Aus der Luft werden sich die Konzerte von 2013 und 2018 kaum unterscheiden – nur die Bühne ist noch mal um einiges größer. Für ihren Aufbau werden ab dem 28. August zwei Kräne auf Kanzlers Weide gebraucht. Die Glacisbrücke ist ab dann gesperrt. MT-Archivfoto: Peter Klaproth
Aus der Luft werden sich die Konzerte von 2013 und 2018 kaum unterscheiden – nur die Bühne ist noch mal um einiges größer. Für ihren Aufbau werden ab dem 28. August zwei Kräne auf Kanzlers Weide gebraucht. Die Glacisbrücke ist ab dann gesperrt. MT-Archivfoto: Peter Klaproth

Minden Zur Abreise nach dem "Tote Hosen"-Konzert sind die Brücken dicht

Mega-Event: Erich Thon hat den Überblick über das Konzept der Veranstatung. 2013 war die Band schon einmal da

Nina Könemann

Minden. Erich Thon ist ein Mann wie ein Baum und ungefähr genauso schwer aus der Ruhe zu bringen. 40.000 Menschen auf Kanzlers Weide? „Das haben wir ja schonmal gut hinbekommen", sagt der Meister für Veranstaltungstechnik der Hans Stratmann Konzertbüro GmbH und lacht. Für ihn ist das Mega-Event auf den Weserwiesen nichts Neues. Nur Überstunden kostet es derzeit einige. Thon war schon beim Hosen-Konzert 2013 Chef-Organisator für Logistik, Technik und Sicherheit. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen: Polizei, Feuerwehr, DRK, Ordnungsamt der Stadt und und und. Wenn er sagt die Bühne passt nicht, dann passt sie nicht. Vieles aus 2013 konnte Thon auch dieses Jahr 1:1 wieder so umsetzen. Nur beim Thema Sicherheit und Verkehr wird alles noch etwas strenger. Mit dem Mindener Tageblatt traf er sich auf Kanzlers Weide, um den aktuellen Stand der Planungen durchzugeben. Die Anreise Innenstadt, Weserwiesen, Parkhäuser: Insgesamt weist der Veranstalter für den 1. September rund 10.000 Parkflächen aus. „Sollte es knapp werden, können wir den Simeonsplatz noch aufmachen", sagt Erich Thon. Das sei 2013 nicht nötig gewesen. Gesteuert werden die Besucher über Schilder mit der Aufschrift „Open Air Parken" – ein Leitsystem, das extra für die Veranstaltung entwickelt wurde. „Wenn ein Parkplatz voll ist, bauen wir sie ab und leiten um", sagt Thon. Er setzt darauf, dass alle Ortskundigen auf das Parken auf den Weserwiesen verzichten. „Wer sich auskennt, findet ja etwas in der Stadt." Mindener sind ohnehin angehalten das Auto stehen zu lassen und entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen oder das Fahrrad zu nehmen. Parkplätze für Radler gibt es an der alten Regierung und im Bereich Hafenstraße/Bunte Brücke. Wer einen weiteren Weg hat, dem empfiehlt der Veranstalter die Anreise per Bahn und dann zu Fuß zum Gelände. Dafür sind auch Sonderzüge eingesetzt. Bahnzeiten, Tipps für die Eingabe ins Auto-Navi und Hinweise für Camper gibt es auf der extra für das Konzert eingerichteten Website www.dth-minden.de, die vom Veranstalter aktualisiert wird. Der Aufbau Das „Monstrum", wie Erich Thon die Bühne liebevoll nennt, wird bereits ab dem 28. August aufgebaut. Einen Tag zuvor, am Montag, zäunt der Veranstalter das Gelände weiträumig ein, die Glacisbrücke ist ab dann ebenfalls dicht. „Wir haben ab Dienstag zwei Kräne für den Bühnenbau auf dem Platz, wenn da jeder rumlaufen kann, ist das zu gefährlich", sagt Thon. Insgesamt misst das Festival-Areal etwa 250 mal 200 Meter – so viel wie beim letzten Mal. Darin enthalten ist auch der großzügige Backstage-Bereich. Die Bühne selbst ist deutlich größer als noch vor fünf Jahren: 67 Meter lang und 25 Meter hoch, mit großformatigen Videoleinwänden an beiden Seiten. Statt eines Krans braucht es für den Aufbau diesmal zwei. „Um die da hinzubekommen, mussten wir das Konzertgelände zwölf Meter weiter Richtung Glacisbrücke rücken", sagt Thon – denn Richtung Uferstraße stehen Bäume auf Kanzlers Weide, die sonst im Weg wären. Die 15 bis 16 Trucks, die die Bühne nach Minden transportieren, bleiben im Backstage-Bereich. Außerdem sind mittig auf dem Gelände weitere Leinwand-Türme