdener Marktstraße die ersten Stolpersteine. Viele Rahdener waren dabei, manche filmten das Verlegen auch. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Stolpersteine erinnern an ermordete jüdische Mitbürger in Rahden

Projekt: Rahden ist die erste Kommune im Lübbecker Land, in der Stolpersteine an die ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern. Viele Bürger verfolgten die Aktion

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Schüler nannten die Namen und legten Blumen nieder, Harald Scheurenberg von der jüdischen Gemeinde Minden sprach das Totengebet. Auf Deutsch. Für einen Moment war es trotz der großen Zahl von Bürgern mucksmäuschenstill: Viele Rahdener haben am Freitag der von den Nazis ermordeten Bürger jüdischen Glaubens gedacht. Und diese Erinnerung an die Rahdener jüdischen Glaubens ist nun dauerhaft in der Innenstadt präsent. Rahden ist die erste Kommune im Lübbecker Land, in der Stolpersteine an die Mitbürger erinnern, die ihres Glaubens wegen von den Nationalsozialisten umgebracht worden waren. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. In vielen Orten hat Demnig die Steine bereits verlegt. Zu finden sind sie vor Häusern, in denen einst Bürger jüdischen Glaubens lebten. Die Steine nennen die Namen und Lebensdaten. Sie geben eine kurze Information zum Schicksal der Menschen. Deportiert nach Treblinka, Minsk oder in andere Todeslager - das ist auch auf den Steinen zu lesen, die Gunter Demnig in Rahden verlegte. Rahden habe durch die Nazi-Zeit eine bedeutende jüdische Gemeinde verloren, wie Monika Büntemeyer vom Arbeitskreis jüdisches Leben in Rahden anmerkte. An sie und ihr Schicksal zu erinnern, das sei eine Aufgabe der Deutschen für alle Zeiten. Die Stolpersteine befänden sich an den Stellen, "wo die Gepeinigten mitten unter uns wohnten". An der Marktstraße etwa, wo das so genannte "Judenhaus" stand, das einst der Familie Ginsberg gehörte. Die verkaufte das Haus später an den Sattler Wilhelm Bredenkötter, und der wiederum verkaufte das kleine Haus 1956 an die Eltern von Edith Stöver. Das Gebäude sei ihr Zuhause gewesen, und erst später habe man sich gefragt, wer hier früher gewohnt habe, so Stöver. Sie erinnerte an Moritz Ginsbergs Frau, die vor 1933 wie alle Rahdener jüdischen Glaubens fester Bestandteil der Gesellschaft war. 1933 habe sich das geändert. In der Bäckerei gegenüber habe ein Schild im Fenster gehangen, "Juden werden hier nicht bedient." Die Bäckersfrau und Frau Ginsberg hätten sich weinend in den Armen gelegen, zitierte Stöver aus dem Bericht einer Zeitzeugin. Vom so genannten "Judenhaus" aus wurden die dort zwangsweise untergebrachten letzten Rahdener jüdischen Glaubens in die Vernichtungslager deportiert. So wie die Familie Frank. Am Standort von deren ehemaligem Haus liegen nun ebenfalls Stolpersteine. An Familie Frank erinnerten Schüler. Als 1938 die Synagoge niedergebrannt wurde, seien die Nazis auch zum Haus Frank gekommen. Der Nachbar Julius Kaiser sei herausgekommen und habe deutlich gemacht, dass "hier nichts angesteckt wird". Von der Familie Frank, die ebenso geachtet war wie die anderen jüdischen Familien im Ort, kehrten nach dem Krieg nur Richard Frank und sein Sohn Hans zurück. Man brauche die Stolpersteine, weil sie an Verbrechen der Nazis erinnerten, die mitten in der Stadt stattfanden, sagte Bürgermeister Bert Honsel. 70 Jahre sei es nun her, dass der NS-Terror beendet worden sei. Rat und Verwaltung dankten Demnig für sein Projekt, so Honsel. Harald Scheurenberg dankte allen, die das Projekt in Rahden vorbereiteten. Wichtig sei, dass "die Nazis nicht gewonnen haben". Es werde nicht verschwiegen. "Diese Menschen haben hier gelebt und haben einen Namen", sagte er mit Blick auf die Steine. ¦ Seite Rahden

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