Der Angeklagte betritt einen Sitzungssaal im Landgericht in Begleitung eines Justizbeamten. Auf zwei Höfen in Hille an der Grenze zu Niedersachsen waren im März 2018 die Leichen dreier Männer mit deutlichen Spuren von Gewalt entdeckt worden. - © Friso Gentsch/dpa
Der Angeklagte betritt einen Sitzungssaal im Landgericht in Begleitung eines Justizbeamten. Auf zwei Höfen in Hille an der Grenze zu Niedersachsen waren im März 2018 die Leichen dreier Männer mit deutlichen Spuren von Gewalt entdeckt worden. | © Friso Gentsch/dpa

Hille/Bielefeld Prozessauftakt zum Dreifachmord in Hille

Am ersten Verhandlungstag wurde die Anklageschrift verlesen

Nina Könemann
Hans-Georg Gottfried Dittmann

Hille/Bielefeld. Am Landgericht Bielefeld hat am Montag der Prozess gegen Jörg W. aus Hille und Kevin K. aus Duisburg begonnen. Der 51 Jahre alte ehemalige Fremdenlegionär Jörg W. und der mitangeklagte 24 Jahre alte Zeitsoldat Kevin R. sollen getötet haben, um sich an ihren Opfern zu bereichern, etwa in dem sie die Rente eines Opfers einstrichen. Vor knapp einem halben Jahr hatte der Fund dreier männlicher Leichen in der Ortschaft Hille nahe der niedersächsischen Grenze für Aufsehen gesorgt. Die Körper der Männer im Alter von 72, 64 und 30 Jahren wiesen deutliche Spuren von Gewalt auf. Zum Prozessauftakt am Landgericht Bielefeld erschienen mehr Leute als erwartet. Um 9.20 Uhr waren erst knapp die Hälfte der Besucher im Saal, Richter konnten das Verfahren erst gegen 10 Uhr eröffnen. Neben zahlreichen Medienvertretern war auch die Familie des dritten Opfers Fadi S. anwesend. Alle Mitglieder trugen einen Button mit einem Konterfei des getöteten Libanesen am Revers. Der vorsitzende Richter musste die Familienmitglieder zweimal zur Rufe rufen - sie skandierten mehrmals "Mörder" in Richtung von Jörg W. und Kevin K.. Fortsetzung des Prozesses am 20. September Die Angeklagten würdigten sich im Gerichtssaal keines Blickes. Befangenheitsanträge wurden nicht gestellt. Der erste Verhandlungstag war nach der Verlesung der Anklageschrift gegen 10.20 Uhr beendet. Der Prozess soll am Donnerstag, 20. September, fortgesetzt werden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten jeweils brutal vorgingen. Bereits in der ersten Augusthälfte 2017 sollen sie ihren 72 Jahre alten Nachbarn die Treppe heruntergestoßen und ihn dann mit einem Ziegelstein erschlagen haben - aus Habgier. Jörg W. soll über eine Kontovollmacht des Seniors verfügt und es auf die monatliche Rente von 1.300 Euro abgesehen haben. Wenig später sollen sie einen 64 Jahre alten Hilfsarbeiter getötet haben, der zu der Zeit ebenfalls auf dem Hof lebte, um ihm mehr als 3.000 Euro abzunehmen. Die Angeklagten sollen ihn unter anderem mit einem Pflasterstein geschlagen haben. Außerdem war dem Opfer viermal mit einem Kampfmesser in den Rücken gestochen worden. Ihre Leichen hatte die Polizei bei einer aufwendigen Suche im Frühjahr 2018 vergraben auf dem Grundstück von W. gefunden. Der Hof in Hille war damals durch einen weiteren Vermisstenfall ins Visier der Polizei geraten: Eine Familie aus Stadthagen hatte einen 30-Jährigen als vermisst gemeldet. Sein Auto wurde schließlich in einer Scheune der kleinen Ortschaft Hille entdeckt, auch Jörg W. war zunächst verschwunden. Als die Leiche des 30-Jährigen gefunden wurde, geriet W. unter dringenden Tatverdacht und wurde wenig später im bayerischen Reit im Winkl festgenommen. Am Ende ihrer Ermittlungen ist die Staatsanwaltschaft sicher: Auch der 30-Jährige sollte sterben, weil es um Geld ging. Dem Mord soll ein Streit um 5.000 Euro vorausgegangen sein. Die Angeklagten sollen daraufhin beschlossen haben, ihn mit einem Hammer zu erschlagen. Bei seiner Festnahme hatte Jörg W. die Tat eingeräumt, zu den anderen Vorwürfen aber bisher geschwiegen. (Mit Material von dpa)

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