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Die Begehung von Uwe Hartemier (2.v.l.) und seinen Mitstreitern hat es gezeigt - der Lübbecker ZOB ist "überdurchschnittlich" gut. - © Michael Grundmeier
Die Begehung von Uwe Hartemier (2.v.l.) und seinen Mitstreitern hat es gezeigt - der Lübbecker ZOB ist "überdurchschnittlich" gut. | © Michael Grundmeier

Lübbecke So bewertet der Verkehrsclub Deutschland den Lübbecker ZOB

Mitglieder des Verkehrsclubs Deutschland machen an ZOB und Bahnhof den Haltestellen-Check. Wie sie die Qualität bewerten.

Michael Grundmeier
20.07.2019 | Stand 19.07.2019, 16:03 Uhr

Lübbecke. Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) soll bleiben, wo er ist. So zumindest lautet eine Forderung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der dem ZOB zugleich ein „überdurchschnittlich" gutes Zeugnis ausstellt. „Bei einer Begehung haben wir in vielen Bereichen gute Werte ermittelt", gab Uwe Hartmeier zu verstehen. Die geplante Verlagerung an den Niederwall im Zuge des Westertorprojektes macht Hartmeier „sprachlos". Bei seinem „Fußwege-Check" geht der VCD nach einem bundesweit einheitlichen Katalog vor. In mehreren Städten werden aktuell Begehungen durchgeführt, als Prüfer dienen die Mitglieder der Ortsgruppen. „Unser Ziel war es, die Qualität der Haltestellen, aber auch der Zuwegungen zu ermitteln", sagt Uwe Hartmeier vom VCD Minden-Lübbecke. Dabei habe Lübbecke gut abgeschnitten. "Verlagerung an den Niederwall ist nicht nachzuvollziehen" Als Erstes nahm das Team den ZOB unter die Lupe. Hier zeige sich ein erstaunlich stimmiges Gesamtbild – der ZOB schnitt in allen Kategorien mit weit über 50 Prozent ab. Das galt sowohl in Sachen Sicherheit (89 von 100 Prozent), aber auch bei der Barrierefreiheit (100/100), dem Komfort (81/100) und der Haltestelle selbst (84/100). Nur bei den „Orientierungshilfen" gab es eine etwas geringere Bewertung (64 Prozent). „Da würden wir uns eine bessere Beschilderung wünschen, beispielsweise ein Schild, das auf die Richtung der Fußgängerzone hinweist, darüber hinaus könnte man einen Stadtplan aushängen", erklärt Hartmeier. Im Vergleich zu anderen sei Lübbeckes Zentraler Omnibusbahnhof in vielen Teilen vorbildhaft und auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. „Deshalb kann ich die geplante Verlagerung an den Niederwall auch überhaupt nicht nachvollziehen". Viel zu meckern gab es nicht Ebenfalls einen guten Eindruck machte der Lübbecker Bahnhof. Bahnhof und Bushaltestelle wurden zusammen bewertet, viel zu meckern gab es nicht (Haltestelle 82 Prozent, Barrierefreiheit 90, Komfort 75, Orientierungshilfe 86, Sicherheit 78). Im Fokus der Prüfer stand dabei das Umfeld der Haltestelle: „Wir gucken beispielsweise, ob es sichere Querungen, ein hindernisfreies Haltestellenumfeld oder Orientierungshilfen gibt", machte Hartmeier deutlich. Eher subjektive Faktoren (wie die „Lebendigkeit der Fußgängerzone") hätten wiederum einen großen Einfluss darauf, wie eine Haltestelle von den Bürgern bewertet und angenommen werde, sagt Philipp Kosok. Leiter des Projekts „Zu Fuß zur Haltestelle" und hauptamtlicher VCD-Mitarbeiter aus Berlin, der die Gruppe begleitet hat. Die Aktion (Motto: „Ein Herz für den ZOB Lübbecke") soll auf die „mögliche Zerstörung eines vorbildlichen Busbahnhofs" aufmerksam machen. „Der ZOB soll so erhalten bleiben, wie er ist", sagt Hartmeier. Die geplante Verlagerung sehe man „sehr kritisch". "Drastische Verkleinerung desd ZOB fördert Autoverkehr" Gründe formuliert er in einer Stellungnahme, die unter anderem das Fehlen eines „zukunftsfähigen Konzeptes für einen umweltgerechten und sozialverträglichen Verkehr" bemängelt. Stattdessen fördere die „drastische Verkleinerung des ZOB zugunsten eines Parkplatzes" den Autoverkehr, meint Hartmeier. Die Planung gehe damit zu Lasten des ÖPNV, der eigentlich ausgebaut werden müsste. Ein anderes Problem sieht Hartmeier darin, dass Schüler und andere Nutzer eine stark befahrene Hauptstraße queren müssten, um den Bus zu bekommen. Dadurch werde das Risiko, dass es zu einem Unfall kommt, erhöht. Das sei eigentlich „unzumutbar". Laut Hartmeier gilt das auch für Radfahrer, die künftig direkt an wartenden und startenden Bussen entlangfahren müssen. Busse, die die Kreisel künftig für ihre Wendemanöver nutzen würden, würden die Situation zusätzlich verschlechtern. Darüber hinaus fürchtet Hartmeier um die Wohn- und Lebensqualität von Anwohnern (Parkplatzsuche). Das Argument der Planer, der Umzug sei nötig wegen der Parkplätze für den Einkaufsmarkt, hält Hartmeier für nicht stichhaltig. „Eine ähnliche Situation haben wir in Espelkamp, wo ebenfalls ein großes Einkaufszentrum in die Stadt gepflanzt wurde, das hat ja offenbar auch nicht gut funktioniert." "Stadt sollte Alternativen suchen" Anstatt einen „vorbildlichen ZOB" zu opfern, sollte die Stadt nach Alternativen suchen.

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