Stumme Mahnung: Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte 2015 die ersten Stolpersteine in Rahden. Die Steine liegen vor Häusern, in denen Bürger jüdischen Glaubens ihre letzte selbstgewählte Wohnung hatten. Die Verlegung wurde von zahlreichen Bürgern mit Lesungen begleitet. Archiv - © Foto: Joern Spreen-Ledebur||
Stumme Mahnung: Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte 2015 die ersten Stolpersteine in Rahden. Die Steine liegen vor Häusern, in denen Bürger jüdischen Glaubens ihre letzte selbstgewählte Wohnung hatten. Die Verlegung wurde von zahlreichen Bürgern mit Lesungen begleitet. Archiv | © Foto: Joern Spreen-Ledebur||

Pr. Oldendorf Stolpersteine für Pr. Oldendorf angeregt

Besuch in Rahden: Oldendorfer Geschichtskreis möchte Idee aufgreifen und informierte sich in der Nachbarstadt. Interessierte Bürger, die das Projekt unterstützten möchten, werden gesucht

Sigrid Lindemann
Johanna Hespe

Rita Tscherpel

Pr. Oldendorf/Rahden. Seit Jahren engagiert sich der Künstler Gunter Demnig gegen das Vergessen und erinnert mit so genannten "Stolpersteinen" an Opfer des Nationalsozialismus. Auch in vielen Städten und Gemeinden in OWL hat er seine Idee schon umgesetzt - etwa in Rahden. Das Projekt wollen Pr. Oldendorfer jetzt auch für ihre Stadt aufgreifen. Kürzlich trafen sich der Pr. Oldendorfer Stadtarchivar Helmut Recker, Johanna Hespe und Rita Tscherpel vom Oldendorfer Geschichtskreis in Rahden mit Mitgliedern des dortigen Arbeitskreises "Jüdisches Leben in Rahden", um sich die dortigen Stolpersteine anzusehen und sich zu informieren. Eine in Kiel lebende, gebürtige Pr. Oldendorferin hatte angeregt, auch in Pr. Oldendorf Stolpersteine zu verlegen und möchte für einen Stein spenden. Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning, Sigrid Lindemann und Monika Büntemeyer (Vorsitzende des Rahdener Kulturvereins Kul-Tür) zeigten den Pr. Oldendorfern den Platz der Synagoge am Rathaus und Orte in der Rahdener Innenstadt, an denen Stolpersteine verlegt wurden und somit an die ehemaligen Rahdener jüdischen Glaubens erinnern, die hier einst lebten. Die Grundlagenarbeit hatte die 2016 verstorbene Ursula Ester-Hartke vor rund 22 Jahren begonnen. Ein gutes Miteinander Die Pädagogin der Hauptschule Rahden hatte mit der Geschichtswerkstatt die ersten Forschungen zum jüdischen Leben in Rahden begonnen und in der Schrift "Sie lebten mitten unter uns" dokumentiert. So gehörten um das Jahr 1900 bis zu 100 Menschen zur jüdischen Gemeinde Rahden. Gemessen an der damaligen Einwohnerzahl war das ein hoher Bevölkerungsanteil. Es sei ein gutes Miteinander gewesen und als die Schule in Rahden zu klein geworden war, durften die Schüler auch den Schulraum der jüdischen Gemeinde mitbenutzen, betonten die Mitglieder des Rahdener Arbeitskreises. Der Rahdener Arbeitskreis entstand aus einem ehemals politischen Arbeitskreis, der 2012 aus Anlass einer Veranstaltungswoche zum 160. Jahrestag der Einweihung der Rahdener Synagoge gegründet wurde. Auch heute wird die Arbeit des Arbeitskreises von der Stadt Rahden unterstützt. Als ebenso wichtig betonen die Arbeitskreismitglieder die gute Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen. Inzwischen wurden mehr als 30 Stolpersteine verlegt und es ist vorgesehen, in den nächsten Jahren für alle 62 Bürger jüdischen Glaubens, die 1933 in Rahden wohnten und ihren Heimatort unfreiwillig verlassen mussten, einen Stolperstein zu verlegen. "Denn ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist": Das sagt der Künstler Gunter Demnig und möchte mit dem Verlegen von Stolpersteinen im öffentlichen Raum das Erinnern für jeden und zu jeder Zeit möglich machen. Durch die Namen der ehemaligen jüdischen Bürger Rahdens auf den Stolpersteinen vor ihren damaligen Häusern werde an die schlimmste Zeit der deutschen Geschichte erinnert. So wird Geschichte greifbar So werde Geschichte greifbar, heißt es aus dem Arbeitskreis. Und gerade in der heutigen Zeit sei dies gemeinsame Erinnern besonders auch für junge Menschen ein wichtiges Signal für ein friedvolles Miteinanderleben. In Pr. Oldendorf hat Pastor Hans-Joachim Karrasch viel Zeit und Arbeit investiert, um den jüdischen Friedhof zu erforschen, zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der ehemalige Stadtheimatpfleger Dieter Besserer hat ein 500 Seiten umfassendes Buch geschrieben, in dem das Leben und Wirtschaften der jüdischen Familien in Pr. Oldendorf zusammengefasst wird. Im Jahr 2015 hat die Stadt eine Gedenktafel am Bürgerhaus angebracht, die an die Verbrechen des NS-Herrschaft an Menschen jüdischen Glaubens und anderen Bevölkerungsgruppen erinnert. Vom Geschichtskreis Pr. Oldendorf wurden drei sogenannte "Geh-Denken"-Veranstaltungen ausgerichtet - mit dem Ziel, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen. Dabei wurden die jüdischen Besitzer der Stadthäuser immer wieder ins Bewusstsein gerückt. Angesichts der Anfrage aus Kiel beschäftigt sich der Oldendorfer Geschichtskreis nun mit dem Thema Stolpersteine, und die ersten vier bis fünf Steine könnten verlegt werden. Auch sei es möglich, anstatt der Steine Gedenkschwellen zu wählen. Dies würde sich bei der in Planung befindlichen Neugestaltung des Kirchplatzes anbieten, heißt es aus dem Geschichtskreis. Gerade um den Kirchplatz herum lebten die ersten jüdischen Bürger.

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