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Versorgung im Kreißsaal: Eine Hebamme betreut im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden eine werdende Mutter. - © MKK
Versorgung im Kreißsaal: Eine Hebamme betreut im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden eine werdende Mutter. | © MKK

Akademisierung Hebammen: Ausbildungsreform schreckt Bewerberinnen ab

Über die Akademisierung ihres Berufs freuen sich Geburtshelferinnen, doch die politische Umsetzung führt aktuell zu Unsicherheiten, die Bewerberinnen abschrecken.

Carolin Nieder-Entgelmeier
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 06:39 Uhr

Minden/Paderborn. Mit der Akademisierung des Hebammenberufs wird sich die Ausbildung angehender Geburtshelferinnen bereits ab dem kommenden Jahr ändern. Hebammenschulen dürfen noch bis Ende 2021 Schülerinnen aufnehmen, gleichzeitig dürfen ab 2020 Hochschulen Studiengänge anbieten. Aktuell wissen aber die Hochschulen und Schulen nicht, wo Ausbildung und Studium künftig angeboten werden, wie die Ausbildung ablaufen wird und welche Voraussetzungen Bewerber mitbringen müssen. Das verunsichert vor allem die Bewerberinnen. Die Geburtskliniken in OWL befürchten nun, dass sich Bewerberinnen umorientieren. Aktuell läuft in vielen Hebammenschulen die Bewerbungsphase für den Ausbildungsstart ab 2020. Zudem arbeiten bereits viele Hochschulen an der Planung für Studiengänge„Ich würde mich sehr gerne bewerben, aber aktuell kann mir keine Einrichtung Auskunft darüber geben, wie die Ausbildung ab 2020 laufen wird. Das ist ein großes Problem", erklärt eine Abiturientin aus OWL. Die 18-Jährige möchte ihren Namen nicht öffentlich nennen, weil sie noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist. „Uns Bewerbern fehlt aktuell auch die Möglichkeit, die Angebote der Schulen und Hochschulen zu vergleichen, weil es sie schlicht noch nicht gibt." Hebammenschulen befürchten einen Bewerberrückgang Erst dann können die 18-Jährige auch entscheiden, ob sie ihre Ausbildung in OWL absolviert oder ihre Heimat verlässt. „Ich würde die Ausbildung gerne in OWL machen, aber da noch nicht feststeht, ob das nach 2021 überhaupt noch möglich ist, kann ich mich nicht an die Region binden." Trotz dieser Probleme steht für die 18-Jährige fest, dass sie Hebamme werden will. „Ich kann aber gut nachvollziehen, dass sich andere Bewerber umorientieren. Irgendwann muss man sich für einen Weg entscheiden." Die Sorgen bestehen auch in den Hebammenschulen in Minden und Paderborn. „Wir brauchen dringend eine Entscheidung, denn die Bewerberinnen haben viele Fragen, die wir nicht beantworten können. Das ist sehr frustrierend", moniert der Leiter des St. Vincenz-Campus für Gesundheitsfachberufe, Andreas Riekötter. „Das Interesse ist bei vielen Frauen da, aber wenn die Umstände nicht passen, müssen sie sich umorientieren. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass die Bewerberzahlen zurückgehen werden", erklärt Lehrerin Meike Meier, die an der Hebammenschule Minden unterrichtet und im Johannes-Wesling-Klinikum als Hebamme arbeitet. Mehr Praxisstunden in der Ausbildung als im Studium „Sollte die Ausbildung auf wenige Hochschulstandorte zentralisiert werden, wird sich die Versorgung in OWL verschlechtern und Bewerber von der Ausbildung abbringen, weil viele, vor allem Mütter, an die Region gebunden sind." Zudem hat Meier die Erfahrung gemacht, dass viele Bewerber großen Wert auf den praktischen Teil der Ausbildung legen. „Das Studium für Hebammen umfasst aber nach derzeitigem Stand weniger Praxisstunden als die Ausbildung. Auch das wird Bewerber abschrecken." Weitere Bewerber werden laut Meier durch das Raster fallen, weil sie bei der Zulassung zum Studium mehr Voraussetzungen erfüllen müssen, als bei der Zulassung zur Ausbildung. Um Versorgungslücken in OWL zu verhindern, setzt sich Meier für einen Ausbildungsstandort in der Region ein. „Wir müssen alles daran setzen, dass sich die Betreuung nicht weiter verschlechtert, denn schon jetzt leiden werdende Mütter unter dem Hebammenmangel. Deshalb wollen wir in Minden mitgestalten, damit Frauen auch künftig gut versorgt werden."

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