Lübbecker Land/Minden Wenig Chancen für LK-Kennzeichen

Lübbecker CDU-Abgeordnete überzeugen eigene Fraktion im Kreistag nicht / Wirtschaft hat Bedenken

VON FRANK HARTMANN

Lübbecker Land/Minden. Die von Lübbecker Bürgern ins Leben gerufene Initiative "Pro LK Kennzeichen" hat mittlerweile rund 1.250 Unterschriften zusammen, mit denen die Wiedereinführung des alten LK-Autokennzeichens unterstützt werden soll. In Minden hält sich die Sympathie für die Wahlmöglichkeit zwischen MI und LK jedoch in Grenzen.

Mehr als 160 deutsche Städte haben nach Inkrafttreten der Reform der Fahrzeugzulassungsverordnung am 1. November vergangenen Jahres ihre alten Autokennzeichen wieder zurück. Weitere 20 Städte werden zeitnah folgen. Davon geht Prof. Dr. Ralf Bochert aus, Dekan des Studiengangs Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn. Als "überraschend" bezeichnet er, dass zwei Drittel von 50.000 Befragten in den alten Bundesländern, wo die Gebietsreformen größtenteils 40 Jahre zurückliegen, ebenfalls zu ihrem Altkennzeichen zurück wollten.

So auch im Lübbecker Land, wo Dieter Wiegmann und seine Mitstreiter mit drei Aktionen in der Lübbecker Innenstadt und im Marktkauf Lübbecke rund 1.250 Unterschriften gesammelt haben. Wenn auch die Initiative von Lübbeckern ausgeht, beschränkt das Anliegen – die Wahlmöglichkeit zwischen den Nummernschildern MI und LK – sich nicht auf die alte Kreisstadt Lübbecke: "Wir haben auch sehr viele Unterschriften von Espelkampern, Rahdenern und Stemwedern bekommen", sagt Wiegmann und bemüht sich derzeit um eine Anlaufstelle im Nordkreis für die nächste Unterschriftenaktion.

Information

40 Jahre Thema

  • 1973 geht Minden-Lübbecke aus den Kreisen Minden und Lübbecke hervor. Es werden nur noch MI-Kennzeichen ausgegeben.
  • Im März 2012 spricht sich der Haupt- und Finanzausschuss Lübbecke für die Wiedereinführung des LK-Kennzeichens aus. Der Kreistag in Minden hingegen lehnt es wenige Tage später mit großer Mehrheit ab, das LK-Kennzeichen wieder einzuführen.
  • Das Bundesverkehrsministerium stellt es den Kreisen seit November 2012 frei, die alten Kennzeichen wie LK wieder zuzulassen. Voraussetzung wäre ein entsprechender Kreistagsbeschluss.
  • Eine aktuelle Umfrage von Dr. Ralf Bochert unter 50.000 Deutschen ergibt: 72 Prozent sagen ja zum Altkennzeichen.

Viel Eindruck macht er bei den Kreistagsabgeordneten in Minden damit nicht. Mit Ausnahme der Lübbecker CDU-Kreistagsabgeordneten Karlheinz Schlüter und Dirk Möllering, die angekündigt haben, sich für das LK-Kennzeichen stark zu machen und im Kreistag "einen neuen Anlauf zu nehmen".

Daraus wird wohl nichts. Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Friedrich Klanke der NW gestern auf Anfrage sagte, hegt er durchaus eine gewisse Sympathie für das Anliegen. Seine Fraktion werde aber keinen Antrag stellen, "zumal auch die fraktionsinterne Abstimmung seinerzeit überaus deutlich gegen eine Wiedereinführung ausgefallen ist".

Seinerzeit, das war am 19. März 2012, als der Kreistag unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Ral Niermann (SPD) in der Beschlussvorlage las: Insgesamt bestünden aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde wie auch der Kreispolizeibehörde "keine fachlichen Bedenken", die Wahlfreiheit für die Bürger einzuführen. Aus Sicht der Kreiswirtschaftsförderung werde jedoch zu bedenken gegeben, dass ein Abweichen von nur einem Kennzeichen für das Kreisgebiet "das Standortmarketing und die Weiterentwicklung der regionalen Identität beeinträchtigen könnte".

Vorsitzender der Interessengemeinschaft Standortförderung Kreis Minden-Lübbecke, der Niermann als Vorstandsmitglied angehört, ist Brauerei-Chef Christoph Barre aus Lübbecke. Im Gegensatz zu seinem Vater, der bei Wiegmann unterschrieben hat, sieht Christoph Barre die regionale Verbundenheit im Mühlenkreis durch das LK-Kennzeichen gefährdet: "Dieses Ziel würde ... aus unserer Sicht massiv konterkariert werden."

Keine Kreistagsfraktion hat dieser Ansicht widersprochen – das gilt auch weiterhin.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group