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Martin Siekerkotte (l.) tropft den ausgepressten Pflanzensaft in ein Messgerät, das Guido Perrevoort bereithält. - © Ingrun Waschneck
Martin Siekerkotte (l.) tropft den ausgepressten Pflanzensaft in ein Messgerät, das Guido Perrevoort bereithält. | © Ingrun Waschneck

Pr. Oldendorf Dünger: Landwirte greifen auf Althergebrachtes zurück

Immer mehr Landwirte suchen neue Wege, um chemischen Dünger auf ihren Feldern zu reduzieren. Dabei greifen sie auch auf althergebrachte Methoden zurück.

Ingrun Waschneck
23.05.2019 | Stand 28.05.2019, 17:37 Uhr

Pr. Oldendorf-Getmold. „Was kann man im Boden verändern, um langfristig mit weniger Pflanzenschutzmitteln auszukommen", beschreibt Torsten Lange den Inhalt des Seminars, das auf seinem Hof stattfindet. Neben ihm sind weitere 21 Landwirte und Berater gekommen, die ebenfalls auf ihren Höfen neue Wege gehen möchten, um neue Ansätze für das Zusammenwirken von Pflanzen, Boden und Tieren zu erfahren. „Der Kurs, den Sonja Dreymann und Martin Beck leiten, setzt sich aus vier Modulen zusammen", sagt Lange. Dabei gehe es in Theorie und Praxis um Themen wie Bodenprozesse, Fruchtfolgen, Unkräuter und Humusaufbau. „Als Teil des dritten Moduls haben wir heute Morgen gegen zehn Uhr auf einem Triticalefeld verschiedene Flüssigkeiten wie Wasser, Heu-Tee, Milch und Kompost-Tee auf kleinen Flächen gegossen", erklärt Lange. Gegen 14 Uhr hätten sie Getreidebündel auf den 18 Versuchsflächen geschnitten, die jetzt nacheinander auf den pH-Wert, den Zuckergehalt, die Leitfähigkeit und den Nitratgehalt untersucht werden. Mit Küchenschere, Mörser und Knoblauchpresse Die Männer stehen in mehreren Gruppen um kleine Tische, schneiden die Halme mit Küchenscheren in kurze Stückchen, um dann mithilfe von Mörsern den Pflanzensaft daraus zu gewinnen. Auch Knoblauchpressen sind im Einsatz, hier stopfen sie die Blätter hinein und pressen sie aus. Der gewonnene Pflanzensaft wird mit einer Pipette in fünf unterschiedliche Messgeräte getropft. Schon kurz darauf lesen die Landwirte die Werte ab und tragen sie zur späteren Auswertung in Tabellen ein. Selbst ungeliebte Blattläuse machen sich nützlich Nicht nur die Bodenanalyse, auch sogenannte Begleitkräuter geben den Landwirten Auskunft über den Zustand des Bodens. „Kornblumen zeigen Magnesiummangel und Kalziumüberschuss an", sagt Torsten Lange. Weißer Gänsefuß wachse bei Kaliumüberschuss. Selbst die ungeliebten Blattläuse machten sich nützlich und verrieten, dass der pH-Wert im Boden zu hoch ist. „Es ist ein bisschen ,Back to the roots‘", sagt Teilnehmer Lars Bunge aus Stemwede-Twiehausen. Schon in den Büchern der Großväter hätte viel zum natürlichen Umgang mit dem Boden und Pflanzen gestanden. Dann sei die chemischen Industrie immer weiter in den Vordergrund gerückt. „Erst chemisch düngen, dann chemisch regulieren", fasst Bunge zusammen. Dadurch seien aber auch Probleme entstanden. Er besucht das Seminar, weil er gutes Grundfutter für seine Kühe mit möglichst wenig chemischen Hilfen erzeugen möchte. Schon mit einfachen Mitteln viel verändern Guido Perrevoort ist aus Düsseldorf angereist. „Ich betreibe eine konventionelle Landwirtschaft, möchte aber andere Wege gehen", sagt er. Sein Ziel sei es, langfristig auf ökologische Landwirtschaft umzustellen, „hier lerne ich, dass sich schon mit einfachen Mitteln viel verändern lässt." Nach Abschluss seines Studiums steigt Jörn Ahlers-Wicke aus dem Kreis Diepholz nun in den elterlichen Betrieb ein. „Durch Beobachtung und angepasste Düngung möchte ich Pflanzenschutzmittel ersetzen, um mich auch dadurch den Herausforderungen der Zukunft zu stellen", sagt der junge Landwirt. „Wir müssen mehr Ökologie in die Landwirtschaft bringen", betont Götz Schumacher aus dem niedersächsischen Springe. Seine Töchter studierten Agrarwissenschaften, hinterfragten viel und so setze er sich noch mehr mit dem Thema auseinander. „Sie haben einen anderen Blick auf die Praxis, müssen mit den heutigen Gegebenheiten umgehen", so der Landwirt. „Wir müssen aus den Fesseln der chemischen Industrie, damit Erde, Tier und Pflanze wieder ins Gleichgewicht kommen." Konventionelle und ökologische Landwirtschaft kombinieren Das müsse aber auch politisch und gesellschaftlich gewollt sein. Den Weg sieht Schumacher in einer Kombination aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft – „der Hybrid-Landwirtschaft".

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