Die Schwimmbahnen hinter Bäderbetriebsleiter Thorsten Keiser sind 50 Meter lang. Im Zuge der Sanierung des Bades könnten sie übernächstes Jahr auf 25 Meter verkürzt werden, um beispielsweise Wasser- und Energiekosten zu sparen. (Archivfoto) - © Jemima Wittig
Die Schwimmbahnen hinter Bäderbetriebsleiter Thorsten Keiser sind 50 Meter lang. Im Zuge der Sanierung des Bades könnten sie übernächstes Jahr auf 25 Meter verkürzt werden, um beispielsweise Wasser- und Energiekosten zu sparen. (Archivfoto) | © Jemima Wittig

Lübbecke Drei Millionen Euro für das Gehlenbecker Freibad in Lübbecke

Bürgermeister und WBL-Geschäftsführer erwarten noch in diesem Jahr eine Förderzusage für die Sanierung des Gehlenbecker Bades. Länge des Schwimmbeckens spielt in Klimaschutz-Diskussion eine Rolle .

Frank Hartmann
08.07.2019 | Stand 09.07.2019, 15:24 Uhr

Lübbecke. Eigentlich wollten die Grünen in der jüngsten Ratssitzung die Ausrufung des „Klimanotstands" in Lübbecke beschließen lassen. Die CDU hatte einen eigenen Antrag vorgelegt, mit dem sie eine „klimagerechte Stadtentwicklung" sicherstellen wollte. Überraschend zogen beide Fraktionsvorsitzenden jedoch ihre Anträge zurück. Stattdessen soll in der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause am 19. September ein „gemeinsamer Antrag" vorgelegt werden, so Heinrich Stenau (Grüne). Klaus-Jürgen Bernotat (CDU) schloss sich an und ergänzte, man wolle „alle Bevölkerungsschichten mitnehmen" und dazu einen Beirat einrichten. Im Antrag seiner Fraktion geht Bernotat auch auf die Klimanotstands-Initiative der Grünen ein und merkt unter anderem zu den Folgen an: „Nicht zuletzt müsste jede Form unnötigen CO2-Ausstosses – zum Beispiel Schwimmbäder, Kirmes, Volksfeste – konsequent eingestellt werden." Kritisch mit Antrag beschäftigt Die Stadtverwaltung hatte sich schon im Vorfeld der Ratssitzung kritisch mit dem Klimanotstands-Antrag der Grünen beschäftigt. Auf allen Feldern seien Aspekte des Energiesparens, der Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen, der Reduktion von Emissionen sowie der allgemeinen Ökobilanz zentraler Bestandteil jeden Verwaltungshandelns: „Das trifft im Übrigen an einem aktuellen Beispiel auch auf die Planungen zur Umgestaltung des Freibades Gehlenbeck zu, bei denen die Verwaltung eine energiesparende und im Hinblick auf die CO2-Bilanz günstige Sanierung umsetzen möchte, während sich ausgerechnet die den Klimanotstand ausrufen wollende Fraktion für die Sanierungsvariante ausgesprochen hat, die den größten Energieverbrauch und CO2-Ausstoß verursachen würde." Gemeint ist die Länge des Schwimmbeckens. Beckenform und -größe hätten Einfluss auf den Energieverbrauch, so Dirk Raddy, als Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Lübbecke (WBL) zuständig für den Betrieb der Bäder in Lübbecke. Wassermenge, Verdunstung, Beheizung und Chemikalieneinsatz würden überdacht. Auch über einen Verzicht der Beheizung, wenn nach Schließung des Freibades das Becken abgedeckt werde, denke man im Arbeitskreis nach, so Raddy am Freitag gegenüber der NW. 6,65 Millionen Euro für die Freibad-Modernisierung Wie Haberbosch im Rat mitteilte, waren er und Raddy am Mittwoch, 3. Juli, in Bonn beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, um zu besprechen, wie der Förderantrag am besten zu stellen sei, der bis zum 28. August vorliegen muss. Auf Nachfrage sagte Raddy gestern, es gehe um Gesamtkosten von 6,65 Millionen Euro für die Freibad-Modernisierung. Drei Millionen Euro davon könnten als Zuschuss des Bundes fließen. Lübbecke gehöre zu den 185 Projekten, die in das Programm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen aufgenommen worden seien. Raddy: „Mit der Förderzusage rechnen wir im Laufe dieses Jahres." Wenn der Förderbescheid vorliegt, soll der Rat im September beschließen, welche der drei – bislang nichtöffentlichen – Sanierungsvarianten die Politik favorisiert. Danach werde europaweit ein Planer gesucht. Mit einer Umsetzung des Freibad-Projekts rechnet Raddy derzeit nicht vor 2021. In der Ratssitzung ging der Bürgermeister über das hinaus, was speziell an die Grünen gerichtet war. Ohne einzelne Fraktionen zu nennen, sagte er in die Runde: „Ich finde es erstaunlich, wie alle nach den Europawahl-Ergebnissen den Klimaschutz für sich entdecken." Aber natürlich könne jeder „politisch auf den Zug der Verwaltung aufspringen". Peter Rose (LK) verwahrte sich gegen diese Kritik und entgegnete auf Haberboschs Hinweis, es stünden „zu viele Autos" vor dem Rathaus: „Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit nach Herford." Während Torsten Stank sagte, die SPD sei bereit für einen runden Tisch („Wir müssen was machen"), merkte Bahadir Gür (SPD) an: „Lieber zu spät als gar nicht. Denkt an Greta Thunberg, die allein vor ihrer Schule angefangen hat." Daraus wurden bekanntlich weltweit die Fridays-for-Future-Demonstrationen. Dieter Wiegmann, Fraktions-Chef der WL, merkte kritisch an, den anderen Parteien „laufen die Kunden weg". Nun wollten alle „ein Häppchen haben".

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