0

Hüllhorst Seit sieben Monaten vermisst

Hüllhorster Physiotherapeut verschwindet im Oktober 2012 von der Bildfläche / Keinerlei Hinweise

VON TYLER LARKIN
30.05.2013 | Stand 29.05.2013, 19:04 Uhr
Ein Portrait von Karl-Friedrich Meyer sowie ein Foto seines auffälligen Jeep Wrangler und der Rolex Submariner. - © FOTO: TYLER LARKIN
Ein Portrait von Karl-Friedrich Meyer sowie ein Foto seines auffälligen Jeep Wrangler und der Rolex Submariner. | © FOTO: TYLER LARKIN

Hüllhorst. Niemand verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen. Das perfekte Abtauchen ist eine Illusion, die nicht ins Informationszeitalter passt. Irgendwo findet sich immer ein Hinweis: das eingeloggte Mobiltelefon, die Aufnahme einer Überwachungskamera, die Sichtung des Autos, eine Kontobewegung. Auf Karl–Friedrich Meyer trifft nichts davon zu.

Seit dem Abend des 21. Oktober 2012 wird der 47-jährige Hüllhorster vermisst. Mit dem Hinweis an seine Lebensgefährtin, er "fahre noch einmal weg", verlies der Physiotherapeut gegen 19 Uhr an jenem Sonntagabend sein Haus im Ortsteil Schnathorst. Ohne das Handy, aber mit einer vierstelligen Bargeldsumme, machte er sich im Jeep Wrangler auf den Weg. Wohin oder zu wem, ist auch sieben Monate später ein Rätsel.

Information

Karl-Friedrich Meyer

Karl-Friedrich Meyer (47) ist circa 1,76 Meter groß und sehr schlank.

Er trägt kurze, dunkelblonde Haare.

Bekleidet war er am 21. Oktober 2012 mit einem rosafarbenen Hemd, Jeanshose und Westernstiefel.

Die Ermittlungskommission nimmt Hinweise unter Tel. (05 71) 88 66-46 21 entgegen.

Dass Karl-Friedrich Meyer losfuhr, ohne zu sagen wohin, war nicht außergewöhnlich. "Die Freundin hat das so hingenommen", sagt Polizist Thorsten Stiffel, Leiter der Ermittlungskommission (EK), die seit sieben Wochen jeden Stein umdreht, aber bislang nur "übersichtliche Antworten" findet, so Stiffel. "Meyer führte offenbar auch regelmäßig hohe Bargeldsummen mit sich. Und er kam auch ganz gut ohne Handy aus. Er war so ein Mensch", sagt Stiffel. Anders ausgedrückt: Nichts deutet an diesem Abend darauf hin, dass Karl-Friedrich Meyer abrupt von der Bildfläche verschwinden wird.

Die EK – mit acht Beamten besetzt – findet nicht den Hauch eines Motivs für eine geplante Flucht. Meyer genießt als Physiotherapeut einen hervorragenden Ruf. "Wegen seiner Fähigkeiten wird er Magic Meyer genannt", sagt Stiffel und berichtet von Patienten, die aus ganz Ostwestfalen in die Praxis am Heideweg kamen. Finanziell gab es keine Probleme, im Gegenteil: Meyer baute kürzlich ein Haus in Schnathorst, fuhr neben dem Jeep Wrangler einen Porsche Geländewagen und hatte keine Steuerschulden. Am Tag seines Verschwindens trug er eine Rolex am Handgelenk, Modell Submariner, runde 9.000 Euro wert.

"Wir glauben, er hat sein bisheriges Leben nicht freiwillig verlassen und schließen ein Verbrechen nicht aus", sagt EK-Leiter Stiffel. Doch sieben Wochen Ermittlungsarbeit ohne greifbare Erkenntnisse machen ihn stutzig.

"Die zentrale Frage für uns lautet: Was ist mit dem Auto geschehen?", fragt Stiffel. Trotz einer Interpol-Fahndung bleibt der Jeep verschwunden. "Jeder Polizist, der das Kennzeichen aus welchem Grund auch immer überprüft, bekommt die Suchmeldung." Der schwarze Geländewagen trägt auf dem Kotflügel einen markanten Schriftzug: "Witch Black" ist dort aufwendig auflackiert. "Wird so ein Pkw über längere Zeit abgestellt, fällt das auf", so Stiffel. Doch es gibt keine Sichtung. Der Wagen könnte demnach überall sein: in einer Scheune, auf dem Grund eines Baggersees, in der Schrottpresse – aber kaum noch auf öffentlichen Straßen.

150 Spuren haben die Beamten verfolgt. Darunter ein Hinweis, dass Meyer ein Faible für teure Stereoanlagen hat. "Er wollte sich einen Verstärker der Marke Mcintosh zulegen. Wir haben auch hier ermittelt. Vielleicht hatte jemand darüber Kontakt zu ihm", sagt Stiffel. Es ist der viel zitierte "noch so kleine Hinweis", auf den der Kommissar hofft.

Ist Meyer einem Verbrechen zum Opfer gefallen, sind der oder die Täter nicht in Panik geraten. Sonst wären Meyer oder sein Jeep gefunden worden.

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group