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Erfahren: Pfarrer Eberhard Helling knüpfte die ersten Kontakte zu muslimischen Flüchtlingen in den 80-er Jahren. - © FOTO: TOBIAS SCHREINER
Erfahren: Pfarrer Eberhard Helling knüpfte die ersten Kontakte zu muslimischen Flüchtlingen in den 80-er Jahren. | © FOTO: TOBIAS SCHREINER

Lübbecke „Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“

Interview: Pfarrer Eberhard Helling über die Anschläge in Paris und Reaktionen im Lübbecker Land

15.01.2015 | Stand 15.01.2015, 17:40 Uhr

Lübbecke. Die islamische Gemeinschaft bekundete weltweit ihre Bestürzung über die Terroranschläge in Paris und ihre Solidarität mit den Ermordeten. Der Grundtenor lautete: Diese Anschläge haben nichts mit dem Islam zu tun. Der Islam sei eine Religion des Friedens. Aber haben sich die Attentäter nicht auf den Koran bezogen und damit den islamischen Glauben als Grundlage für ihre Taten missbraucht? Tobias Schreiner sprach mit Pfarrer Eberhard Helling, Islambeauftragter des evangelischen Kirchenkreises Lübbecke.

Herr Helling, die Attentäter in Paris waren Islamisten. Sind diese Morde ein Problem des Islam?
Eberhard Helling:
Das glaube ich nicht, denn es gibt genauso wenig den Islam als Einheit wie das Christentum als homogene Größe. Besonders rechtsgesinnten Zeitgenossen und Mitgliedern der Pegida-Bewegung fällt es scheinbar schwer zu unterscheiden. Den Islamismus muss man strikt vom Islam trennen.

Haben Sie als Pfarrer darüber in Predigt oder Konfirmandenunterricht gesprochen?
Helling:
Nein, noch nicht, aber es gab viele Gespräche mit Gemeindemitgliedern, so auch im Bibelgesprächskreis oder dem Posaunenchor.

Haben Sie als Islambeauftragter nach den Anschlägen Kontakt zu den islamischen Kulturvereinen in der Region aufgenommen?
Helling:
Bisher noch nicht.

Information

Eberhard Helling

Eberhard Helling ist 53 Jahre alt und seit 1991 Pfarrer in Lübbecke. Zu den Aufgaben des heutigen Islambeauftragten des Kirchenkreises Lübbecke gehört, Kontakt zu den islamischen Vereinen der Ditib (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion) zu pflegen und Gesprächsveranstaltungen zwischen Christen und Muslimen zu organisieren und zu moderieren. Zuvor war er für zweieinhalb Jahre einer der Hauptamtlichen im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld. Eberhard Helling ist verheiratet und hat drei Kinder.⋌ (tsc)

Was zeichnet ihre Arbeit als Islambeauftragter aus?
Helling:
Ich habe vor den Anschlägen das Freitagsgebet besucht und mit den dortigen Muslimen über Pegida gesprochen. Wir als Kirche wollen signalisieren, dass wir diese Bewegung ablehnen. Die Muslime können sich auf unsere Unterstützung verlassen.

Wie erleben Sie die aktuelle Stimmung in der Region? Gibt es nun mehr Menschen, die dem Islam kritisch gegenüber stehen?
Helling:
Viele Menschen sind sehr verunsichert, wie sie mit diesen Anschlägen umgehen sollen. Viele wissen nicht, wie sie sich nun gegenüber Muslimen verhalten sollen.

Wie nehmen Sie den Menschen diese Verunsicherung?
Helling:
Durch Gespräche und den Kontakt zu Muslimen. Wie die zuletzt veröffentlichte Bertelsmann-Umfrage zeigt, hegen vor allem Menschen Vorurteile gegenüber Muslimen, die auf dem Dorf leben und generell wenig Kontakt zu Muslimen haben.

Trifft das auch auf das Lübbecker Land zu?

Helling: Das glaube ich nicht, auch wenn mein Empfinden nicht repräsentativ ist. In meinem Umfeld gibt es viele Christen, die dem Islam wohlwollend gegenüber stehen. Statistisch macht das Sinn: Religiöse Menschen stehen auch anderen Religionen aufgeschlossener gegenüber.

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