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Die Hamburger Hip-Hop-Band Neonschwarz mit druckvollen Beats. - © Ralf Bittner
Die Hamburger Hip-Hop-Band Neonschwarz mit druckvollen Beats. | © Ralf Bittner

Kreis Herford/Porta Westfalica Festivalkult: 20.000 feiern Umsonst & Draußen trotz ein paar Regenschauern

Besucher erleben am Samstag bei bestem Wetter an der Weser Bands wie Neonschwarz und Turbostaat. Am Freitag sah das Wetter hingegen nicht so gut aus – wie sich das aufs Festival ausgewirkt hat.

Ralf Bittner
04.08.2019 | Stand 04.08.2019, 15:06 Uhr |

Kreis Herford/Porta Westfalica. „Kommt alle mit, verdammt wir holen uns unser Nimmerland. Das ist unser Haus", rappt Marie Curry von der Hamburger Hip-Hop-Band Neonschwarz auf der Weserbühne beim Umsonst&Draußen „Festivalkult" auf den Weserwiesen bei Veltheim. Seit 2010 ist die Formation „On a Journey" (Auf einer Reise) und verleiht dem Traum vom selbstverantworteten Leben ohne Arbeit, Privatbesitz, Rassismus oder Grenzen entspannt Ausdruck. Woodstock als großer Impuls Damit trifft die Band genau das, was den Gründern des Kultfestivals um Wolfgang Kuhlmann und seine Band Hammerfest 1975 vorschwebte. „Wir waren auf der Suche nach Alternativen zum kommerziellen Kulturbetrieb, und auf der Suche nach einer anderen Gesellschaft", sagt Kuhlmann, gerade aus dem Krankenhaus entlassen, und wohl als einziger auf dem Platz bei allen U&D-Festivals dabei: „Woodstock war damals ein großer Impuls. Auf einmal wurde uns klar, dass wir Teil einer weltweiten Jugendbewegung waren, die Ähnliches wollte." Viele Vorstellungen hätten sich nicht verwirklichen lassen, sagt er, aber Festivalkult zeige, dass sich Zusammenarbeiten und Zusammenleben anders organisieren lassen. Dass es immer wieder junge Leute gebe, die mit neuer Musik und ehrenamtlichen Engagement die Idee weitertragen, freue ihn. Vom ersten U&D in Vlotho 1975 mit 2.000 Besuchern wuchs das Festival auf bis zu 100.000 Besucher 1979. Heute hat sich die Zahl bei etwa 20.000 eingependelt. Die kamen auch in diesem Jahr und erlebten am Freitag einen Auftakt mit Regen. „Die Leute waren da, kamen aber nicht aus ihren Zelten", sagt Linda Rolfsmeyer, Produktionsleiterin der großen Weserbühne und Sprecherin des U&D-Festivals. Fast leere Flächen vor den Bühnen seien nicht schön für Bands und die Stimmung. Für die Veranstalter bedeuten sie weniger Umsatz an Getränke- und Essensständen. Deren Erlös macht es aber möglich, das Festival draußen und umsonst durchzuführen können. Turbostaat schlagen härtere Töne an Besser läuft’s am Samstag mit Sonne, Wolken und angenehmen Temperaturen. Auf dem Goa-Floor wird unter fantasievoller Deko durchgetanzt, auf der Bühne im Bühne im Open Space spielen Bands aus der Region wie Ian Tray oder Moe vor gut besetzten Bänken, auf der Bahndammbühne Karsten Weishaar, Vorsitzender des U&D-Vereins, mit seiner Punkband „Kopfkino". Davor tanzen Punks mit Irokesenfrisuren neben Familienvätern mit Kindern auf dem Arm – natürlich mit Gehörschutz. Abends schlagen Turbostaat nach Neonschwarz um Jan Windmeier mit seiner rauen Stimme härtere Töne an. „Das Festival verbindet Generationen", sagt Rolfsmeyer, „der Sonntag lockt noch einmal viele Tagesbesucher, und das Wetter sieht vielversprechend aus. Zum Glück sind viele, die der Regen am Freitag abgeschreckt hatte, am Samstag doch noch gekommen. " Ein erster Kassensturz werde schon in der Nacht zum Montag gemacht, aber es sehe gut aus. „Wir hatten wieder unsere 20.000 Besucher, die zusammen ohne größere Zwischenfälle feierten." U&D 2020 kann kommen.

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