Für die jungen Damen: Die Teilnehmerinnen eines Nähkurses der Firma Pfaff um 1920 vor der Gaststätte Stukemeyer in Börninghausen. || - © Stadtarchiv Pr. Oldendorf
Für die jungen Damen: Die Teilnehmerinnen eines Nähkurses der Firma Pfaff um 1920 vor der Gaststätte Stukemeyer in Börninghausen. || | © Stadtarchiv Pr. Oldendorf

Pr. Oldendorf 1.025 Jahre Börninghausen: Der Alltag im Eggetal vor rund 100 Jahren

Letzter Teil: Von der Zigarrenherstellung bis zur Einweihung des Freibads

Sandra Spieker-Beutler

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Das Eggetal vor rund 100 Jahren: Es war die Zeit unserer (Ur-)Großeltern. Eine alte Zeit, die nicht immer nur gut war, sondern auch entbehrungsreich. Es war die Zeit, als die Zigarrenherstellung ein bedeutender Wirtschaftszweig im Eggetal war. Damals gab es kaum ein Haus, in dem nicht das damals beliebte Genussmittel hergestellt wurde. Da Arbeiter oft größere Entfernungen zu Fuß und in Holzschuhen zurücklegen mussten, gründeten immer mehr Zigarrenfirmen aus Bünde etwa Filialen auf den Dörfern - so auch in Börninghausen. Die erste Filiale richtete die Firma Steinmeister und Wellensiek im Jahr 1859 im Hause Brockmann ein. Weitere folgten etwa bei Diekmann (später: Lebensmittelgeschäft Hölscher), Aschemeyer/Vortmeyer (später: Pension Immenheim) oder Hampe (später: Bäckerei Hans Kampmann). Damals war die Badeanstalt eine Attraktion: Sie befand sich auf der Pfarrwiese im Bullensiek nahe der alten Turnhalle. Das Becken wurde 1936 mit zahlreichen Besuchern und Amtsbürgermeister Hohmeyer eingeweiht. Das Wasser wurde aus dem Mühlenbach entnommen und durch Filterkammern gereinigt. Zigarrenarbeiter Heinrich Rabe war erster Bademeister mit der Maßgabe: "Er muss binnen sechs Wochen schwimmen lernen." Für kurze Zeit war das Turnen hoch im Kurs: Aus den Reihen des Gesangsvereins gründeten 20 junge Eggetaler 1911 einen eigenen Turnverein. Geräte gab es damals nicht. Mit Hilfe von Zuschüssen des Landrates in Lübbecke konnte später aber ein Reck mit einer Kokosmatte angeschafft werden. Auf der Deele des alten Pfarrhauses fanden die Übungsabende statt. Doch wegen der hohen Anforderungen lichteten sich die Reihen. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die Turnriegen galten in der Umgebung als Garanten für hervorragende Leistungen und brachten viele Urkunden mit nach Hause. Später nahmen die Turner auch noch Leichtathletik mit ins Programm auf. Auch eine Laienspielgruppe gründete sich aus dem Kreis heraus. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrten die aktiven Turner aber nicht mehr heim, der Turnverein war somit Geschichte. Einen hohen Stellenwert hatte lange Zeit der Kriegerverein, später Kyffhäuser-Kameradschaft, mit der Gründung 1896 einer der ältesten Vereine im Eggetal. Seit 1919 war es dem Verein das höchste Anliegen, ein Ehrenmal für die verstorbenen und vermissten Kameraden des letzten Krieges zu bauen. Es konnte 1923 einweiht werden. Die Blaskapelle des Kriegervereins trat nicht nur im Eggetal, sondern auch beim Blasheimer Markt auf. Die Kyffhäuser-Kameradschaft löste sich 2013 auf.

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