Drei Ortschaften feierten ein buntes Jubiläumsfest. Was die Orte Stockhausen, Obermehnen und Blasheim über die Jahre prägte war die Gemeinsamkeit. Das wurde auch bei der Feier rund um die Blasheimer Kirche deutlich. - © Sigrid Dittmann
Drei Ortschaften feierten ein buntes Jubiläumsfest. Was die Orte Stockhausen, Obermehnen und Blasheim über die Jahre prägte war die Gemeinsamkeit. Das wurde auch bei der Feier rund um die Blasheimer Kirche deutlich. | © Sigrid Dittmann

Lübbecke 1.050 Jahre Altgemeinde Blasheim und kein bisschen alt

Blasheim feiert mit vielen Gästen sein Jubiläum.

Michael Grundmeier
08.07.2019 | Stand 07.07.2019, 18:17 Uhr |
Sigrid Dittmann

Lübbecke-Blasheim. Diese drei gehören einfach zusammen: Zur Jubiläumsfeier der Altgemeinde Blasheim mit den Ortschaften Obermehnen, Stockhausen und Blasheim, trafen sich viele Bürger aus dem Jubiläums-Ort und ebensoviele Gäste aus der Nachbarschaft auf dem Kirchplatz. Walter Hoffmann, Ortsheimatpfleger in Blasheim und Motor des Organisationsteams, freute sich über die vielen Gäste, die dann ein schönes und liebevoll gestaltetes Programm erlebten. Blasheim verdankt das Jubiläum einer Schekung des Leverner Ritters Worad an den Mindener Bischof. Worad verschwenkte um 969 für sein Seelenheil all seinen Besitz an den Mindener Dom und erhielt im Gegenzug für den Rest seines Lebens unter anderem Einkünfte aus dem Haupthof in Blasheim. "Die Dörfer verbindet viel, nicht nur die Kirche und der BSC" Der Posaunenchor unter der Leitung von Martin Fröhlich spielte mit Unterstützung einiger Bläser der SELK-Gemeinde Stockhausen sommerliche Weisen und eröffnete so den bunten Nachmittag. „Drei Ortschaften, die sich gut verstehen: Es klappte mit der Ausrichtung des Festes wie früher", freute sich Manfred Muth, Ortsvorsteher in Blasheim. Er dankte allen Vereinen und Mitwirkenden. „Die Dörfer verbindet viel, nicht nur die Kirche und der BSC", sagte Karl-Friedrich Rahe als Vertreter der Stadt. Auch Bürgermeister Frank Haberbosch gratulierte der Jubiläums-Ortschaft. „Ihr pflegt eine lebendige Dorfgemeinschaft, das ist sehr gut", lobt der Ratsvorsitzende. Wilhelm Aspelmeier und Gerda Bleckmann führten in alter Blasheimer Tracht und in plattdeutschem Dialekt gelungen durch den Nachmittag. Reichlich Programm und viel Musik Auf der Bühne gab es jede Stunde eine neue Attraktion. Die Tanz-AG der Grundschule Blasheim eröffnete mit Volkstänzen aus der ganzen Welt den Reigen. In ihren bunten Kostümen boten sie mit ihren fröhlichen Tänzen dem Publikum einen besonderen Leckerbissen. Der Schulchor der Blasheimer Grundschule hatte einige Ausschnitte aus dem diesjährigen Musical mitgebracht. Zum Tanz und Gesangsstück „Tulshi pamoja" aus der afrikanischen Savanne trugen sie tolle Kostüme. Nach dem bunten Spektakel auf der Bühne entführte der Kirchenchor, die Chorallen, mit verträumten Weisen die Gäste zurück in alte Zeiten. Die mehr als 1.000 Jahre währende, bewegte Geschichte der Orte wurde durch die Fotografien an den Bilderwänden in der Kirche wieder lebendig. Da stand manch ein Besucher staunend vor den historischen Aufnahmen. Der alte Bahnhof, den es schon lange nicht mehr gibt, die Veränderungen in der Kirche, bei der Feuerwehr, die Entwicklung des Blasheimer Marktes: Alles war hier festgehalten, das weckte Erinnerungen. Warum ein Aufstieg auf den Kirchturm lohnt Das Programm der Jubiläumsfeier ließ keine Wünsche offen. Der BSC lockte Jung und Alt zum Mitmachen an die Stände. Wer sportlich unterwegs war, konnte auch die 90 Stufen im Kirchturm erklimmen, um den Blick über die Ortschaften zu genießen. Oder man ließ sich mit Traktor und Planwagen umher fahren. Die Seilschläger zeigten ihr Können und an den Ständen der Obermehner Sportschützen oder der Oberbauerschafter Bogenschützen konnte jeder sein Glück versuchen und die Treffsicherheit testen. Die Feuerwehr (Zug West) informierte über ihre Arbeit. Die urigen Geräusche der Lanz-Traktoren beim Anheizen ließen Technik-Geschichte lebendig werden. „Die alten Traktoren gehören einfach dazu, die Landwirtschaft hat die Dörfer hier über die Jahre ernährt", erklärte Fred Grundmann aus Blasheim. Er hatte einige Traktorenfreunde für die Ausstellung