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Neben den Sturmschäden sind nach dem heißen Sommer viele Fichten abgestorben und auch anfälliger für starken Borkenkäfer-Befall. - © Oliver Krato
Neben den Sturmschäden sind nach dem heißen Sommer viele Fichten abgestorben und auch anfälliger für starken Borkenkäfer-Befall. | © Oliver Krato

Löhne / Kreis Herford Käfer sorgt für Sterben von Bäumen im Kreis Herford und Porta Westfalica

Förster Johannes Landwehrmann ist für eine 3.000 Hektar große Waldfläche zuständig und beklagt, dass die Fichten sterben. Dafür ist nicht nur ein Insekt verantwortlich.

Susanne Barth
03.08.2019 | Stand 03.08.2019, 12:49 Uhr

Löhne / Kreis Herford. Ein kleiner Käfer sorgt für eine große Katastrophe. Nicht nur in Löhne, deutschlandweit saugt der Borkenkäfer den Fichten das Leben aus. Förster Johannes Landwehrmann beschreibt die Situation als "extrem". Mit allen Mitteln versucht er, dass sich der Borkenkäfer nicht noch weiter ausbreitet. "Die Fichten sterben uns unter den Händen weg", bilanziert der Förster, der für 3.000 Hektar Wald zuständig ist. Dass der Käfer so große wirtschaftliche Schäden anrichten kann, ist den Ereignissen im Jahr 2018 zu verdanken. Erst wütete der Sturm Friederike, dann kam die lang anhaltende Hitze, aber kaum Niederschlag. Dadurch konnte sich der Borkenkäfer wunderbar vermehren. Und die Käfer hatten leichtes Spiel. Denn durch die Trockenheit ist die Harzproduktion der Fichten geringer ausgefallen. Das ist aber die natürliche Abwehr der Bäume gegen diese Eindringlinge. Bräunlich-rote Baumgerippe "Im Gemeinschaftsangriff", so titelt der Landesbetrieb Wald und Holz, "bringen sie Fichten so großflächig zum Absterben". Das Erscheinungsbild des Waldes verändert sich. Statt tief tannengrüner Forste entstehen mahnend bräunlich-rote Baumgerippe. Johannes Landwehrmann steht dem Problem alleine entgegen. Der Förster ist nicht nur für die Löhner Waldgebiete zuständig, sondern für den halben Kreis Herford (Kirchlengern, Exter, Löhne) und 80 Prozent von Porta Westfalica. Überall ist der Zustand ähnlich. Fichten haben braune Kronen und sterben ab. "Die extreme Hitze und das Niederschlagsdefizit 2018 hat dazu geführt, dass sich der Borkenkäfer explosionsartig vermehrt hat", sagt Landwehrmann, der solche gravierenden Schäden noch nie gesehen hat. Nicht nur die Fichte ist betroffen Das bestätigt der Waldzustandsbericht NRW 2018. Darin steht, dass sich der Wald im schlechtesten Zustand seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1984 befindet. Nicht nur die Fichte ist betroffen. Auch an Rotbuchen, Birken und Vogelkirsche hat Landwehrmann in seinem Gebiet bereits Schäden festgestellt. "Selbst an Nadelhölzern, die normalerweise trockenresistent sind", sagt der Fachmann. Und auch der Anblick so mancher Buchen mache ihm Sorge. Manche seien sehr schütter und braun. "Es fehlen die Grundwasserreserven." "Was abstirbt, ist kaputt" Zur Bewältigung der aktuell schwierigen Lage für die nordrhein-westfälische Forstwirtschaft hat Umwelt-Ministerin Ursula Heinen-Esser eine Task Force "Borkenkäfer" eingerichtet. Diese wird sich vor allem dafür einsetzen, dass das Schadholz möglichst schnell aus dem Wald abtransportiert und eine weitere Massenvermehrung der Borkenkäfer im nächsten Jahr möglichst eingedämmt werden kann. Denn "einen Verbandskasten für kränkelnde Bäume" gibt es nicht, sagt Landwehrmann. "Was abstirbt, ist kaputt." So hart es klingt, aber die Bäume müssen entweder mit dem Wetter zurecht kommen, oder nicht. Zusätzlich gehe es darum, neuen Wald anzupflanzen und dann auf eher trockenresistente Bäume zu setzen. Wie Traubeneiche, Lärche oder Kiefer.

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