Engagiert: Auch Jugendliche aus der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums bringen sich beim Stolperstein-Vortrag und bei der Verlegung der Steine ein. - © Joern Spreen-Ledebur
Engagiert: Auch Jugendliche aus der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums bringen sich beim Stolperstein-Vortrag und bei der Verlegung der Steine ein. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Jugendliche engagieren sich für Stolpersteine

Erinnerung: Künstler Gunter Demnig stellt in Rahden das Stolperstein-Konzept vor und wird die ersten Exponate selbst verlegen

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Seit Jahren erinnert ein Gedenkstein am Rathaus-Parkplatz an die frühere Rahdener Synagoge. Nun soll die Erinnerung an die einstigen Rahdener jüdischen Glaubens im Stadtbild stärker präsent sein, die ersten Stolpersteine werden verlegt. Die Stolpersteine, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, gibt es bereits in vielen Orten. Die kleinen Steine werden in das Pflaster vor Häusern eingesetzt, in denen einst Bürger jüdischen Glaubens lebten, die von den Nazis deportiert wurden. Die Steine nennen Namen, Geburts- und Sterbedaten und geben einen Hinweis auf die Deportation. Für die Verlegung von Stolpersteinen hatte sich der Arbeitskreis jüdisches Leben in Rahden engagiert, die Kosten für die Steine werden von Bürgern und Institutionen übernommen. Je einen Stein spendeten auch die Hauptschule und die Realschule Rahden sowie der Abitur-Jahrgang 2015 des Gymnasiums Rahden. Gunter Demnig wird am Donnerstag, 26. November, ab 19 Uhr in der Aula der Hauptschule das Stolperstein-Projekt vorstellen. Schüler des Zusatz-Kurses Geschichte des Gymnasiums um Michael Streich werden einleitende Worte sprechen und für die musikalische Umrahmung sorgen. Zudem haben Schüler Plakate entwickelt, die auf die Veranstaltung am Donnerstag hinweisen. Zum Vortrag und der Stein-Verlegung sind alle Interessierten eingeladen, so Monika Büntemeyer vom Arbeitskreis. Am Freitag, 27. November, wird Gunter Demnig ab 8.45 Uhr an der Marktstraße 20 und 22 die ersten Steine verlegen, anschließend dann an der Ecke Lemförder Straße/Steinstraße. Dort wohnte einst die Familie von Richard Frank. Mit deren Geschichte haben sich Schüler der Klasse 10 B der Hauptschule befasst und werden die Stein-Verlegung mit Texten begleiten. Franks Kinder Hans und Günter seien in ihrem Alter gewesen und das habe sie sehr betroffen gemacht, berichteten die Jugendlichen gestern. Die Familie Frank sei von Rahden nach Bremen gezogen - in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Von dort wurde sie aber deportiert; Günter wurde in Minsk ermordet. Richard und Hans Frank seien aus dem Konzentrationslager Flossenbürg befreit worden. Ursula Ester-Hartke hatte in den 1990er Jahren gemeinsam mit Hauptschülern nach Spuren der früheren jüdischen Gemeinde Rahden gesucht und das inzwischen vergriffene Buch "Sie lebten mitten unter uns" veröffentlicht. In ein, zwei Jahren werde es angesichts der Nachfrage eine neue Auflage geben, kündigte Ester-Hartke an. Es gebe schließlich auch neue Erkenntnisse.

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