gewonnen. Jubiläumsbuch berichtet von einem alten "Krimi" Wer an Blasheim und seine Nachbarorte denkt, der denkt an drei friedliche Orte, in denen es sich gut leben lässt. Dass hier vor mehreren 100 Jahren ein wahrer „Krimi" stattgefunden hat, lässt sich nur schwer glauben. Tatsächlich aber lehnten sich die gottesfürchtigen Einwohner nicht nur gegen das Andreas-Stift Lübbecke auf, sondern auch gegen den Bischof aus Minden auf. Sogar der Papst habe Blasheim damals gekannt, sagte Sebastian Schröder im Rahmen der Vorstellung der Festschrift „969 bis 2019 – 1.050 Jahre Altgemeinde Blasheim". Was war geschehen? Im Grunde ging es bei dem Streit um Macht zwischen Geistlichkeit und Adel. Blasheim lag im Bistum Minden, wobei das Bistum weit größer war als das Hochstift Minden, in dem der Bischof auch als weltlicher Herrscher das Sagen hatte – und Blasheim lag eben auch im Hochstift Minden. Warum es beim Streit der Blasheimer mit dem Bischof ging Darüber entbrannte im 15. Jahrhundert ein heftiger Streit zwischen den Grafen von Tecklenburg als Stiftern der Blasheimer Kirche, den Bewohnern der Bauerschaften Blasheim, Stockhausen und Obermehnen sowie dem Mindener Bischof. Es ging um die Frage, wer in geistlichen Belangen entscheiden durfte, aber auch um die kirchlichen Steuern und die Anstellung von Predigern in Blasheim. Wer sollte die Zahlungen für kirchliche Amtshandlungen bekommen? Zusätzliche Brisanz gewann der Streit, weil der Bischof die Blasheimer Kirche offiziell dem Kollegiatstift St. Andreas in Lübbecke zugeschlagen hatte. Das Stift beanspruchte nach dieser „Inkorporation", in allen seelsorgerlichen Fragen zuständig zu sein. Blasheim war zu jedem Zeitpunkt also keine selbstständige Pfarrkirche. Warum die Exkommunikation so gefürchtet war 1460 wandte sich das Stift mit einer Beschwerde an den Offizial in Köln, dem Sitz des Erzbischofs. Die Grafen von Tecklenburg erklärten, dass sie in ihrer Blasheimer Kirche den Pfarrer einsetzen dürften. Das lehnten das Andreas-Stift ab, weil die Blasheimer Kirche ihm untergeordnet sei. Der Offizial stellte sich auf die Seite des Stifts und urteilte, der Prediger der Kapelle in Blasheim, Heinrich Springmann, habe sich den Weisungen des Stifts und des Bischofs zu beugen – sonst werde er exkommuniziert. Die Exkommunikation war damals gefürchtet – Gläubige wähnten, dann in Fegefeuer und ewiger Verdammnis zu enden. Der Konflikt schwelte weiter. 1491 änderte sich die Situation grundlegend. Der Mindener Bischof Heinrich von Schaumburg erklärte, dass Blasheim nicht länger dem Andreas-Stift zu Lübbecke inkorporiert sei. Damit wurde aus der Kapellengemeinde Blasheim eine eigenständige Pfarrkirche. "Ein Kreuz ist das mit dem Markt" Spannend waren auch Dokumentationen von Christel Droste und Helmut Hüffmann aus dem Stadtarchiv. Hüffmann schreibt über „Landwirtschaft, Gutsherrschaft und Verstädterung in Blasheim", Droste über den Blasheimer Markt. Ein Themas war dabei das 450. Jubiläum des Blama im September. Ähnlich spannend sind die Erinnerungen von Pfarrer Husemann, der um 1900 herum einer der schärfsten Kritiker des Marktes war. Er habe die sittliche Reife gefährdet gesehen, erklärte Droste. Unter anderem befürchtete er Diebstähle und Lasterhaftigkeit. „Ein Kreuz ist das mit dem Markt", schrieb Husemann. "Wir hatten viele Besucher, es ist alles gelungen" Nach den Referaten gab es Geschenke vom Ortsheimatpfleger Walter Hoffmann. Den Autoren sei eine großartige Festschrift gelungen, sagte er. Neben Christel Droste, Sebastian Schröder und Helmut Hüffmann haben weitere Personen an der Schrift mitgearbeitet: Klaus-Jürgen Bernotat, Sabine Grünert, Walter Hoffmann, Manfred Muth, Gerd Heinrich Niemeyer, Karl-Friedrich Rahe, Andreas Sieveking und Torsten Stank. Ebenfalls viel Zuspruch fand das offene Singen. Der Schulchor, der Kirchenchor Chorallen und ein gemeinsamer Posaunenchor stimmten bekannte Lieder an. Spät am Abend dann die Feuershow von „Feuerflut". Drehende Räder und sprühende Funken: Jung und Alt waren begeistert. Und auch Hoffmann war zufrieden: „Wir hatten viele Besucher hier und eigentlich auch Glück mit dem Wetter, es ist alles gut gelungen."

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