Das Glück der Erde: Der vierjährigen Miriam macht das Reiten sichtlich Spaß. Indianerin Marion Thiveßen führt das Pferd. Gemeinsam mit Charlotte Cieszynski kam sie aus Mönchengladbach zum Sommerfest nach Getmold. Fotos: Imme Lohmeyer-Lorek|| - © Imme Lohmeyer-Lorek
Das Glück der Erde: Der vierjährigen Miriam macht das Reiten sichtlich Spaß. Indianerin Marion Thiveßen führt das Pferd. Gemeinsam mit Charlotte Cieszynski kam sie aus Mönchengladbach zum Sommerfest nach Getmold. Fotos: Imme Lohmeyer-Lorek|| | © Imme Lohmeyer-Lorek

Pr. Oldendorf Sommerfest auf dem Hof Pape: "Wir brauchen Nähe"

Kinder, Gesunde und Kranke feiern gemeinsam ein friedliches Sommerfest. Ernste Gespräche mischen sich mit ausgelassenem Lachen

Imme Lohmeyer-Lorek

Pr. Oldendorf-Getmold. Lächelnd blickt Bernd R. den Pferden auf der Reitbahn hinterher. "Als Kind bin ich auch mal geritten", sagt er. Dann habe er erst wieder auf einem Pferderücken gesessen, als er regelmäßig den Hof Pape in Getmold besuchte. "Das war toll", sagt der 62-Jährige, bei dem 2011 Krebs diagnostiziert wurde. Bernd R. kommt regelmäßig zu Familie Pape. Er genießt es auch, auf dem bunten Sommerfest dabei zu sein. Er könne hier mit Leuten reden, wenn es ihm schlecht ginge. Oder anderen Krebskranken Ratschläge geben, so der Pr. Oldendorfer, der als austherapiert galt. Leid und Freude können auf dem Hof Pape ungehindert nebeneinander existieren. Die Stimmung beim Sommerfest ist ausgelassen. Kinder toben auf der Hüpfburg, lassen sich schminken oder suchen ihr Glück auf dem Pferderücken. Auch Kutschfahrten werden angeboten, wovon viele Gäste Gebrauch machen. Ponytrainerin Isabelle Könnicker aus Bielefeld führt ihren Fuchs in allen Gangarten und bei Dressurfiguren zur Filmmusik von "Spiel mir das Lied vom Tod" vor. Kutschfahrten und Indianergeschichten am Wigwam Fast könnte man meinen, man wäre im Wilden Westen, wenn Marion Thiveßen und Charlotte Cieszynski aus Mönchengladbach, als Indianerinnen verkleidet, die Pferde mit den Kindern anführen oder Uwe Klinge aus Garbsen Indianergeschichten am Wigwam erzählt. Bernd R. genießt den Trubel. "Mir ist noch Zeit geschenkt worden", sagt der Krebspatient. Dank einer speziellen Behandlungsmethode an der Uniklinik in Münster seien seine Werte wesentlich besser. Aber er ist nicht der einzige Kranke auf dem Hof und auf dem Sommerfest. Frank Pape heißt mit seiner Frau Nicole alle Menschen in schweren Lebenslagen willkommen: Austherapierte, Missbrauchs- und Folteropfer, Attentatsüberlebende, Trauernde und Sterbende. So weit sie können, sind sie auf dem Sommerfest dabei, haben beim Aufbau geholfen, kaufen Lose bei der Tombola oder stärken sich am Grill. "In einer von Distanz geprägten Gesellschaft brauchen wir Nähe", so Notfallseelsorger und Buchautor Frank Pape. Selbst durch den Verlust seiner Tochter geprägt, hat er keine Angst vor den Themen Sterben und Tod. Einige Gäste wippen zur Country-Musik von Jannet Bodewes und Henkjan van der Hoek, bekannt als JB Acoustic, mit den Füßen oder machen beim Hufeisenwerfen mit. CDU-Politikerin Bianca Winkelmann hält ein Grußwort. Es ist ein friedliches Miteinander mit ernsten Gesprächen und ausgelassenem Lachen sowie vielen Gästen aus Nah und Fern.

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