Schulleben Anfang der 2010er: Eine erste Klasse in der Grundschule Börninghausen mit ihrer Lehrerin Annegret Schramm. - © Foto: Hans-Günther Meyer||
Schulleben Anfang der 2010er: Eine erste Klasse in der Grundschule Börninghausen mit ihrer Lehrerin Annegret Schramm. | © Foto: Hans-Günther Meyer||

Pr. Oldendorf 1.025 Jahre Börninghausen: Eggetaler kämpften schon immer für ihre Schulen

7. Teil: Vor drei Jahren schloss die Grundschule ihre Pforten. Eine bewegte Schulgeschichte im Ort ging damit zu Ende

Sandra Spieker-Beutler

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Hier tobte das Leben. Sie war Mittelpunkt des Ortes: die Börninghauser Grundschule. Im Sommer 2015 wurde sie geschlossen, für viele überraschend, für einige nicht. Auch mehr als 1.000 im Eggetal gesammelte Unterschriften konnten das Ende nicht abwenden. Eine Schule mit einem freien Träger ließ sich trotz des Engagements aus der Elternschaft nicht realisieren. Die Schulgeschichte im Eggetal ist eine bewegte Geschichte. Eltern kämpften schon damals um ihre Schule im Ort. Und die war zeitweise die am besten ausgestattete Einrichtung im Umkreis. Die Schulpflicht wurde vom Staat erst 1717 verordnet. Über die erste Schule oder die Anfänge des Schulbetriebs weiß man wenig, heißt es in der Börninghauser Chronik "Unsere Heimat - das Eggetal". Die älteste Aufzeichnung stammt aus einer Börninghauser Kirchen-Matrikel über das "Amt des Kantors, Küsters und Schulmeisters". Diese drei Ämter oblagen einer Person: Als "Schulmeister" fungierte im 18. Jahrhundert auch in Börninghausen der Kantor/Küster. Er unterrichtete in seiner Stube. Bezahlt wurde er in Naturalien: Brot, Flachs, Roggen. Pro schulpflichtigem Kind hatte man dem Küster zu Ostern etwa zwölf Eier zu liefern, später waren es 3,50 Mark pro Jahr und Kind. Zum Schulmaterial gehörten damals die lutherische Bibel und das Neue Testament. 100 Feuerstätten in Börninghausen Die Einwohnerzahl zu der Zeit war deutlich kleiner: Das Kirchspiel hatte 100 sogenannte Feuerstätten (Häuser): in Börninghausen 52, auf dem Balkenkamp 10, in Einighausen 40 und in Büscherheide 8. Wann das erste Schulgebäude errichtet wurde, ist nicht festgehalten. Im Jahr 1844 soll ein altes Schulhaus abgerissen und an dessen Stelle ein neues, größeres gebaut worden sein. Über die Kinder aus der hannoverschen Bauerschaft Büscherheide wurde berichtet, dass sie die Schule in Barkhausen besuchten. Doch hier wurde der Schulbetrieb Anfang des 19. Jahrhunderts eingestellt, weil - angeblich - im Wald zwischen Büscherheide und Barkhausen Wölfe Kinder angefallen hätten. Ein Schäfer soll in einer kleinen Behausung lange Zeit Kinder unterrichtet haben - bis sie dann auch nach Börninghausen zur Schule gingen. Im Jahr 1889 wurde die Eininghauser Schule gebaut. Die Schulbehörde war damals der Pastor. Die Namen der Schulmeister, die in den Aufzeichnungen genannt werden, sind Sprengepiel, Nolting, Vahle, Nötting, Hempell, Ostermann, Großewortmann. Ein neues Gesetz schloss 1908 Börninghausen und Eininghausen mit Büscherheide zu einem Schulverbund mit mehr als 200 Schülern zusammen. Dann kam der Krieg. Es fand kein geregelter Unterricht statt. Die Lehrer wurden zum Heer einberufen, es gab kurzfristige Vertretungen und zwischendurch auch mal gar keinen Lehrer mehr an der Schule. Ferien wurden oft ausgedehnt, weil die Kinder etwa bei der Kartoffelernte helfen mussten. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Schülerzahl auf 220. Betont wird damals die Eigeninitiative von Schülern und Lehrern, zum Beispiel durch fleißiges Suchen von Bickbeeren und deren Verkauf, den schmalen Lehrmitteletat aufzubessern. So gehörte die Börninghauser Schule einst zu den am besten ausgestatteten Schulen im Kreis. Nach dem Krieg stieg die Schülerzahl auf 220 Das Schulgrundstück wurde 1937 durch den Kauf einer Wiese vergrößert. Es entstand ein größerer Spiel- und Sportplatz für Schulwettkämpfe. Im Kriegsjahr 1945 wuchs die Schülerzahl auf über 260 an - durch die Evakuierung der Menschen aus bombenbedrohten Gebieten. Familien aus Aachen und Gelsenkirchen kamen nach Börninghausen. Nach Ende des Krieges erreichte die Schülerzahl die 300er-Marke. Aus Platznot wurde der Bühnenraum der alten Turnhalle zum Klassenraum umfunktioniert. Auch auf die Kirche wurde ausgewichen. Nachmittagsunterricht gehörte dazu - oder auch das Unkrautjäten auf den Getreidefeldern. So verdienten sich die Schüler damals den jährlichen und beliebten Ausflug ins Hücker Moor. Und die Eggetaler kämpften schon damals für ihre Schule(n): Ab den 1950er-Jahren entzündete sich ein wahrer Schulstreit. Die Regierung wollte eine zentrale Schule an der Turnhalle bauen. Hierher sollten die Börninghauser Schüler sowie die Eininghauser Schüler der Oberstufe gehen. Die Grundschüler von Eininghausen und Büscherheide sollten in Eininghausen bleiben. Doch die Eininghauser wollten nicht auf eine eigenständige Schule verzichten. Ratssitzungen und Bürgerversammlungen fanden statt, man sammelte Unterschriften und fuhr nach Detmold. Letztendlich wurden im Eggetal zwei neue Schulen gebaut, eine vierklassige in Börninghausen und eine dreiklassige in Eininghausen. 1959 wurde mit dem Bau des Schulgebäudes in Börninghausen begonnen. Das alte Schulgebäude von 1844 im Fachwerkbaustil an der Stelle war zuvor abgerissen worden. Doch schon 1967 wurde der Beschluss gefasst, die beiden Schulen im Eggetal wieder zusammenzulegen. Es war das neunte Pflichtschuljahr eingeführt worden und in Börninghausen wurden immer noch zwei Jahrgänge in einem Klassenverband unterrichtet. Das Eininghauser Schulgebäude, das erst 1963 eingeweiht wurde, wird nach fünf Jahren wieder geschlossen, das Gebäude anders genutzt. ------------------- Quelle: Chronik "1.000 Jahre Börninghausen, Unsere Heimat - das Eggetal", herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Börninghausen 1. Teil: Was das Eggetal ausmacht 2. Teil: Einkaufen in der Nachbarschaft 3. Teil: Das Eggetal hat Charme 4. Teil: Seit 900 Jahren steht die Kirche im Dorf 5. Teil: Schick machen für den Umzug 6. Teil: Unterwegs auf dem Eggetaler Panoramaweg

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