Lübbecke "Wippermann war es nicht allein"

Stellvertretender Kämmerer weiter unter Druck / "Volles Vertrauen" auf Seiten der SPD

VON FRANK HARTMANN

Lübbecke. Die Grünen, die Thomas Meyer in der jüngsten Ratssitzung ihr Misstrauen ausgesprochen haben, stehen mit ihrer Meinung nicht allein da. Eine Umfrage der NW unter den sechs Ratsfraktionen zeigt, dass auch andere Parteien die Rolle des stellvertretenden Kämmerers in der Wippermann-Affäre äußerst kritisch beurteilen.

Die Grünen haben die am vergangenen Donnerstag in der Ratssitzung erhobenen Vorwürfe gegen den stellvertretenden Kämmerer, Thomas Meyer, gestern begründet: "Die Commerzbank hat direkt mit Meyer telefoniert. Ob und wann er mit Susanne Lindemann darüber gesprochen hat, ist nie richtig aufgeklärt worden", sagte Heinrich Stenau gestern auf NW-Anfrage und verweist auf Bad Oeynhausen: Zwei der Anzeigen gegen Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann im Zusammenhang mit umstrittenen Zins-Derivat-Geschäften, die bei der Staatsanwaltschaft vorlägen, kämen aus dem Rathaus. Einen Selbstreinigungsprozess wie in Oeynhausen, sagt Stenau, "gibt es in Lübbecke nicht". Die Grünen könnten zwar damit leben, wenn bis zur Aufklärung des Verlustes von 1,65 Millionen Euro durch ein Zinstauschgeschäft der städtischen Wirtschaftsbetriebe (WBL) durch den damaligen Geschäftsführer Achim Wippermann nichts passiere.

Gleichwohl erwarte man, dass der Bürgermeister sich des Kämmerer-Themas annehme. "Wir haben
immer gesagt, dass Meyer mitverantwortlich ist." Als Kämmerer könne man sich ihn nicht vorstellen, so Stenau abschließend.
"Wippermann kann es nicht allein gewesen sein", meint Kersten Bunke (CDU). Zumindest die ehemalige Bürgermeisterin Susanne Lindemann (SPD) und Wippermanns Stellvertreter Meyer seien mit in der Verantwortung. Bunke zufolge hat Lindemann über Meyer gesagt, er habe umfassend zur Aufklärung des Sachverhalts beigetragen. Bunke: "Ich halte meine Hand nicht schützend über ihn."

Auch für die Wählergemeinschaft Lübbecke (WL) "ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen". WL-Fraktionsvorsitzender Karl-Hermann Blaue weiter: "Herrn Wippermann allein kann man nicht alle Schuld zuschieben. Er war ein Bauernopfer. Auch andere tragen Verantwortung, haben sich bisher aber nicht dazu bekannt."
"Vor Gericht wird die Sache Wippermann auch die Sache Meyer erklären", davon ist Bernd Sasse-Westermann (LK) überzeugt. Sollte Wippermann zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt werden, werde dieser "auspacken". Sasse-Westermann: "So lange Meyers Unschuld nicht widerlegt ist, arbeite ich mit ihm zusammen."

Bevor die Personalie Meyer nicht intern abgeklärt ist, möchte die FDP keine Stellungnahme abgeben. Jürgen Brockmann: "Man sollte sich nicht in der Öffentlichkeit über eine Person hermachen."
Rückendeckung erhält Meyer hingegen von der SPD. Meyer habe gezeigt, dass er die Aufgaben in der Kämmerei gut bewältige, sagte gestern Arnold Oevermann. Die SPD-Fraktion habe "vollstes Vertrauen" in ihn.

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