Einsatz während des Konzerts: Sänger Campino. - © Sebastian Külbel (MT)
Einsatz während des Konzerts: Sänger Campino. | © Sebastian Külbel (MT)

Minden Die Toten Hosen in Minden: Party, Punkrock, Politik

Sebastian Külbel

Minden. Drei Vorbands, 37 Lieder, 268 Minuten Spielzeit: Dass die Toten Hosen bei ihrem zweiten Open Air auf Kanzlers Weide nichts für das Eintrittsgeld geboten hätten, kann ihnen keiner der 40.000 Besucher vorwerfen. Am Ende gingen alle zufrieden nach Hause - inklusive der Kultband aus Düsseldorf, die ihren Auftrittsort am Samstagabend ausgiebig lobte. Auch die Polizei zog nach dem Konzert eine positive Bilanz. "Wir sind zum fünften Mal in Minden, und jedes Mal wird es besser", sagte Frontmann Campino schon zur Begrüßung, um Minden am Ende als "Rock'n'Roll-City" zu adeln. Ganz so wild führten sich die Massen am Weserufer zwar nicht auf, dennoch war die Stimmung beim zweiten Großkonzert der Hosen nach 2013 erneut prächtig. Daran hatten die beteiligten Musiker den größten Anteil. Während die Vorbands Attaque 77 aus Argentinien und The Undertones aus Nordirland Punkrock in unterschiedlicher Interpretation, aber doch in stilistischer Nähe ihrer Gastgeber boten, passten die Wiener Alternative-Rocker von Wanda am wenigsten zum musikalischen Rest des Abends - und waren gerade deshalb ein angenehmer Ausreißer. Gekommen waren die 40.000 aber für die Hauptband, die mit einem fulminanten Start alle mitriss. Eher bekannte Hits als aktuelle Songs Das Anfangs-Trio mit "Opel-Gang", "Auswärtsspiel" und "Niemals einer Meinung" brachte schnell Stimmung in die Menge, überhaupt setzten die Hosen im Vergleich zu anderen Auftritten der laufenden Tournee in Minden eher auf ihre bekannten Hits als auf die Songs ihres aktuellen Albums "Laune der Natur". Bis zum Ende des regulären Programms nach knapp eineinhalb Stunden reihte sich Hit an Hit. Aus aktuellem Anlass gab es diesmal besonders klare politische Statements. So widmete Sänger Campino den Anti-Nazi-Song "Sascha" der AfD und "dem rechten Scheiß in Chemnitz". Die Ereignisse in der sächsischen Stadt sind auch in einer weiteren Ansage Thema, als Campino klarstellt: "Es wird jetzt so dargestellt, als kämpften dort links gegen rechts. Aber es geht darum, dass alle zusammen stehen gegen Rechte und Nazis." Bekräftigt werden soll das bei einem Konzert gegen Rechts in Chemnitz mit den Hosen, Marteria, Casper, K.I.Z., Feine Sahne Fischfilet und Kraftklub am Montag. Neben ernsten Themen blieb aber auch noch genug Platz für Party, den die Zuschauer aus Minden und der ganzen Umgebung ausgiebig nutzten. Von kleineren Ärgernissen wie dem völlig überfüllten eingezäunten Abschnitt direkt vor der Bühne ließen sich die Fans nicht beirren, sie tanzten und sangen einfach außerhalb weiter. Auch in den hinteren Reihen standen die Menschen noch dicht gedrängt und feierten die Hits der Hosen, die am Ende dann auch noch zwei Trinklieder, darunter das schon am Nachmittag von den Fans angestimmte "Bommerlunder" spielten. Mit einigen üblichen ("Halbstark", "You'll never walk alone") und einigen überraschenden Coverversionen ("Schrei nach Liebe", "TNT") arbeitet sich die Band durch insgesamt drei Zugabeblöcke. Und als die Konfetti-Kanonen längst abgefeuert ist, der letzte Ton gespielt und die Lichter schon angehen, sind die Fans vor der Bühne immer noch so laut, dass die Hosen für einen letzten Song zurückkommen. "Verschwende deine Zeit", singt Campino inbrünstig, und selten hat diese Aufforderung so viel Spaß gemacht wie am Samstag um 23.15 Uhr.

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