eingeplant, damit auch die Besucher im hinteren Teil etwas von der Band sehen können. Die Logistik 300 Toiletten, drei Eingänge, 15 Getränkestände und rund ein Dutzend „Fressbuden": Mit den Hosen reist auch die Infrastruktur einer Kleinstadt an. „Für den Aufbau, die Gastro-Wagen und die Technik brauchen wir rund 500 Helfer", schätzt Erich Thon. Hinzu kämen die zahlreichen Sicherheitskräfte. Für Verpflegung und Getränke ist das Gastro Team Bremen zuständig, das die Tour der Toten Hosen begleitet. Und weil es alle brennend interessiert: Als Biermarke wird es deshalb „Beck’s" geben. Die Sicherheit Es dürfte keine Überraschung sein, aber die Sicherheitsbestimmungen sind seit dem Konzert 2013 nicht weniger geworden. Um das Gelände zu schützen, werden so genannte „Nizza-Sperren" aufgebaut. „Das sind mit Stahlseilen verbundene Betonblöcke, die LKW am Einfahren hindern sollen." Wo sie stehen, verrät Erich Thon nicht. Aus Sicherheitsgründen wird ebenfalls die Uferstraße gesperrt – auch für Fußgänger. „Wir benutzen sie als Rettungsweg und für die Einsatzkräfte", informiert Thon. Um Verkehr und Gelände aus der Luft im Blick zu haben, ist das Ordnungsamt der Stadt mit einem Flugzeug unterwegs. Die Polizei kann jederzeit Helikopter anfordern. DLRG und Wasserschutzpolizei sichern die Weser. „Wir haben auch eine mobile Wache vor Ort", sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Für diejenigen, die sich gern im Gedränge verlieren, gibt es einen Meeting-Point an der Zufahrt zum Gelände. Ein Fundbüro wird an der Kasse am Osteingang 1 eingerichtet. Außerdem gibt es strenge Regeln, was mit aufs Gelände darf und was nicht. Wie üblich sind Getränke und Speisen verboten, Selfie-Sticks und Regenschirme sind ebenfalls tabu. Besucher sollten sich aber vor allem darauf einstellen, ihre Taschen draußen zu lassen. „Alles, was größer als DIN-A4 ist, kann nicht mit rein", sagt Erich Thon. Besucher werden mit großformatigen Bannern schon auf den Parkplätzen darauf hingewiesen. Wer trotzdem mit einem Rucksack am Gelände steht, für den gibt es Schließcontainer. Damit sich 40.000 Menschen ohne Probleme auf dem Areal bewegen können, wird auch der Einlass streng reguliert. „Wir haben zwei Eingänge auf der Ostseite (zur Hausberger Straße hin)." Wenn es sich beim vorderen staut, wird zum hinteren umgeleitet. Ebenso gibt es einen Süd-Eingang für die Gäste, die vom Parkplatz aus kommen. Wer vorne stehen darf, bestimmen farbige Bändchen. „Die werden beim Einlass vergeben. Wer zuerst da ist, bekommt die Berechtigung für die Zonen vor den Wellenbrechern", sagt Thon. So sei geregelt, dass nach vorne nicht unbegrenzt „geschoben" werden könne. Die Abreise Um Mitternacht soll das Gelände menschenleer sein – so will es das Sicherheitskonzept. „Wir haben eine Ausnahmegenehmigung bis 23 Uhr, danach ist Schluss mit der Musik", sagt der Veranstaltungstechniker. Ab dann verwandelt sich das Areal zwischen Bahnhof und Wesertor in eine große Flaniermeile. „Aus Sicherheitsgründen werden beide Brücken ab 22 Uhr für den Verkehr gesperrt." Zwischen Bahnhof und Wesertor sind dann nur noch Fußgänger erlaubt. Die Glacisbrücke ist ohnehin den ganzen Abend dicht, weil sich dort beim letzten Konzert die Menschenmassen stauten. Ebenfalls gesperrt wird ab 22 Uhr die Neeser Ortsdurchfahrt, „damit die Menschen in Ruhe schlafen können." Wer auf den Flächen rund um das Gelände parkt, wird über die Hausberger Straße auf die B 65 geleitet. „Die Einbahnstraßenregelung für die Abreise hat sich bewährt", sagt Erich Thon. Wer sich abholen lassen möchte, dem empfiehlt die Polizei übrigens den ZOB auf der linken und die Parkplätze von Lidl und Netto (Viktoriastraße) auf der rechten Weserseite. „Wichtig ist, dass die Menschen das vorher vernünftig absprechen", sagt Sprecher Ralf Steinmeyer. Das Handynetz wird nämlich – wie beim letzten Mal – hoffnungslos überlastet sein.

realisiert durch evolver group