Wenn sich Menschen bei Arbeitsunfällen oder Verkehrsunfällen auf dem Weg
zur oder von der Arbeit schwer verletzen, leistet das Mindener Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) zwar weiterhin die Erstversorgung. - © picture alliance/dpa
Wenn sich Menschen bei Arbeitsunfällen oder Verkehrsunfällen auf dem Weg
zur oder von der Arbeit schwer verletzen, leistet das Mindener Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) zwar weiterhin die Erstversorgung. | © picture alliance/dpa

Minden Nach Kündigung eines Arztes: Mindener Klinikum verliert Sonderstatus

Die fristlose Entlassung des Direktors der Mindener Klinik für Unfallchirurgie hat gravierende Folgen.


Minden (mt). Die Mühlenkreiskliniken (MKK) haben derzeit mit immer neuen Hiobsbotschaften zu kämpfen. Die fristlose Kündigung des 
Direktors der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Prof. Dr. Johannes Zeichen, bleibt nicht ohne gravierende Folgewirkungen. Die Berufsgenossenschaft (BG) hat dem Klinikum nach Informationen des Mindener Tageblatts (MT) die Zulassung zum sogenannten Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV) vorerst entzogen. Wenn sich Menschen bei Arbeitsunfällen oder Verkehrsunfällen auf dem Weg zur oder von der Arbeit schwer verletzen, leistet das Mindener Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) zwar weiterhin die Erstversorgung. Jedoch müssen die Patienten anschließend in andere Kliniken, die den SAV-Status haben, verlegt werden. Nach MT-Informationen fliegen beispielsweise Rettungshubschrauber das Mindener Klinikum deshalb derzeit seltener an. Das SAV regelt die notfall- und stationäre Versorgung von Schwerstverletzten nach Arbeitsunfällen an Klinken. Weil diese Patienten einer besonderen Behandlung bedürfen – es handelt sich zum Beispiel um Patienten mit schweren Brandverletzungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Querschnittslähmungen – müssen die Kliniken hohe personelle und technische Standards erfüllen. Im Gegenzug bekommen sie besondere Zuweisungen der Unfallversicherungen und Berufsgenossenschaften. Klare Vorschriften der Unfallversicherung Konkret können laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung nur Plankrankenhäuser der Länder oder Hochschulstandorte eine solche Berechtigungen bekommen. Sie müssen einen Chefarzt oder leitenden Arzt vorweisen, der Unfallchirurg ist und mindestens drei Jahre in der Abteilung zur Behandlung Schwer-Unfallverletzter eines SAV-Krankenhauses tätig gewesen ist. Außerdem muss er unter anderem Kenntnisse in den Bereichen Plastische Chirurgie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Handchirurgie, Notfallmedizin, spezielle chirurgische Intensivmedizin und Kindertraumatologie nachweisen. Zeichen erfüllte die Kriterien. Einen Nachfolger zu finden, auf den das ebenfalls zutrifft, ist nach MT-Informationen kein Selbstläufer. In NRW, einem Land mit besonders hoher Klinikdichte, gab es bisher nur 13 Kliniken, die am SAV-Verfahren beteiligt sind. Nun sind es nur noch zwölf. Das nächstgelegene SAV-Standort ist Bielefeld. Die Mühlenkreiskliniken zeigen sich offiziell gelassen angesichts der Situation. Die SAV-Zulassung sei an die Person des Direktors gebunden gewesen und für den suche man nun nach Ersatz. „Derzeit wird eine alternative Zulassung geprüft", betont Kliniksprecher Christian Busse. Der Ausgang dieser Prüfung ist bisher allerdings offen. Der Sprecher betont: „Notfälle werden im JWK weiterhin versorgt und abgerechnet", unmittelbare finanzielle Auswirkungen für die MKK hat die Statusänderung seinen Angaben zufolge nicht. „Schaden von den Kliniken abzuwenden" Minden-Lübbeckes Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) ist „alles andere als erfreut" über die Entwicklungen an den Mühlenkreiskliniken. Die Aufgabe sei es nun, „Schaden von den Kliniken abzuwenden". Die Themen fristlose Entlassung von Zeichen und der derzeitige Verlust des SAV-Status' stünden auf der Themenliste für die MKK-Verwaltungsratssitzung am kommenden Dienstag. Der Klinikvorstand werde sich kritischen Fragen stellen müssen. Wertend wolle er sich in beiden Angelegenheiten derzeit nicht äußern. Niermann hofft, dass das Thema SAV „zu reparieren" sei.

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