Mit Leine: Walter Jäcker und sein Jagdhund. Foto: Teresa Kröger - © Teresa Kröger
Mit Leine: Walter Jäcker und sein Jagdhund. Foto: Teresa Kröger | © Teresa Kröger

Pr. Oldendorf Immer wieder Beschwerden über Hunde, die Wildtiere hetzen

Im Landeshundegesetz gelten Hunde dadurch als „gefährlich“

Pr. Oldendorf-Börninghausen/Lübbecker Land. Im Eggetal gibt es zahlreiche Hundebesitzer. Vom Dackel bis zum Irischen Wolfshund sind alle möglichen Rassen vertreten. Die meisten Halter führen ihren Hund auch außerhalb der Brut- und Setzzeit an der Leine. Aber nicht alle. Und von denen haben nicht alle ihr Tier unter Kontrolle. Unlängst jagte ein Hovawart hinter einem Reh her. Zwei Tage später beobachtete eine Anwohnerin, wie ein großer schwarz-brauner Hund ein junges Rebhuhn über ein Stoppelfeld hetzte. Die Jagd endete vor einem Zaun. „Ich habe den Hund angebrüllt, worauf er vom Rebhuhn abließ", berichtet sie. Der Hund sei daraufhin zum Besitzer zurückgelaufen, der sich jedoch weit außerhalb der Rufweite befunden habe. Das Rebhuhn habe, bis auf ein paar ausgerissene Federn, glücklicherweise überlebt. „Das Thema Hundeleine ist jedes Jahr erneut aktuell", sagt Walter Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke. Solche Situationen gebe es täglich in der Landschaft. Viele Hundehalter hielten es offensichtlich für das Sinnbild ihres Rechts auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, wenn der Hund ohne Leine überall herumliefe. „Nicht selten hören wir auch ,Der tut nichts‘ oder ,Der ist ja für Hase und Reh nicht schnell genug!‘", berichtet er. "Der tut nichts" Dass Hase und Reh bei ihrer Flucht viel Energie verbräuchten und auch in ihren schattigen Ruhezonen in Feldgehölzen oder im Wald abseits der Wege gestört würden – und das bei der Hitze – „komme vielen uneinsichtigen Mitbürgern gar nicht in den Sinn", so Jäcker. „Beschwerden über freilaufende Hunde bekommen wir auch immer wieder", sagt Erik Pollert vom Fachbereich Ordnung und Soziales bei der Stadt Pr. Oldendorf. Es werde zunächst Kontakt mit dem Halter aufgenommen und habe auch schon Überprüfungen in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt gegeben, ob eine Eignung zur Haltung des Hundes gegeben sei. „Das Landeshundegesetz gilt auch in Pr. Oldendorf", so der Fachbereichsleiter. In der Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet der Stadt Pr. Oldendorf heiße es in Paragraf 5 unter anderem „Wer auf Verkehrsflächen oder in Anlagen Tiere ... mit sich führt, hat dafür zu sorgen, dass sie Personen und Sachen nicht gefährden sowie die Verkehrsflächen und Anlagen nicht beschmutzen." »Verscheuchen des Hundes ist vorzuziehen« Das Landesjagdgesetz regelt unter anderem den Schutz des Wildes vor wildernden Hunden. Jagdschutzberechtigte seien befugt, einen wildernden Hund abzuschießen, wenn dieser Wild tötet oder erkennbar hetzt und in der Lage ist, dieses zu beißen oder zu reißen. „Allerdings ist es selbstverständlich, dass dies stets die letzte aller denkbaren Maßnahmen ist", heißt es in der Informationen weiter. Das Verscheuchen oder das Einfangen des Hundes sowie ein Gespräch mit dem Hundehalter seien vorzuziehen. „Gemäß Landesjagdgesetz ist das unbeaufsichtigte Laufenlassen von Hunden und Katzen eine Ordnungswidrigkeit. Jagdschutzberechtigte dürfen solche Hundehalter anhalten, deren Personalien feststellen und sie anzeigen." Kommentare Pro und Kontra Leinenpflicht Pro: Hunde gehören an die Leine. Ihr Jagdinstinkt macht sie unberechenbar. Gerade im Wald ist es wahrscheinlich, dass die Vierbeiner ein potenzielles Beutetier entdecken – und schon sind sie verschwunden. Ist es erst so weit gekommen, lassen sich Hunde kaum mehr zurückrufen. Selbst wenn Herrchen oder Frauchen behaupten, dass das Tier „nichts tut", weiß man nie, wie es in einer solchen Situation tatsächlich reagiert. Dabei muss der „beste Freund des Menschen" nicht mal zubeißen. Allein die Hetzjagd bedeutet für das Fluchttier wie Hase, Reh und Co. bereits großen psychischen Stress. Auch ein Jogger kann schnell mit einem Beutetier verwechselt werden. Schmerzhafte und entzündete Wadenbisse, von denen der Sportler noch lange etwas hat, können die Konsequenz sein. Doch nicht nur für Menschen besteht eine Gefahr, sondern auch für die Hunde selbst. Wenn der Vierbeiner während eines Spaziergangs ausbüxt und auf eine nahegelegene Straße läuft, kann das schnell tödlich enden. Oder ein wesentlich stärkeres Wildschwein setzt sich zur Wehr. Schwere Verletzungen sind dann die Folge. Beides Situationen, die Hundebesitzer ungern gedanklich durchspielen wollen. Daher ist es immer sinnvoller, sein Tier vor sich selbst und anderen zu schützen, indem man es beim Spaziergang an der Leine führt. melissa.petring@nw.de Kontra: Viele Argumente Hunde in bestimmten Situationen und an bestimmten Orten anzuleinen, etwa in der Stadt, sind gut und richtig. Was mich allerdings erheblich stört, ist der Eindruck, dass besonders Hundebesitzer in den Würgegriff von Staat und Gesellschaft genommen werden. Wir müssen unseren Hund anmelden und für ihn Steuern zahlen, wir lassen ihn mittels implantierten Chip registrieren, wir haben ihm beigebracht zu gehorchen, wir bringen ihn regelmäßig zum Impfen zum Tierarzt und sammeln auch noch seine Hinterlassenschaft ein – selbst am Rand von Feldwegen. Was bitte noch? Ja, ja, der Jagdinstinkt. Stimmt, es gibt Momente – tapsige Kinderschritte, Jogger, Feldhasen – in denen unser Idefix Anstalten macht, loszujagen. Wir leinen ihn dann vorsichtshalber an. Das sagt einem schon die Vernunft, dafür brauchen wir keine Vorschrift und erst recht kein Gesetz. Am meisten ärgere ich mich über die Forderung, Hunde im Feld oder im Wald anzuleinen. Nicht dass noch ein Rebhuhn aufgeschreckt wird. Wer so argumentiert, soll bitte auch frei laufende Katzen anleinen und alle Bären, Wölfe und Luchse abschießen lassen, damit den Rehen nichts passiert. Wo ausgewiesene Freilaufplätze für Hunde fehlen oder nicht möglich sind, muss trotzdem ein gewisses Maß an Freiheit sein. Leinenzwang, nein danke.  frank.hartmann@nw.de

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