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Krankenschwester Andrea Schürmann (l.) hat für ihre Patienten weniger Zeit. Geschäftsführer Mario Hartmann behält den wirtschaftlichen Erfolg und das Wachstum des Krankenhauses im Auge. Hinter ihnen stellen sich andere Mitarbeiter für ein Gruppenfoto zum Jubiläum auf. - © FOTO: TYL
Krankenschwester Andrea Schürmann (l.) hat für ihre Patienten weniger Zeit. Geschäftsführer Mario Hartmann behält den wirtschaftlichen Erfolg und das Wachstum des Krankenhauses im Auge. Hinter ihnen stellen sich andere Mitarbeiter für ein Gruppenfoto zum Jubiläum auf. | © FOTO: TYL

Lübbecke "Ein Krankenhaus, zwei Standorte"

INTERVIEW: Mario Hartmann und Andrea Schürmann über Veränderungen im Krankenhaus Lübbecke

15.06.2010 | Stand 15.06.2010, 20:12 Uhr

Lübbecke. Das Krankenhaus Lübbecke feiert am 25. Juni mit einem Festakt in der Lübbecker Stadthalle sein 25-jähriges Bestehen. Mario Hartmann, seit 2006 Geschäftsführer, und Krankenschwester Andrea Schürmann, die von Anfang an dabei war, gaben NW-Redakteur Frank Hartmann vorab einen Einblick.

Vor wenigen Tagen haben sich die Arbeitgeber und die Vertretung der streikenden Ärzte geeinigt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, Herr Hartmann?
MARIO HARTMANN: Das erzielte Ergebnis hätten wir früher haben können. Der Streik hat das Krankenhaus Lübbecke etwa 600.00 Euro an Einnahmen gekostet. Das ist schade.

Wie steht das Haus denn generell finanziell dar?
HARTMANN: Das Krankenhaus Lübbecke ist im Verbund der Mühlenkreis-Kliniken gut aufgestellt. Die Zahlen für 2008 und 2009 werden gerade geprüft. Für das vergangene Jahr erwarten wir ein positives Jahresergebnis in sechsstelliger Höhe.

Wofür verwenden Sie Überschüsse, zur Reduzierung des Defizits des Mindener Klinikums?
HARTMANN: Nein, die Überschüsse werden hier verwendet. Wir haben das Geld beispielsweise zur Modernisierung des OPs und der Psychiatrie verwendet.

Frau Schürmann, sie haben im alten Krankenhaus an der Wittekindstraße Ihre Ausbildung absolviert und verfolgen die Entwicklung des Lübbecker Krankenhauses seit 25 Jahren. Was hat sich verändert?
ANDREA SCHÜRMANN: Viel. Früher wurden Patienten auf Wunsch von einer zur nächsten Station verlegt. Es seien doch schließlich alle Doktoren im Haus, meinten sie. Heute gibt es Fallpauschalen, da müssen wir gerade älteren Patienten erklären, dass wir sie zunächst entlassen und sie eine neueÜberweisung brauchen, um erneut aufgenommen zu werden. Auch die Verlegung der Küche nach Minden 2008 brachte eine deutliche Veränderung. Während meiner Ausbildung wurden die Essenswünsche der Patienten auf einer Schiefertafel notiert und die Brote handgeschmiert von Küchenfrauen. Wenn heute mal eine bestimmte Teesorte gewünscht wird und kein Beutel davon mehr da ist, müssen wir den Patienten sagen: ’Minden hat nicht geliefert.’
HARTMANN: Trotz der Kosten für den dreimaligen Transport am Tag und der Aufbereitung des Essens hier im Haus arbeitet die Küche jetzt wirtschaftlicher. Das gleiche gilt für die von Lübbecke nach Minden verlegte Apotheke. Auch Bereiche wie Labor und Röntgen wurden aus diesem Grund zentralisiert. Von hier aus versorgen wir zum Beispiel Rahden mit, um dort nicht alle Fachkräfte vorhalten zu müssen.

Sie arbeiten in der Allgemeinchirurgischen Abteilung, Frau Schürmann. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert?
SCHÜRMANN: Wir müssen viel mehr Dokumente bearbeiten und haben für alle Aufgaben weniger Zeit. Auf meiner Station ist jede Schwester für zwölf von insgesamt 36 Betten zuständig. Anders als früher, als die Stationsleiterin Aufgaben wie Blutdruck messen und Verbinden verteilt hat und als einzige bei den Visiten dabei war, ist heute jede Schwester für alles verantwortlich, was in ihren Zimmern passiert. Und sie ist auch bei der Visite anwesend.

Welche Folgen hat der von Ihnen angesprochene Zeitmangel?
SCHÜRMANN: Wir haben vor allem für unsere Patienten weniger Zeit. Das ist schade, es geht doch um Menschen. Ein Krankenhaus kann man nicht mit einer Firma vergleichen.
HARTMANN: Man darf aber nicht vergessen, dass die Verweildauer der Patienten stark gesunken ist, in der Chirurgie zum Beispiel von zwölf auf fünf Tage.
SCHÜRMANN: Patienten, die früher 18 Tage nach der Entfernung einer Gallenblase blieben, weil ein großer Schnitt gemacht werden musste, können heute nach drei Tagen wieder nach Hause. Allerdings waren früher für zwölf Patienten fünf, sechs examinierte Kräfte zuständig, heute sind es noch drei.

Welche Projekte im Krankenhaus stehen als nächstes an?
HARTMANN: Zunächst personelle: Dr. Dettmar, Chefarzt der urologischen Abteilung, geht zum 1. September in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wurde der leitende Oberarzt Dr. Pohlith gewählt. Baulich zentralisiert und erweitert wird der Bereich Funktionsdiagnostik mit Endoskopie, EKG, Lungenfunktion - ebenfalls im Herbst. Außerdem wollen wir die Krankenhauser Lübbecke und Rahden stärker zusammenführen.

Wie weit soll die Zusammenführung gehen?
HARTMANN: Das angestrebte Ziel ist, beide Häuser so weit zu fusionieren, dass man von einem Krankenhaus mit zwei Standorten sprechen kann. Wir hätten dann für den OP-Bereich beispielsweise nur noch einen Stellenplan. Auch die Budgets könnte man zusammenlegen. Für das kommende Jahr ist zudem die Entscheidung gefallen, das Krankenhaus Lübbecke zum Standort des Kassenärztlichen Notdienstes zu machen.

Das bedeutet?
HARTMANN: Dass Menschen, die bei einem Notfall an einen niedergelassenen Arzt in Bereitschaft verwiesen werden, diesen Arzt von 8 bis 20 Uhr hier im Krankenhaus antreffen.

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