An seinem Standort Barenburg belädt Exxon derzeit noch Schwefelzüge und Ölzüge. Die Schwefelverladung wird allerdings in absehbarer Zeit eingestellt. Dann bleiben nur noch wenige Ölzüge, die die Strecke befahren. - © FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR
An seinem Standort Barenburg belädt Exxon derzeit noch Schwefelzüge und Ölzüge. Die Schwefelverladung wird allerdings in absehbarer Zeit eingestellt. Dann bleiben nur noch wenige Ölzüge, die die Strecke befahren. | © FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

RAHDEN Bahn AG will Südschleife bauen

Stadt und Verkehrsclub überrascht / Widerstand angekündigt / Exxon wird Schwefelzüge einstellen

VON JOERN SPREEN-LEDEBUR
Das Festhalten der DB an den Planungen sei kontraproduktiv für eine sinnvolle Verkehrsentwicklung, sagt der VCD-Landesvorsitzende.
Das Festhalten der DB an den Planungen sei kontraproduktiv für eine sinnvolle Verkehrsentwicklung, sagt der VCD-Landesvorsitzende.

Rahden. Wenn es um das Sulinger Kreuz und damit auch die Bahnlinie von Rahden in Richtung Bremen geht, dann gibt’s immer wieder Überraschungen in der wundersamen Welt der Deutschen Bahn AG. Das Unternehmen will die umstrittene Südschleife in Sulingen nun doch bauen - obwohl ab 2014 nur noch maximal zwei Güterzüge pro Woche erwartet werden. Diese Entscheidung stößt auf Unverständnis und Kritik.

Die sogenannte Südschleife stellt eine Verbindungsbahn zwischen den Strecken Rahden-Bremen und Diepholz-Nienburg dar, würde den Bahnhof Sulingen vom Schienenverkehr abbinden und die Rahdener Bahn unterbrechen. Ursprünglich wollte die Stadt Sulingen diese Trasse bauen, um den Güterverkehr zum Exxon-Standort Barenburg aus der Innenstadt heraus zu bekommen.

Zwischenzeitlich hatte das Eisenbahnbundesamt mit einem Planfeststellungsbeschluss den Bau ermöglicht. Angesichts leerer Kassen und geänderter politischer Mehrheiten im Rat hat die Stadt dieses Vorhaben aber zu den Akten gelegt.

Anders die bundeseigene Deutsche Bahn AG: Sie will die Südschleife nun selbst bauen. Das hatte Sulingens Bürgermeister Harald Knoop auf NW-Anfrage bestätigt. Nun meldete sich auch die DB - sie brauchte eine Woche, um Fragen der Redaktion zumindest teilweise zu beantworten.

Die "Rücknahme zugesagter finanzieller Mittel seitens der Stadt Sulingen" stelle für die DB Netz AG keinen Grund zur Aufgabe des Vorhabens dar, teilte ein Bahnsprecher mit. "Die DB Netz AG wird, da die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, weiterhin an dem Vorhaben festhalten."

Der Hinweis auf eine angeblich gegebene Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens erscheint zumindest zweifelhaft: Die Strecke wird derzeit von Schwefel- und von Ölzügen genutzt, die die Exxon Mobil-Anlagen in Barenburg verlassen. Der Schwefelzug aber, sagt Sulingens Bürgermeister Knoop, werde Ende nächsten Jahres eingestellt. Dann fahre nur noch ein Ölzug pro Woche. "Die Südschleife noch zu bauen - das kann ich so auch nicht verstehen", meint Knoop im Gespräch mit der NW.

Auf die Frage, ob die Deutsche Bahn AG die Stadt Sulingen dränge, die für die Südschleife benötigten Flächen im Flächennutzungsplan auszuweisen, antwortet der Konzern formal. In einem Flächennutzungsplan sollten Planungen und sonstige Nutzungsregelungen, die nach anderen gesetzlichen Vorschriften festgesetzt sind, vermerkt werden, heißt es in der DB-Antwort. "Hierbei handelt es sich vor allem um solche Planungen, die in Planfeststellungsverfahren auf Grund von Fachplanungsgesetzen durch Planfeststellungsbeschluss festgestellt werden."

Bei dem Planfeststellungsbeschluss vom 16. November 2011 "Verbindungsspange Sulingen" handele es sich "unzweifelhaft" um eine solche Planung, so der DB-Sprecher. Die Flächen für die Baumaßnahme "Südschleife Sulingen seien somit "planfestgestellt, auch wenn sie sich noch nicht in unserem Besitz befinden."

Die Frage, ob es zutreffend sei, dass die DB im Fall einer Nicht-Ausweisung im Flächennutzungsplan hier eine Enteignung der Stadt Sulingen anstrebe, blieb unbeantwortet.

Was die Kosten für die Südschleife angeht, wie lange Exxon noch beliefert wird, ob durch das nun geplante Vorhaben die private und am Sulinger Kreuz interessierte Rhein-Sieg-Eisenbahn ausgebremst werden soll - zu diesen Fragen hüllt sich der Staatskonzern ebenfalls in Schweigen.

Anders dagegen Exxon-Sprecherin Dr. Ritva Westendorf-Lahouse: Sie bestätigt die Informationen von Bürgermeister Knoop. Westendorf-Lahouse erklärte, dass Exxon seine Schwefelverladung in Barenburg mittelfristig einstellen werde. Die Erdölproduktion sei davon nicht betroffen. "Nach heutigem Stand werden bis mindestens 2030 ein bis zwei Güterzüge pro Woche am Standort Barenburg verladen."

Anders als der DB-Konzern nimmt Michael Frömming kein Blatt vor den Mund. "Das Festhalten der Deutschen Bahn AG ist kontraproduktiv für eine sinnvolle Verkehrsentwicklung rund um Sulingen", sagt der niedersächsische Landesvorsitzende im Verkehrsclub Deutschland (VCD).

"Die DB sollte sich gut überlegen, ob sie an diesem schrägen Verhalten zum Bau einer nicht notwendigen und inzwischen von keinem Beteiligten mehr gewünschten Verbindungskurve festhalten will."

Als 100-prozentige Tochter des Bundes arbeite die DB mit "unserem Steuergeld, das an anderen Stellen im Bahnnetz dringend benötigt wird; das sollten sich die Verantwortlichen vor Augen führen." Der VCD werde den politischen Druck auf die DB erhöhen und auf die Entscheidungsträger einwirken, die Planungen für die "Nonsens-Kurve" schnell zu beerdigen, kündigt Frömming an.

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